MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

Alternative Fakten

Liebe AfD, warum du ausgegrenzt und beschimpft wirst.

In Diskussionsrunden, Interviews, Zeitungsartikeln und Facebook-Kommentaren beschwert sich die AfD, sie würde ausgegrenzt und beschimpft. Stephan Anpalagan fasst zusammen, warum das stimmt.

Stephan Anpalagan, Alternative Fakten, MiGAZIN, Kolumne, AfD
Stephan Anpalagan schreibt im MiGAZIN die Kolumne "Alternative Fakten" © privat, bearb. MiG

VONStephan Anpalagan

Stephan Anpalagan ist Diplom-Theologe, Unternehmensberater und Mitglied der Band microClocks. In vielen unterschiedlichen Initiativen setzt er sich bereits seit vielen Jahren gegen die Ausbreitung von Rassismus und Rechtsextremismus ein.

DATUM17. April 2018

KOMMENTARE5

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Sehr geehrte Damen und Herren von der AfD!

In nahezu allen Diskussionsrunden, Interviews, Zeitungsartikeln und Facebook-Kommentaren beschweren Sie sich darüber, dass Ihre Mitglieder und Wählerinnen ständig und fortwährend als Nazis bezeichnet werden.

Nachdem Sie also das Wort „völkisch“ wieder positiv besetzen möchten, den Leistungen der deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen mit Stolz begegnen, eine erinnerungspolitische Wende um 180° fordern, das Denkmal der Schande im Herzen unserer Hauptstadt kritisieren, Deutsche mit zwei deutschen Eltern und vier deutschen Großeltern („Ariernachweis“?!) für die deutsche Leitkultur verpflichtet sehen, von entstellter Kunst („entartete Kunst“?!) sprechen, der tausendjährigen Vergangenheit eine tausendjährige Zukunft vorhersagen und sich zu guter Letzt darüber beschweren, dass Hitler immer als absolut böse dargestellt wird („Aber selbstverständlich wissen wir, dass es in der Geschichte kein Schwarz und Weiß gibt.“)…

… wundern Sie sich tatsächlich? Und – ganz nebenbei – dies ist nur eine vollkommen unvollständige Auflistung, die die Relativierung des dritten Reiches, des Holocausts und der deutschen Rolle an zwei Weltkriegen betrifft. Nicht enthalten sind die zahllosen sonstigen rassistischen Ausfälle:

Erwähnenswert ist auch der Schulterschluss mit der NPD – Die soziale Heimatpartei:

Und nach all diesen Äußerungen, halbherzigen Dementis und noch halbherzigeren Parteiordnungsverfahren gegen Ihre Mitglieder, haben Sie noch die Chuzpe nach Syrien zu reisen und das vom Bürgerkrieg zerrissene Land als sicheren Heimathafen für syrische Frauen, Männer und Kinder darzustellen. Während Sie Schwimmbäder und Basar fotografieren, sterben in derselben Nacht (!), wenige Kilometer entfernt, 86 Menschen durch die Hand des von Ihnen hofierten Regimes. Ohne jeden Skrupel möchten Sie schutzsuchende Menschen lieber in den sicheren Tod deportieren, als sich um das friedliche Zusammenleben in Deutschland verdient zu machen.

Sie und Ihresgleichen sind Nazis, die die Taten ihrer Eltern und Großeltern im Nachhinein rechtfertigen und stützen, Nazis, die mit ihrer rassistischen Gesinnung ebenjene Taten fortführen möchten, Nazis, die mit tatsächlichen und aktuellen Neonazis kooperieren und ihnen Unterschlupf gewähren. Erzählen Sie nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass Sie stolz auf Deutschland seien und dieses Land verteidigen möchten? Da haben wir ja durchaus etwas gemeinsam. Nur, wenn es etwas gibt, worauf wir in diesem Land stolz sein können, dann wohl die verantwortungsvolle und demütige Aufarbeitung unserer Vergangenheit, der daraus resultierenden Schuld, der Reue und der Sühne, unsere Verfassung und ihre kompromisslose Verteidigung der Menschen- und Bürgerrechte.

Es sind genau diese Menschenrechte, die Sie zurzeit allenthalben mit Füßen treten und in Bedrängnis bringen, indem Sie gegen Flüchtlinge und Muslime hetzen, Anschläge auf Asylwohnheime beklatschen und Rassisten in Ihrer Mitte dulden. Und Menschen, die solches tun nennt man nun einmal Nazis.

Herzliche Grüße
Stephan Anpalagan

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

5 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Susanne Klabunde sagt:

    Lieber Herr Anpalagan,
    Sie haben bei der Aufzählung, was man mit der AfD bzw. ihren Mitgliedern und Anhängern tut, „sich drüber lustig machen“ vergessen ^^

  2. Roman sagt:

    Wieder sauber recherchiert und klar formuliert. Kann ich mir als Favorit speichern. Danke.

  3. -Ute Plass sagt:

    Es gilt acht zu geben, dass vor lauter AfD-Fokussierung die anderen sog.
    etablierten Parteien dabei nicht aus dem Blick geraten:
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/umstrittener-gesetzentwurf-bayern-will-psychisch-kranke-wie-straftaeter-behandeln-1.3944987

  4. Stefan Böckler sagt:

    Ich kann die inhaltlichen Gründe, die der Autor für eine ‚Ausgrenzung‘, ja sogar eine ‚Beschimpfung‘ der AfD auflistet, nur unterstützen, bin aber der Meinung, dass diese Reaktionen auf die AfD anlassbezogen und nicht generalisiert erfolgen sollten. Wenn man die AfD als immerhin demokratisch gewählte Partei auch dort ausgrenzt, wo es solche konkreten Anlässe nicht gibt, so ist dies m. E. erstens nicht korrekt und unterstützt darüber hinaus das Opferbild der AfD gegenüber den etablierten Parteien und Medien.

  5. Arno Wahl sagt:

    Man darf nicht vergessen, dass bisher KEINE PARTEI so einen rasanten Aufstieg hatte wie die AfD und dies auch wegen der bodenlosen Dummheit sogenannter ALTPARTEIEN.



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...