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Wenn mir etwas Sorge macht, dann nicht Sarrazins Buch, das ich für das absurde Ergebnis eines Hobby-Darwins halte. Viel mehr Sorge macht mir, dass dieser Rückgriff auf die Eugenik in unserem Land gar nicht mehr auffällt, ja mehr noch: als »notwendiger Tabubruch« frenetisch gefeiert wird.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), Die Zeit, 16.09.2010

Spenden-Statistik für 2017

Spenden in die Flüchtlingshilfe stark rückläufig

Trotz hohem Spendeniveaus haben Hilfsorganisationen und Vereine ein Problem: Die Zahl der Geldspender sinkt stetig. Vor allem die mittlere Generation zwischen 30 und 49 Jahren hält sich auffällig zurück. Der Rückgang in der Flüchtlingshilfe beträgt 17 Prozent.

Geld, Alter, Armut, Rente, Euro

Die Deutschen haben im vergangenen Jahr insgesamt knapp 5,2 Milliarden Euro an gemeinnützige Organisationen und Kirchen gespendet. Das ist zwar ein Minus von 1,4 Prozent gegenüber 2016, in dem ein neuer Spendenrekord aufgestellt worden war, aber immer noch das drittbeste Ergebnis seit 2005. Sorgen bereitet allerdings die seit mehreren Jahren rückläufige Anzahl an Spendern, wie aus der am Montag in Berlin vorgestellten Studie „Bilanz des Helfens“ der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervorgeht. Sie wird jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrates erstellt.

Laut Spendenbarometer sank die Zahl der Spender gegenüber dem Vorjahr weiter um 1,1 Millionen Menschen auf rund 21 Millionen Menschen im Alter ab zehn Jahren. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung 2005. Insbesondere die Altersgruppe zwischen 30 und 49 Jahren gibt den Angaben zufolge immer weniger. Aber auch die Hauptspendergruppe der Gruppe „70 plus“ ist zurückhaltender geworden.

400 Euro für Flüchtlingshilfe

Allerdings hat sich das Spendenvolumen dank gestiegener Spendenhäufigkeit von 6,7 auf 6,9 Mal pro Spender „relativ stabil gehalten“, wie Bianca Corcoran-Schliemann von der GfK unterstrich. Der Durchschnittsbetrag einer Einzelspende blieb im vergangenen Jahr mit rund 35 Euro konstant.

Am meisten Geldspenden flossen anteilsmäßig im vergangenen Jahr an die humanitäre Hilfe mit 78 Prozent des Spendenvolumens. In absoluten Zahlen legten Zuwendungen an die Kultur- und Denkmalpflege sowie an Umwelt- und Naturschutz zu. Rund acht Prozent der Spenden (403 Millionen Euro) flossen im vergangenen Jahr in die Flüchtlingshilfe, 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Knapp die Hälfte (44 Prozent) gingen in Flüchtlingsprojekte in Deutschland.

Verlierer sind Sport und kirchliche Organisationen

Zu den Verlierern gehörten auch der Sport sowie kirchliche Organisationen. Der Anteil der Spenden für katholische Organisationen ging um zwei Prozentpunkte zurück, für evangelische Organisationen geringfügig um 0,2 Prozentpunkte. Nicht-konfessionelle Organisationen verbuchten dagegen Gewinne. Als eine Erklärung verwies die Geschäftsführerin des Spendenrates, Daniela Geue, auf die abnehmende Zahl an konfessionell gebundenen Spendern.

Die Angaben des Spendenrates beruhen auf monatlichen Befragungen der GfK von rund 10.000 Deutschen ab einem Alter von zehn Jahren. Nicht enthalten sind Erbschaften, Unternehmensspenden, die Förderung politischer Parteien, gerichtlich veranlasste Spenden und Großspenden von mehr als 2.500 Euro. Der Deutsche Spendenrat ist der Dachverband von 65 Spenden sammelnden, gemeinnützigen Organisationen und vergibt ein eigenes Spendenzertifikat.

Expertin rät: Spender gezielt ansprechen

Mit Blick auf die laut Spendenbarometer zunehmend zurückhaltend agierende Gruppe der 30- bis 49-Jährigen hieß es, dass in dieser Altersgruppe das projektbezogene sogenannte Crowdfunding verstärkt Zuspruch findet. Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand der „Aktion Deutschland Hilft“, riet den Organisationen zu einer differenzierteren Spendenwerbung. Die verschiedenen Alters- und Zielgruppen müssten unterschiedlich angesprochen werden, „die Spender wollen ernst genommen werden“, so die Chefin des Bündnisses von 13 Hilfsorganisationen.

Laut GfK-Studie spielt der persönlich adressierte Spendenbrief immer noch eine sehr wichtige Rolle, vor allem bei der Hauptzielgruppe „70 plus“. Hingegen sorgten die sozialen Medien im vergangenen Jahr für gerade einmal 0,3 Prozent der Spendeneinnahmen, das Internet für 2,1 Prozent. Eine weitere Erkenntnis aus dem Spendenbarometer: Im sonst so spendenstarken Monat Dezember wurde 14 Prozent weniger gespendet als im Vorjahresmonat, aber immer noch 20 Prozent des gesamten Spendenaufkommens 2017. (epd/mig)

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