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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Fremdenfeindlichkeit

Fußball, Deutschlands buntes Gesicht

1962 wurde die Bundesliga gegründet, die höchste Spielklasse im deutschen Fußball, und damals ahnte wohl niemand, wie viele ausländische Spieler einmal in ihr aktiv sein würden. In den letzten 55 Jahren hat sich viel getan.

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Fußball © See-ming Lee 李思明 SML @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Als die Fußball-Bundesliga startete, waren gerade einmal drei nicht-deutsche Spieler in ihr vertreten, heute jedoch stellen die Kicker mit ausländischen Wurzeln einen Großteil der Mannschaft. Viele nichtdeutschstämmige Fußballer haben einen guten Teil dazu beigetragen, dass unser Land in der internationalen Fußballwelt seine Anerkennung bekommen konnte.

Ambitionierte Fans, die gerne mal eine Wissenschaft aus der Bundesliga machen, sich über Vorhersagen informieren und jedes Ergebnis analysieren und ausdiskutieren, wird es auffallen: wo ausländische Stars kicken, steigen die Gewinnchancen. Darauf setzt auch der deutsche Fußball und hat sich in diesem Sinne schon längst von dem Gedanken gelöst, dass nur Herkunftsdeutsche in der Nationalmannschaft spielen dürfen. So ist Fußball auch geeignet, um die Integration junger Menschen zu erleichtern – denn wer eifert nicht gerne den gut verdienenden Stars nach, wenn sie noch dazu aus der eigenen Heimat stammen? Wer in einem Fußballverein aktiv ist, bekommt schnell Anschluss und braucht dabei nicht viele Worte, denn nur die sportliche Leistung zählt. Wie hat alles begonnen?

So war die Zusammensetzung der Bundesliga beim Start

1962 zum Start des deutschen Elitefußballs waren gerade einmal drei Spieler nicht ursprünglich aus Deutschland. Das waren der der Österreicher Wilhelm Huberts von Eintracht Frankfurt, der Niederländer Jakobus Prins vom 1. FC Kaiserslautern und der Jugoslawe Petar Radenkovic von 1860 München. Seitdem sind weit mehr als 1.000 Spieler in deutschen Klubs aktiv gewesen – manche von Dauer.

Der Jugoslawe Radenkovic zog gleich von Beginn an die Aufmerksamkeit auf sich. Er stürmte gern in die gegnerische Hälfte und versuchte dem Spiel so einen modernen Anstrich zu geben – die gegnerische Mannschaft hat das regelmäßig zur Verzweiflung getrieben. „Radi“ inspirierte aber viele weitere Jugoslawen seiner Zeit, es ihm gleichzutun, und wurde zum ersten einer langen Reihe von jugoslawischen Namen, die im deutschen Fußball Karriere machten. Aus dem Balkanstaat kamen so viele Profis wie aus keinem anderen Land der Welt in die Bundesliga.

Auch der Niederländer Willi Lippens von Rot-Weiß Essen, der in den 70er Jahren für Deutschland spielte, ist unvergessen, denn er watschelte wie eine Ente und bekam schnell den entsprechenden Spitznamen weg. Der Österreicher Hans ”Buffy“ Ettmayer vom VfB Stuttgart stoppte den Ball öfter mit dem Po und zog so ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich. Doch erst mit Keegan kamen die richtigen Stars in den deutschen Fußball.

Mit Keegan startet eine neue Ära

Ab Mitte der 70er Jahre heuerten nach und nach die ersten Weltstars in der Bundesliga an, allen voran der Engländer Kevin Keegan, der beim Hamburger SV spielte und 1978 und 1979 Fußballer des Jahres wurde. Berühmt für sein Dribbling war der Däne Allan Simonsen von Borussia Mönchengladbach, nach ihm sorgten verschiedene brasilianische Spieler für Furore auf dem Grün, das die Welt bedeutet. Der erste von ihnen war 1987 Tita von Bayer 04 Leverkusen, ihm folgten mehr als 60 Landsleute nach. Auch der afrikanische Kontinent mischt seit Anfang der 90er Jahre kräftig in der Bundesliga mit, alles begann mit dem Ghanaer Anthony Yeboah, der bei Eintracht Frankfurt unterschrieb. Aus den verschiedensten afrikanischen Staaten folgten über 60 Spieler.

Die Ablösen wurden immer teurer

Das erste Mal, als eine Million Mark für einen Spieler den Besitzer wechselte, kaufte 1976 der 1. FC Köln den Belgier Roger van Gool vom FC Brügge. Seitdem erhöhten sich die Ablösen stetig, schon 27 Jahre später ließ sich Borussia Dortmund den Brasilianer Marcio Amoroso 50 Millionen Mark kosten. Doch noch war die mögliche Zahl ausländischer Spieler begrenzt, was sich erste durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs am 15. Dezember 1995 änderte.

Der Belgier Jean-Marc Bosman hatte sich dafür eingesetzt, dass unter anderem die Begrenzung von EU-Ausländern in der Liga aufgehoben wurde. Nach seinem Erfolg strömten immer mehr Fußballer ohne deutsche Wurzeln in die Clubs. 2001 stand dann Energie Cottbus gegen den VfL Wolfsburg erstmals mit elf Ausländern auf dem Platz, drei weitere wurden eingewechselt.

Fremdenfeindlichkeit hat im Fußball keinen Platz

Diese Entwicklungen haben auch die Einstellung der Fußballfans auf Fremdenfeindlichkeit im Fußball verändert. Heute spielen Fußballer mit ausländischen Wurzeln nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der Nationalmannschaft. Dass Fremdenfeindlichkeit keinen Platz im Fußball und natürlich auch in anderen Bereichen hat, hat sich heute weitestgehend durchgesetzt. Denn im Sport zählt nur Leistung und der Zusammenhalt in der Mannschaft. Und im Ergebnis muss man auch festhalten, dass der Fußball von Migration massiv profitiert hat.

Berühmte Fußballer mit Migrationshintergrund

Diesen Namen kennt wohl jeder: Jerome Boateng hat seine Wurzeln in Ghana und spielte schon in 30 Länderspielen. Sein DFB-Debüt hatte er am 10. Oktober 2009 beim 1:0 gegen Russland.

Der smarte Dennis Aogo ist ein echter Mädchenschwarm. Der Nigerianer spielte bereits in 12 Länderspielen und hatte sein DFB-Debüt am 13. Mai 2010 beim 3:0 gegen Malta.

Sami Khedira zählt zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fußballs. der Tunesier betritt bisher 40 Länderspiele und hatte sein Debüt am 5. September 2009 beim 2:0 gegen Südafrika.

Mesut Özil hat unzählige Fans in Deutschland und seinem Heimatland, der Türkei. Seit seinem Debüt am 11. Februar 2009 spielte er bei 47 Länderspielen.

Alle lieben Mario Gomez, der eigentlich aus Spanien stammt und seit seinem Debüt 2007 schon bei 59 Länderspielen kickte.

Lukas Podolski ist das Vorbild vieler junger Kicker und bei den Mädchen besonders beliebt. Der Pole hatte sein Debüt am 6. Juni 2004 und war seitdem in 111 Länderspielen zu sehen.

Ebenfalls aus Polen kommt Miroslav Klose, der seit 2001 beim DFB kickt und 128 Länderspiele rockte.

Fazit: Deutschland ist bunt und wird es hoffentlich auch immer bleiben – nicht nur auf dem Fußballrasen.

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