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Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

WM-Fieber

Warum Fußball und Emotionen untrennbar sind

Immer wenn ein großes Fußballturnier stattfindet, geht ein Ruck durch das Land. Die Menschen rücken zusammen, stehen sich viel näher und teilen Leid und Freude – wie beim Public Viewing. Emotion ist hierbei das Zauberwort.

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Fußball rund um den Globus © sasint @ pixabay.com (CC0), bearb. MiG

Genau jetzt messen sich die besten Fußballer der Welt in Russland bei der Weltmeisterschaft 2018 miteinander, um den begehrten Pokal für die nächsten vier Jahre zu erhalten. Aber nicht nur die Fußballspieler, sondern auch die Zuschauer erleben während dieser Zeit ein wahres Freudenfest, das von starken Gefühlen begleitet wird. Jedes Land feuert die eigenen Nationalspieler an, verpasst dabei kein Spiel der Mannschaft und zweifelt natürlich auch keine Sekunde am Sieg. Trotzdem steht hierbei auch das Miteinander der Fans im Fokus, denn Fußball ist ein globaler Sport, der Menschen vereint und zusammenführt – Länder- und Kulturübergreifend.

Wer schon einmal mit mehreren Personen beim Public-Viewing war, weiß, was Emotionen mit den Menschen machen. Vor dem eigentlichen Spiel schminken sie sich in den Landesfarben, malen sich kleine Fahnen auf die Wangen und hängen diese an das Auto, um die Mannschaft zu 100 Prozent zu unterstützen. Beim eigentlichen Spiel wird jeder gegnerische Treffer beweint und über jedes eigene Tor gejubelt. Das verbindet die Menschen in Kummer und Sieg miteinander. Aber warum fühlen die Menschen gerade beim Fußball so, obwohl sie selbst gar nicht aktiv teilgenommen haben?

Gehört Glücksspiel zum Fußball?

Darüber kann man geteilter Meinung sein. Fakt ist: Sportwetten und Tippspiele erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und erfordern ein gewisses Maß an Kenntnis über Mannschaften, Spieler und vergangene Ergebnisse. Grundsätzlich ist es möglich, dass Wetter große Gewinne abräumen können, aber es besteht auch immer ein Risiko, sodass ebenso der ganz große Verlust möglich ist. Bei Großereignissen wie bei Weltmeisterschaften füllen Fans am häufigsten Tippscheine aus, wie das Angebot an Fußballwetten beweist. Es soll auch Menschen geben, die nur Tippen, um mitfiebern zu können. Bei Gewinnen und Verlusten seien Emotionen dann garantiert – entweder aus Freude oder Ärger. Viele werden es kennen aus Tippgemeinschaften in Betrieben unter Kollegen.

Gemeinschaft durch WM-Songs erzeugen

Passend zu jeder Europa- oder Weltmeisterschaft erscheint pünktlich kurz vorher ein passender WM-Song. Aber nicht nur das, denn Musik ist in dieser Zeit ein stark bindendes Element, welches gern genutzt wird, um eine Gemeinschaft zu erzeugen. Nicht nur von Fans zur Mannschaft, sondern auch unter den Fans. Wenn sie gemeinsam in die Gesänge einstimmen, den Rhythmus fühlen und sich von der Stimmung treiben lassen, sind Nationalitäten kein Hindernis mehr. Es geht um die gemeinsame Wahrnehmung und die steht ganz klar über der Hautfarbe.

Das Wir-Gefühl

Ein ganz wichtiges Element jeder Europa- und Weltmeisterschaft ist das sogenannte „Wir-Gefühl“. Auch, wenn jede Nation die eigene Mannschaft anfeuert und auf den jeweiligen Sieg hofft, entsteht während der WM eine Gemeinschaft, die von einem starken „Wir-Gefühl“ geleitet wird. Es geht um gemeinsame Erlebnisse, das Mitfiebern, die Motivation und nicht zuletzt auch das Leiden, wenn die eigene Mannschaft früh ausscheidet – all das erleben die Fans zusammen. Auf den Fanmeilen, im Stadion in Russland oder zuhause beim Public Viewing verschwimmen Nationalität und das Wir-Gefühl siegt immer. Ein weiterer Punkt, der dafürspricht, dass das Wir-Gefühl während der WM intensiviert wird, ist die Bekleidung. Viele Fans tragen die Trikots der Mannschaft, schminken sich in den Landesfarben oder dekorieren sich mit weiteren Accessoires. Dadurch erzeugen die Fans ein deutliches optisches Gemeinschaftsgefühl.

