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Es wird selbstverständlich sein, dass jemand Mehmet heißt und nicht Hans – wir halten das aus.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), Deutsche Presse-Agentur (18.01.2013)

Bezahlen mit dem Auge

Alternative Modelle zur Versorgung syrischer Flüchtlinge

Iris-Scanner im Supermarkt, freies Grundeinkommen oder neue Einkommensquellen aus einem Schiffscontainer: Mit solchen Ideen will das Welternährungsprogramm die Flüchtlingshilfe in Syriens Nachbarländern langfristig sichern, auch bei den Gebern. Von Marc Engelhardt

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Auge © SofieZborilova @ pixabay.com (CC0), bearb. MiG

Ismail A. hat kein Portemonnaie. Und selbst wenn er eines hätte, es wäre leer: Der syrische Flüchtling lebt in einem jordanischen Camp, Arbeit gibt es nicht. Trotzdem geht der zweifache Familienvater im Supermarkt einkaufen. „Ich suche vor allem nach Grundnahrungsmitteln, Reis, Zucker und Milchpulver für das Baby“, sagt er. Mit einem Einkaufswagen rollt er durch die Reihen, vergleicht Preise, rechnet nach. Dann geht der großgewachsene Mann zur Kasse, wo er sich zur Kassiererin hinunterbeugt. Geübt hält sie ein kleines Gerät vor sein Gesicht, es piept und rattert – das war’s schon.

„Als ich zum ersten Mal an der Kasse meine Iris scannen sollte, bin ich schon ein bisschen erschrocken“, sagt er. Früher zeigte er an der Kasse eine Karte vor, die das Welternährungsprogramm (WFP) ihm ausgestellt hatte. „Einmal habe ich sie verloren, und es hat Wochen gedauert, bis wir eine neue hatten“, erinnert er sich. Und schmunzelt. „Mit dem Auge kann das nicht passieren.“ Das weiß auch Mageed Yahia, Landesdirektor des WFP. „Der Iris-Scan bietet uns absolute Sicherheit, dass nur der Hilfsbedürftige seine Hilfe bekommt – niemand sonst.“

Moderne Flüchtlingshilfe

Die Iris-Scanner an den Supermarktkassen sind ein Beispiel dafür, wie sich die Flüchtlingshilfe in Syriens Nachbarländern verändert hat. Gut 5,5 Millionen Syrer harren in der Türkei, im Libanon, in Jordanien, dem Irak und Ägypten aus. Viele sind seit Jahren dort. Wie aber steht man Millionen Menschen über einen langen Zeitraum bei, ohne die Flüchtlinge, die gastgebende Bevölkerung oder die Geber zu verlieren? Das ist die Herausforderung, die das WFP und andere Organisationen mit moderner Technologie und ungewöhnlichen Ideen bewältigen wollen.

Gut 60.000 syrische Flüchtlinge dürfen inzwischen sogar wählen, ob sie ihre Hilfe in bar erhalten wollen. „Gut die Hälfte macht das so“, sagt WFP-Landesdirektor Yahia. Der Feldversuch folgt einer Empfehlung von Unternehmensberatern, die herausfanden, dass Cash die Kaufkraft der Flüchtlinge erhöht. „Die Empfänger suchen sich den billigsten Händler, feilschen, das drückt das Preisniveau – und jeder Dollar hält länger.“ Das muss er auch, denn jeder syrische Flüchtling in Jordanien muss mit umgerechnet 28 US-Dollar im Monat auskommen. Vorausgesetzt, die Geber zahlen.

Geberkonferenz in Brüssel zukunftsweisend

2015 war das nicht so. Das WFP musste seine Zahlungen einstellen, auch deshalb flohen Hunderttausende über das Mittelmeer nach Europa. Danach floss zunächst Geld, doch seit gut einem Jahr tröpfeln die Hilfen wieder. Von der großen Geberkonferenz an diesem Dienstag und Mittwoch in Brüssel hängt die unmittelbare Zukunft der syrischen Flüchtlinge ab. In Jordanien reichen die Rücklagen noch bis Ende Mai. Auch die Dollars auf den WFP-Konten müssen deshalb möglichst lange halten, im Interesse aller. Jede Innovation zielt deshalb auch darauf, Geld einzusparen.

Doch das allein reicht nicht. Jordanien ist ein Wüstenstaat, Flüchtlinge und Einwohner konkurrieren um die knappen Ressourcen. Im armen Nordosten des Landes, wo Nomaden Schafe und Ziegen durch die karge Halbwüste treiben, wird das besonders deutlich. Ein umgebauter Schiffscontainer soll dazu beitragen, dass aus dem Gegen- ein Miteinander wird. Der junge Projektmanager Moath Jafar zeigt stolz, wie es im Inneren des Containers aussieht. „Mit Strom aus Sonnenkollektoren pumpen wir Wasser in eine Wand von Schubladen, in denen Samen in einer Nährlösung wachsen.“

Die Idee

Nur 20 Liter Wasser am Tag reichen aus, um die aus lokal verfügbarem Material gebaute Hydrokulturfarm zu betreiben und wöchentlich eine Tonne Gerste zu ernten. Die Idee hatte ein Flüchtling im Süden Algeriens, jetzt steht die Anlage auf einem Versuchsfeld unweit des zweitgrößten Flüchtlingslagers des Landes in Al-Asrak. Betrieben wird die Anlage von einem lokalen Bürgerbündnis, gefördert vom WFP. Das Ziel: Die Gerste aus der Hydrokultur soll einen Teil des Viehfutters ersetzen, das derzeit auf Lastwagen in die dürre Gegend gebracht werden muss.

Züchter Agil Al-Sajadi, ein alter, gebückt gehender Mann, freut sich schon: „Futter ist sehr teuer, und wenn es hier produziert und dadurch billiger wird, kann ich meine Herde vergrößern.“ Er lacht. Auch das WFP ist mit dem Projekt zufrieden, an dem Flüchtlinge zu gleichen Teilen beteiligt werden sollen. Dass aus Konkurrenten Kooperationspartner werden, hält auf lange Sicht den Frieden. Denn an ein schnelles Ende des Syrienkonflikts glaubt derzeit niemand – gut, wenn man sich aneinander gewöhnt. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. Katrin A. sagt:

    Der Artikel enthält mehrere Themen, denen die tiefere Recherche und Analyse fehlt.
    Thema Iris-Erkennung: Die Flüchtlinge sind Testobjekte, die überhaupt nicht Bedeutung dessen aufgeklärt werden. Des Weiteren, wer erhält die Daten, personenbezogene und die Daten dessen was, wann und wieviel diese eingekauft haben. Was ist mit den erhaltenen Bewegungsdaten?
    Thema Jordanien: Die hier so gut benannten Geberländer ziehen sich einfach aus der Verantwortung und belassen die Versorgung solch großer Flüchtlingsmengen einfach dem Nachbarland. Das Verhältnis der aufgenommenen Flüchtlinge sind zwischen einem Fünftel bis zu einem Viertel der jordanischen Bevölkerung. Würde dies Deutschland nur ähnlich tun, hätten wir zwischen 16 bis 20 Mio Flüchtlinge zu versorgen.
    Diese oberflächliche Betrachtung des Artikels ist gleich dem Mainstream allerorten, auch wenn ich grundsätzlich gut finde, dass Sie im Migazin die Themen Migration, Rassismus, Diskriminierung etc. beschreiben.



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