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Migration und Integration in Deutschland

Die Qualität einer freiheitlichen Gesellschaft bewährt sich nicht zuletzt darin, wie mit Minderheiten umgegangen wird und wie sich Minderheiten in einer Gesellschaft fühlen.

Wolfgang Schäuble, Rede zur Amtseinführung des Beuauftragten für Auslandsdeutsche, Februar 2006

Fußball-WM 2018

Welche Teams haben die meisten Anhänger in Deutschland?

Die Weltmeisterschaft ist in Deutschland nicht nur schwarz-rot-gold, sondern richtig bunt. So, wie es sich in einem Einwanderungsland gehört. Polen, Kroatien, Russland und alle anderen. Welches WM-Team hat die meisten Anhänger in Deutschland?

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Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland © RonnyK @ pixabay.com (CC0)

Der Anpfiff der Fußball WM ist schon wieder Vergangenheit und in den letzten fünf Tagen hatte so ziemlich jeder die Chance, spielerische Fünf-Gänge-Menüs, wenig filigranes Gewurstel, kämpferische Gegenwehr und echte Überraschungen zu erleben. Während die Deutschen gleich mal gezeigt bekommen haben, dass Namen und Titel allein nicht reichen, um zu siegen, gibt es so etliche Nationen, die gar nicht schlecht gestartet sind und deren Fahnen höher hängen dürfen, als die von Löws Truppe. Glücklicherweise haben etliche dieser Nationen eine große Anhängerschaft in Deutschland, die das Feiern übernehmen können, wie dieser Artikel zeigt.

Aus welchen Ländern stammen die meisten Migranten?

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, ist nichts Neues. Seit den 60ern ruht ein großer Teil der wirtschaftlichen und kulturellen Leistung auf den Schultern von Einwanderern. Statistisch gesehen stammen 57 Prozent der hier lebenden Ausländer nicht aus einem EU-Land, wobei natürlich zu berücksichtigen ist, dass unter ihnen knapp 1,5 Millionen Menschen sind, deren Herkunftsland die Türkei ist. Grundsätzlich sieht es aktuell so aus:

  • Türkei – ca. 1,5 Millionen Personen, ein allgemeiner Anteil von 14,9 Prozent.
  • Polen – knapp 783.000 Polen leben in Deutschland, was einen Anteil von 7,8 Prozent ausmacht.
  • Syrien – 637.000 Syrer leben aktuell in Deutschland. Anteil: 6,4 Prozent.
  • Italien – 611.000 Menschen, rund 6,1 Prozent.
  • Rumänien – 533.000 Personen, rund 5,3 Prozent
  • Griechenland – 348.000, ein Anteil von 3,5 Prozent
  • Kroatien – 332.000, ein Anteil von 3,3 Prozent
  • Bulgarien – 263.000, ein Anteil von 2,6 Prozent
  • Afghanistan – 253.000, ein Anteil von 2,5 Prozent
  • Russische Förderation – 245.000, ein Anteil von 2,4 Prozent

In diesen Zahlen sind natürlich nur diejenigen enthalten, die in Deutschland leben und keine deutsche Staatsbürgerschaft haben. Personen, die ausländische Wurzeln, aber die deutsche Staatsbürgerschaft haben, zählen nicht in die Statistik mit hinein.

Welche Länder nehmen an der Endrunde teil?

Und was hat das Ganze jetzt mit Fußball zu tun? Viel, denn auch Migranten möchten dort, wo sie leben, ihr Team anfeuern und hoffen, dass es möglichst weit kommt. Was in diesem Fall bedeutet, dass sich einige Nationen bereits in der Vorrunde abwechselnd in einem Restaurant treffen können und über Pasta, Ouzo und Raki die WM ganz unbedarft anschauen können, da sich die Nationen nicht qualifiziert haben. Obwohl: Gibt es nicht immer irgendwen, den man ersatztechnisch so richtig anfeuern kann? Aber mal zusammengefasst auf die Migrationsstatistik bezogen:

  • Polen – die Gruppe H spielt zwar noch, für Polen ist die Weltmeisterschaft allerdings schon aus. Eine Chance auf den rettenden zweiten Platz gibt es nicht mehr nach zwei sieglosen Spielen.
  • Kroatien – sie sind aktuell Tabellenführer in der Gruppe, nachdem das Auftaktspiel mit 2-0 gegen Nigeria gewonnen wurde. Es wartet allerdings noch Argentinien, aber wie die zu nehmen sind, hat Island gezeigt.
  • Russland – Tabellenführer in der Gruppe und eindeutig kein Team, das mit Toren geizt. Das 5-0 zu Beginn war ein Warnschuss an die Gruppengegner und das Weiterkommen mit Uruguay ist eigentlich schon klar.