Leiden für die Gemeinschaft

Wenn die Nationalmannschaft das Spiel verliert, zeigen die Fans Trauer, Niedergeschlagenheit und manchmal auch Tränen. Dabei wundert es kaum, dass sogar gestandenen Männern eine Träne über die Wange läuft. In diesen Momenten öffnen sich die Menschen und zeigen einander die verletzliche Seite. Da nicht nur ein Einzelner, sondern viele Fans so reagieren, versuchen sie sich im Anschluss aufzubauen und mit erneuter Hoffnung in das nächste Spiel zu starten. Auch, wenn die Menschen einander unbekannt sind, verbindet sie doch dasselbe Gefühl.

Eine Leidenschaft – viele Kulturen

Fußball ist multikulturell und verbindet die Menschen, egal welche Herkunft, welches Geschlecht und welches Alter sie haben. Das gerade Fußball hierfür eine der besten Grundlagen ist, hat wahrscheinlich mit dem Fairplay zu tun. Respekt für die Mitspieler, die eigene Mannschaft, die Zuschauer und die Schiedsrichter zu haben, ist unverzichtbar. Dies bedeutet jedoch nicht, dass alle einen Glauben, eine Nationalität oder eine Überzeugung teilen. Was es jedoch bedeutet, ist beispielsweise zum einen die Integration als auch zum anderen die Unterbindung von Diskriminierung und Ausgrenzung sowie gewalttätigen Auseinandersetzungen. Nicht nur die Mannschaften sollten diese Punkte verinnerlichen, sondern auch die Fans. Denn im Grunde genommen geht es um den gemeinsamen Spaß an einem Spiel und einem Ereignis, das im Falle der WM nur alle vier Jahre stattfindet.

Verbindung der Kulturen durch Sport

Beim Sport und gerade beim Fußball gibt es keine sprachlichen Barrieren. Die unterschiedlichen Kulturen sind durch das Spiel generell verbunden, denn gespielt wird Fußball auf der ganzen Welt nach dem gleichen Schema. Und dabei zählen vor allem Gruppendynamik, das sportliche Miteinander und die Leidenschaft für das gleiche Hobby. Eine andere Hautfarbe, eine andere Sprache oder eine andere Nationalität werden dabei zur Nebensache – denn Fußball verbindet die Kulturen.

Auch für die Spieler zählt nur, mit den Fußballkollegen den Sieg zu erringen und gemeinschaftlich ein schönes Spiel zu machen. Die Mannschaften machen es vor und zeigen den Fans, wie ein multikulturelles Miteinander funktioniert – auch innerhalb der Nationalmannschaft wie beispielweise die deutschen Spieler beweisen. Ein Spieler allein kann das Spiel nicht gewinnen, deshalb ist auch hier der Mannschaftszusammenhalt ein schönes Beispiel für die Überwindung von kulturellen Grenzen. Noch besser lässt sich hier der Trikot-Tausch als Beispiel anführen, denn damit zeigen die Spieler, dass die Nationen einander respektieren.

Fazit

Fußball ist ein Spiel ohne Grenzen und Hautfarben. Die Nationalität spielt keine Rolle. Auch bei der Weltmeisterschaft ist das nicht entscheidend, im Gegenteil: Die Gemeinschaft der Nationen macht dieses Großereignis erst zu dem, was es ist. Beim Fußball geht es nicht um Rassenunterschiede, sondern darum, dass gemeinsam ein Sieg zelebriert wird. Dadurch wachsen die Menschen zusammen und lernen einander besser kennen. Optisch ist das auf den bunten Fanmeilen zu sehen, wo ein Meer aus den unterschiedlichen Nationalfarben aufeinandertrifft. (dd)

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