MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

"Vogelschiss"

AfD-Chef Gauland tritt mit Aussage zur NS-Zeit Welle der Empörung los

AfD-Chef Alexander Gauland macht mit relativierenden Äußerungen zur NS-Zeit Schlagzeilen: Hitler und die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Holocaust-Überlebende verurteilten Gaulands Aussage. Auch im Netz erntete Gauland Spot und Kritik.

Alexander Gauland, AfD, Gauland, Rassismus, Rechtsextremist, Alexander
Alexander Gauland, AfD-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl © Scene aus einem YouTube Video

AfD-Chef Alexander Gauland hat mit relativierenden Äußerungen zur NS-Zeit einen Sturm der Empörung losgetreten. Holocaust-Überlebende und Spitzenvertreter des Staates sowie politischer Parteien verurteilten am Sonntag Gaulands Aussage in scharfer Form, Hitler und die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte gewesen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, ohne Gaulands Namen zu nennen, mit Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus: „Wer heute diesen einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, klein redet oder relativiert, verhöhnt nicht nur die Opfer, sondern will alte Wunden wieder aufreißen und sät neuen Hass.“ Steinmeier fügte hinzu: „Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.“

Gauland hatte am Samstag auf dem Bundeskongress der Jungen Alternative für Deutschland im thüringischen Seebach gesprochen. Der von den Delegierten gefeierte und von den anderen Parteien scharf verurteilte Satz fiel laut Medienberichten nach einem Bekenntnis Gaulands zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945.

Deutliche Missbilligung von Steinmeier

Bundespräsident Steinmeier reagierte am Sonntag indirekt beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Denkmals für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin. Deutschland habe in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft millionenfach Menschen verschleppt und ermordet sowie ganze Landstriche verwüstet. „Unser Land hat in diesen zwölf Jahren schwere Schuld auf sich geladen“, sagte der Bundespräsident. Ohne Gauland namentlich zu nennen, brachte das Staatsoberhaupt dann abweichend vom Redemanuskript seine deutliche Missbilligung für jegliche Relativierung dieser Verbrechen zum Ausdruck.

Auch Holocaust-Überlebende und Spitzenpolitiker von CDU/CSU, SPD und Grünen reagierten mit Entsetzen und Empörung auf Gaulands Äußerungen. Der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner sagte, für Auschwitz-Überlebende wirkten „die kühl kalkulierten und hetzerischen Äußerungen“ Gaulands nur noch widerlich. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, sagte der Tageszeitung „Die Welt“, die Bilanz der NS-Zeit als ‚Vogelschiss‘ zu bezeichnen, empöre ihn zutiefst.

„Erschreckende Verharmlosung“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil betonte, der AfD-Chef lasse mit einer solchen Aussage jegliche Fassade fallen. „Das ist eine erschreckende Verharmlosung des Nationalsozialismus. Es ist eine Schande, dass solche Typen im Deutschen Bundestag sitzen“, fügte Klingbeil hinzu.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: „50 Mio. Kriegsopfer, Holocaust und totaler Krieg für AfD und Gauland nur ein ‚Vogelschiss‘! So sieht die Partei hinter bürgerlicher Maske aus.“ Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt nannte Gaulands Äußerungen gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe einen „unfassbaren Schlag ins Gesicht von allen Überlebenden des Holocaust, ihren Nachfahren und Angehörigen“.

Kritik auch im Internet

CSU-Vize und -Europapolitiker Manfred Weber sagte der „Augsburger Allgemeinen“, Gauland habe den letzten Beweis dafür erbracht, „warum wir mit aller Kraft gegen die Hetzer und Verharmloser der AfD kämpfen müssen.“ Der Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament fügte hinzu: „Wir müssen klarmachen, dass diese nationalistische Rhetorik auch eine gute wirtschaftliche und soziale Zukunft unseres Landes gefährdet.“

Auch in den sozialen Medien hagelte es Kritik. Ein Nutzer Namens „Knackeboul“ etwa postete auf dem Kurznachrichtendienst Twitter folgendes Foto:

Andreas Petzold schrieb auf Twitter: „Kann man nur hoffen, dass auch die #AfD ein #Vogelschiss in der Geschichte der deutsche. parlamentarischen Demokratie bleibt…“

Außerdem:

(epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

2 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Odin sagt:

    Schön, dass wieder alle empört sind.
    AfD wirkt.

  2. Antoinette de Boer sagt:

    ODIN : ein solcher Satz b e w i r k t garnichts ! …

    GAULAND wäre eine Witzfigur – gäbe es nicht so viele unreflektierte und verbohrte Mitläufer einerseits und nach der Macht strebende polemisierende Populisten ( AfD ) andererseits.Wie ein Mensch meiner Generation,der die politischen Entwicklungen der letzten 50 Jahre , die immerhin den F r i e d e n unter ehemaligen Feinden ermöglicht haben,so einen Stuss äussern kann,ist nur mit nachlassender Hirnfunktion möglicherweise zu erklären – aber trotzdem k e i n e s f a l l s zu entschuldigen ! GAULAND sollte sich in seinen Ohrensessel zurückziehen und gute Geschichtsbücher lesen !



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...