Aber es gibt noch andere Länder, bei denen sich das Mitfiebern nicht nur lohnt. Und einige von ihnen haben bereits für Überraschungen gesorgt:

  • Frankreich – der Kick gegen Australien war ungefähr so eine Augenweide, wie das Fegen im australischen Outback, aber sie können nur besser werden.
  • Serbien – Costa Rica geschlagen und einfach mal Gruppenführer. Gut, Brasilien und die Schweiz haben noch mitzureden, aber möglich ist alles.
  • Tunesien – die Gruppe ist mit Panama, Belgien und England nicht leicht, doch es haben schon andere Teams überraschend gewonnen. Vielleicht heute schon gegen England?
  • Schweden/Dänemark/Island – das sind die Teams, wenn man einfach mitfiebern möchte. Gut, deutsche Kollegen könnten das Mitfiebern bei den Schweden nicht verstehen, aber: wen stört’s?

Wie sehen die Chancen aus?

Bei den ersten WM-Tippspielrunden im Kollegen-/Familien- oder Freundeskreis dürften bereits die ersten lautstarken Fluchtiraden über die Lippen gekommen sein. Mal ehrlich: Wer hat nicht geglaubt, dass Argentinien und Brasilien gewinnen? Letztendlich zeigt sich bereits vor dem Ende des ersten Spieltags der Gruppenphase, dass so etliche Expertentipps gekonnt ins Abseits gespielt worden sind, wie Anbieter wie LVbet zu berichten wissen. Auch kam es schon vor, dass Spieler, die „Nationalmannschaft nicht können“, einfach mal allein das Spiel spielen, drei Tore schießen und die heimischen Mannschaftskollegen auf der anderen Seite ärgern. Aber Chancen müssen genannt werden, also gibt es sie:

  • Portugal – vor der WM wurden sie als Geheimfavorit gewertet, nach dem Spiel gegen Spanien darf das „geheim“ gestrichen werden. Notfalls kommt CR7 weiter.
  • Spanien – die gute Nachricht: Man spielt nicht mehr gegen Ronaldo. Der Durchmarsch ins Achtelfinale dürfte klar sein, die Frage ist nur, ob als Nummer 1 oder 2.
  • Frankreich – am Ende zählen nur die Punkte. Vielleicht wird es auch noch ansehnlich.
  • Kroatien – stolpern sie nicht über die Wikinger aus Island und Argentinien, ist das Achtelfinale erreicht.
  • Serbien – die Gruppe ist schwer, aber zumindest Brasilien ist noch nicht angekommen.
  • Deutschland – die Gruppenphase ist noch nicht vorüber. Das muss besser werden, sonst ist nicht einmal Platz 2 sicher.

So richtig interessant wird es nach dem zweiten Spiel der Gruppenphase. Dann wird sich zeigen, wer mühelos eine Überraschung hinbekommen kann und wer lieber gleich zu Hause geblieben wäre.

Fazit – Autokorso auch ohne Deutschland

Spielerisch und tortechnisch haben es so etliche Herkunftsländer der in Deutschland lebenden Migranten den Deutschen bereits vorgemacht. Und es darf sich darauf gefreut werden, wie Kroatien, Serbien, aber auch Polen und Russland in den kommenden Spielen auftreten. Bis dahin sind vielleicht auch die zuvor so großgeschriebenen Favoriten geistig in Russland angekommen und liefern das ab, was jeder erwartet hat. Und wenn nicht? Wer weiß, vielleicht gelingt Panama die absolute Sensation oder die Isländer machen dort weiter, wo sie vor zwei Jahren aufgehört haben. Gegen Argentinien hat es ja schon funktioniert. (dd)

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