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Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Qual der Wahl

Wenn Einwanderer ein Girokonto eröffnen

Ohne ein Girokonto ist man vom wirtschaftlichen Leben isoliert. Die Zahlung der Miete, der Handyrechnung oder das Empfangen des Lohns – ohne Konto geht fast nichts. Neu eingewanderte Menschen stehen hier vor der Wahl der Qual. Soll es ein günstiges Online-Konto sein oder doch lieber in die Filiale?

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Kontoauszug © MiG

DATUM10. Juli 2018

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RESSORTWirtschaft

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Menschen, die in ein fremdes Land einwandern, müssen Anfangs viele bürokratische Hürden nehmen. So müssen alle nötigen Papiere beantragt werden, um sich legitimieren und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Ein Einwanderer möchte jedoch auch am wirtschaftlichen Leben teilnehmen. Dafür braucht er eine Möglichkeit, Zahlungen zu übermitteln und welche zu empfangen. An diesem Punkt kommt man nicht um ein Girokonto herum.

Ob man Arbeitslohn oder andere Leistungen erhalten möchte, ohne Girokonto geht heute nichts mehr. Genauso wichtig ist ein Girokonto aber auch im umgekehrten, im Ausgabenfall. Kaum ein Telekommunikationsanbieter etwa, nimmt die Zahlungen in bar entgegen. Und immer mehr Vermieter verlangen inzwischen eine Lastschriftermächtigung, was ohne ein Girokonto nicht erteilt werden kann.

Das Girokonto online eröffnen

Mittlerweile lässt sich ein Girokonto ganz bequem im Internet eröffnen. Hinzu kommt, dass viele Online-Konten kostengünstiger sind, die Kunden also Geld sparen können. Einfach ist es obendrauf: Hierfür muss lediglich der Eröffnungsantrag ausgefüllt werden. Anschließend gilt es noch, sich zu legitimieren. Das kann unter Vorlage gültiger Ausweispapiere bei einer örtlichen Postfiliale erfolgen.

Davon abgesehen, dass Einwanderer bei der Online-Eröffnung eines Girokontos Gebühren einsparen können, dauert es auch nur wenige Tage, bis das Girokonto eingerichtet ist und in vollem Umfang für eingehende und ausgehende Zahlungen genutzt werden kann. Das ist besonders wichtig, wenn Einwanderer sich für den Devisenhandel oder andere Geschäfte mit Wertpapieren interessieren und laufende Geschäfte mitbringen – schließlich warten die Kurse nicht. Auch in diesen Fällen ist ein Girokonto unerlässlich. Welche Voraussetzungen dafür erfüllt werden müssen, können Interessierte auf forexbroker.de nachlesen.

Vorteile einer Filialbank

Einwanderer könnten bei einem Online-Konto allerdings schnell mit Problemen konfrontiert werden. Deshalb raten Finanzexperten Einwanderern dazu, wenn sie das erste Girokonto eröffnen, dies vor Ort bei einer Bankfiliale zu tun. Diese sollte sich entweder in der Nähe des Wohnortes oder des Arbeitsplatzes befinden.

Da es auf dem Markt sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Girokonten gibt, sollte der Einwanderer die Angebote miteinander vergleichen. Wer sich im fremden Land vor dem ersten Beratungsgespräch noch unsicher fühlt, sollte eine Vertrauensperson mitnehmen, um die anfänglichen Unsicherheiten zu überwinden. Zwar wurde der Bankwechsel von der Europäischen Union zugunsten der Verbraucher reguliert, doch ist ein nachträglicher Wechsel meist mit Aufwand verbunden, weshalb die Auswahl der Bank gut überlegt sein sollte.

Keine Fragen von der Stange

Entschließt sich der Einwanderer dazu, sein erstes Girokonto bei einer Filialbank zu eröffnen, dann muss er in den meisten Fällen mit Gebühren rechnen. Bei Girokonten, die über das Internet eröffnet werden, entfallen diese Gebühren zumeist, da diese Geldinstitute ohne ein Filialnetz auskommen und diesen Kostenvorteil an ihre Kunden weitergeben.

Da Einwanderer oftmals andere Probleme als der durchschnittliche Bundesbürger und entsprechende Fragen haben oder auch mal individuelle Lösungen brauchen, kann es sich dennoch lohnen, ein Konto in einer Filialbank zu eröffnen. Dort steht dem Zugezogenen ein Ansprechpartner zur Verfügung, an den er sich im Ernstfall wenden kann. Gerade, wenn man der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist, ist es nicht unwichtig, vor Ort einen Ansprechpartner aufsuchen zu können. Viele Bankfilialen legen inzwischen auch Wert auf Mehrsprachigkeit, um den Bedürfnissen ihrer Kundschaft gerecht zu werden.

Deutsche Bank bei Einwanderern beliebt

Dass Sprache ein entscheidender Faktor sein kann, um Kunden mit ausländischen Wurzeln und Neueinwanderer anzuziehen, zeigt sich am Beispiel der Deutschen Bank. Denn sie wird von Einwanderern besonders häufig genutzt wird. Dies hängt sicherlich zum einen damit zusammen, dass es sich hierbei um eine auch im Ausland renommierte Marke handelt. Andererseits bietet die Deutsche Bank bei ihrem Onlinebanking auch den Vorteil, dass die Sprache auf Englisch umgestellt werden kann. Einwanderer, die sich noch unsicher im deutschen Sprachgebrauch fühlen, haben somit eine Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte gezielt in einer Sprache zu erledigen, die sie vielleicht besser verstehen. Diese Möglichkeit bieten nicht alle großen deutschen Filialbanken.

Eine Filiale der Deutschen Bank lässt sich in Deutschland jedoch nicht überall finden. Einwanderer, die auf dem Land arbeiten oder leben, werden dort vermutlich nur in seltenen Fällen eine Filiale finden, bei welcher sie ihr Girokonto eröffnen können. Hier gibt es jedoch ein dichtes Filialnetz von den Sparkassen und Reifeisenbanken, auf welches Einwanderer in ländlichen Regionen zurückgreifen können.

Welche Unterlagen werden benötigt?

Damit der Einwanderer sein neues Girokonto möglichst zeitnah zum Beginn seines Aufenthalts im fremden Land eröffnen kann, sollte er zum ersten Beratungsgespräch gut gerüstet sein. Es lohnt sich also, sich vorher darüber zu informieren, welche Unterlagen im Einzelnen zu dem Termin mitzubringen sind. Ganz wichtig ist natürlich ein gültiges Ausweisdokument, damit sich der Kunde legitimieren kann, beispielsweise ein Reisepass.

Da die Bank für die Eröffnung eines Girokontos eine gültige Anschrift benötigt, sollte sich der Einwanderer vorab um eine Meldebestätigung kümmern. Diese ist dann ebenfalls zu dem Termin mitzubringen. Entschließt sich der Einwanderer hingegen dazu, ein Girokonto auf Guthabenbasis zu eröffnen, müssen keine weiteren Unterlagen mitgebracht werden. Anders sieht es bei Girokonten aus, die mit einem Kreditrahmen ausgestattet sind. Auch für die einhergehende Beantragung einer Kreditkarte, muss der zukünftige Kontoinhaber seine letzten Gehaltsabrechnungen mitbringen. Sonst kann ein Vorgang nicht bearbeitet werden. Es lohnt sich also, sich vorher zu informieren und vorbereitet in ein Beratungsgespräch zu gehen. (dd)

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