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Migration und Integration in Deutschland

[Es würde im Interesse der deutschen Arbeiter liegen, wenn wir sie zu Fachkräften ausbilden.] Dafür müssen wir natürlich dann die relativ primitiveren Arbeiten … von ausländischen Arbeitskräften besorgen lassen.

Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard, NWDR-Interview vom 9. April 1954

Ausländische Aktien

Handel mit Aktien aus der Heimat

Das Handeln mit ausländischen Aktion ist insbesondere für Einwanderer interessant, die auf ihr Vorwissen aus der Heimat bauen können. Allerdings ist das Handeln von der Ferne aus mit Vor- und Nachteilen verbunden.

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Börse © AhmadArdity @ pixabay.com (CC0), bearb. MiG

Menschen, die mit Aktien handeln, möchten dies auch dann weiter tun, wenn sie in anderes Land auswandern. Da in der neuen Heimat so ziemlich alles neu ist, wünschen sich viele Migranten mit ihnen vertrauten Wertpapieren wieder aktiv in den Handel einzusteigen. Dies ist für Einwanderer problemlos möglich. Was viele nicht wissen, wer in Deutschland mit ausländischen Aktien handelt, kann von zahlreichen Vorteilen profitieren, sollte sich aber auch über die Risiken im Klaren sein.

Bevor in eine Aktie investiert wird, sollte das Währungsrisiko sowie die Währungschancen betrachtet werden. Auch kann es sich als eine Chance erweisen, wenn Einwanderer auf Märkten handeln, die von der lokalen Entwicklung in Deutschland vollkommen unabhängig sind. Ausländische Aktien bringen für den Einwanderer zudem den Vorteil mit, dass häufiger Dividenden ausgeschüttet werden, als es bei inländischen Aktien der Fall ist. Als profitabel kann sich die Tatsache erweisen, dass ausländische Märkte in anderen Phasen sind, als die inländischen. Der Einwanderer muss jedoch Märkte vergleichen und Kurse studieren, um tatsächlich von all diesen Vorteilen profitieren zu können.

Vor- und Nachteile ausländischer Aktien

Stammt der Einwanderer aus einem sogenannten Schwellenland, kann sich der Handel mit dortigen Aktien als sehr profitabel erweisen. Dort befinden sich die Märkte zumeist auf einem anderen Entwicklungsstand. Die zu erwartenden Gewinne können daher deutlich höher ausfallen, als bei einer Aktie eines großen amerikanischen Unternehmens.

Diesen Vorteilen stehen natürlich hohe Risiken gegenüber. Unternehmen in Schwellenländern sind oft keine Global-Player und auch noch nicht gefestigt in den Märkten. Das Risiko, große Verluste hinzunehmen, ist entsprechend größer als bei einem US-Amerikanischen Giganten.

Handel mit ausländischen Aktien

Wer dennoch in eine Aktie aus seinem Heimatland investieren möchte, muss in einigen Fällen erst einmal nach der betreffenden Aktie suchen. Ist die Aktie weit verbreitet und kann sie eine entsprechende Liquidität vorweisen, fällt es deutlich leichter, sie zu finden. Gehandelt können ausländische Aktien zumeist auf sogenannten Onlinemärkten. Deutschefxbroker.de bietet eine gute Übersicht, mit welchen Aktien und sonstigen Wertpapieren für den Handel zur Verfügung stehen. Hier kann ein Überblick sowohl über inländische Märkte als auch über den Handel mit ausländischen Aktien aus dem Heimatland gewonnen werden.

Viele ausländische Aktien sind etwa auf der Handelsplattform Xetra zu finden. Handelt es sich bei der gewünschten Aktie um einen Standardwert profitiert der Einwanderer auf der Plattform Xetra von kaum abweichenden Kursen. Der Handel gestaltet sich demnach genauso günstig, als wäre die Aktie vor Ort im Heimatland gehandelt worden. Die Plattform Xetra bietet zudem die Möglichkeit, inländische Broker mit dem Handel von ausländischen Aktien zu beauftragen. Hier spart der handelnde Einwanderer also nochmal Investitionskosten.

