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Finanzielle Belastung beeinflusst Hilfe für Flüchtlinge

Die persönliche Kostenbelastung spielt einer Studie zufolge eine entscheidende Rolle für die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen. Dies geht aus einem Forschungsprojekt von Universitäten in Aachen, Marburg und Amsterdam zum Einfluss der wirtschaftlichen Situation und persönlichen Einstellung auf die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen hervor, wie die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) am Dienstag mitteilte. Persönlichkeitseigenschaften seien weitere Faktoren. Besonders hilfsbereit seien Bürger mit einer starken sozialen oder einer eher linken politischen Orientierung, hieß es.

In einem interaktiven Computerspiel mussten den Angaben nach mehr als 350 Menschen in einer Computer-Simulation in der Rolle von Bürgern und Flüchtlingen Entscheidungen treffen. Die Hilfsbereitschaft stieg der Untersuchung zufolge dann an, wenn Flüchtlinge besonders hilfsbedürftig waern. Auch wenn Flüchtlinge Arbeitsaufgaben ohne Bezahlung absolvieren mussten, habe bei den Bürgern die Bereitschaft zu helfen zugenommen, erklärte die Universität.

In der interaktiven Computersimulation erfüllten Testpersonen in der Rolle als Bürger Arbeitsaufgaben, die entlohnt und besteuert wurden. Sie standen vor der Entscheidung, wie viel ihres Steuergeldes sie dem Mitspieler in der Rolle des Flüchtlinges zur Unterstützung geben würden. In der Rolle des Flüchtlings hingegen war der Spieler abhängig von der Hilfe der Bürger.

Stärkung der Hilfsbereitschaft

Zur Stärkung der Hilfsbereitschaft müsse es politische Maßnahmen geben, die es Flüchtlingen ermöglichten, ihren aufrichtigen Integrationswillen zu zeigen, forderte Paul Van Lange, Professor für Sozialpsychologie an der Freien Universität Amsterdam, angesichts der Studienergebnisse. Beispielsweise könnten individuelle Berichte über die Hintergründe ihrer Flucht sowie über ihre Integration die Hilfsbereitschaft fördern.

Anders als Umfragen bilde ein solches Entscheidungsexperiment realistische finanzielle Anreize und damit echte Konsequenzen sowohl für Spieler in der Rolle der Bürger als auch für Spieler in der Rolle der Flüchtlinge ab, erklärte der Leiter der Forschungsgruppe an der Aachener Universität, Robert Böhm. (epd/mig)