Nachteile des Handels mit ausländischen Aktien

Während der Einwanderer von stabilen Kursen und hohen Dividenden profitieren kann, hat der Handel mit ausländischen Aktien aus dem Heimatland jedoch auch einen entscheidenden Nachteil. Bevor in eine ausländische Aktie investiert wird, ist immer darauf zu achten, ob die sogenannte Quellensteuer fällig wird.

Die Bundesrepublik Deutschland hat mittlerweile mit mehr als 80 Nationen in der ganzen Welt ein Doppelbesteuerungsabkommen vereinbart. Dies bedeutet, dass Einwanderer ihre aus dem Aktienhandel erzielten Gewinne lediglich in ihrem Heimatland versteuern müssen. Bei ausländischen Aktien kommt es jedoch sehr häufig vor, dass die Quellensteuer auf Erträge und Dividenden schon vorher abgezogen wird. Dann entsteht der Nachteil, dass die Erträge deutlich geringer ausfallen.

Quellensteuer anrechnen lassen

In Deutschland wurde im Jahre 2009 die Abgeltungssteuer eingeführt. Diese soll das Besteuerungssystem transparenter und einfacher für Anleger machen. Sie wird auf sämtliche Kapitalerträge angewendet, darunter Kursgeschäfte oder Dividenden. Sie wird mit einem Prozentsatz von 25% angerechnet. Wird für den Handel mit ausländischen Aktien dennoch die Zahlung der Quellensteuer fällig, dann kann diese vollständig oder teilweise mit der Abgeltungssteuer verrechnet werden. Die Quellensteuer lässt sich jedoch nur mit einem Prozentsatz von 0 bis 15% auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Der Anleger muss dann lediglich die Differenz an die zuständige Finanzbehörde abführen.

Sollte die Quellensteuer den Maximalwert von 15% jedoch übersteigen, dann lässt sie sich leider nicht mehr auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Sie ist dann jedoch erstattungsfähig. Dies bedeutet aber, dass der Anleger selbst dafür eintreten muss, dieses Geld wieder zurück zu fordern. Hier kann es vor allem für Einwanderer zu Problemen kommen. Die zu viel gezahlte Quellensteuer kann nämlich nur bei der zuständigen Finanzbehörde im Land des Unternehmens, dessen Aktie gehandelt wird zurück gefordert werden.

Zu viel gezahlte Steuern zurückholen

Jeder Einwanderer, der sich in einer derartigen Situation befindet, kann sich an das Bundeszentralamt für Steuern finden. Dieses stellt alle notwendigen Adressen und Ansprechpartner in den jeweiligen Herkunftsländern bereit. Wie die zu viel gezahlt Steuer dann zurück verlangt werden kann, gestaltet sich höchst unterschiedlich. Nahezu jedes Land hat dafür sein eigenes Prozedere festgelegt.

So reicht es in manchen Ländern aus, einen formlosen Antrag auf Rückerstattung zu stellen. Andere Länder behalten sich jedoch vor, verschiedene Unterlagen anzufordern und nehmen sich für die Bearbeitung des Antrags reichlich Zeit. Vor allem Einwanderer aus Italien sollten dies wissen, da es in der jüngeren Vergangenheit hier häufig zu Problemen kam. Einwanderer, die aus Spanien oder den USA kommen haben unter Umständen auch die Möglichkeit, sich von der Steuerzahlung befreien zu lassen. Dies muss jedoch im Einzelfall genau geprüft werden.

Worauf Einwanderer noch achten sollten

Auch geben Finanzexperten zu bedenken, dass es sich für Einwanderer nicht immer lohnt, die zu viel gezahlten Steuern zurückzufordern. Vor allem, wenn es beim Handel mit ausländischen Aktien um die Ausschüttung von Dividenden geht, lohnt sich eine Rückerstattung aufgrund von Portokosten oftmals nicht. Auch hier ist wieder eine genaue Prüfung erforderlich, um nicht nur von maximalen Aktiengewinnen zu profitieren, sondern um die Steuerlast möglichst gering zu halten. (gmg)

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