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Lehrermangel an Grundschulen verschärft sich durch Einwanderung

Bis zum Jahr 2025 werden einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge etwa 35.000 Lehrkräfte an Grundschulen fehlen. Angesichts steigender Schülerzahlen durch Einwanderung und höherer Geburtenzahlen sowie dem geplanten Ausbau der Ganztagsschulen reiche die heutige Zahl der Lehramtsstudenten an den Universitäten nicht aus, heißt es in der am Mittwoch in Gütersloh vorgestellten Studie „Lehrkräfte dringend gesucht – Bedarf und Angebot für die Primarstufe“.

Aufgrund der langen Dauer der Lehrerausbildung sei auch eine Aufstockung der Ausbildungskapazitäten keine kurzfristige Lösung. Um entstehende Lücken zu schließen, schlagen die Bildungsforscher Klaus Klemm und Dirk Zorn deshalb vor, Teilzeitkräften Anreize zum Aufstocken zu bieten. Fast 40 Prozent aller Grundschullehrkräfte, davon überwiegend Frauen, arbeiten demnach in Teilzeit. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei wichtig. Auch könnten Grundschullehrer, die kurz vor der Pensionierung stehen, wieder mehr unterrichten. Seiteneinsteiger ohne Grundschulstudium seien zudem wichtig. Hier dürfe es aber keine Qualitätseinbußen geben, mahnten die Autoren der Studie.

Der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) warf der Politik schwere Versäumnisse vor. „Die Berechnungen zeigen: Während der Bedarf steigt, kann die Personalplanung nicht einmal im Ansatz mithalten“, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann in Berlin.

Bedarf: 105.000 neue Lehrer bis 2025

Insgesamt müssten bis einschließlich 2025 knapp 105.000 Grundschullehrer bundesweit neu eingestellt werden, errechneten Klemm und Zorn. Davon ersetzen laut Studie etwa 60.000 ausscheidende Lehrkräfte. Weitere 45.000 Lehrer werden benötigt, um den Unterricht bei steigenden Schülerzahlen aufzufangen und den Ganztag auszubauen. Allerdings stünden im gleichen Zeitraum nur etwa 70.000 regulär ausgebildete Absolventen für das Lehramt an Grundschulen zur Verfügung, hieß es weiter. Damit fehlten den Grundschulen mindestens 35.000 regulär ausgebildete Lehrkräfte. Erst ab 2026 zeichne sich eine Entspannung ab.

Eher zurückhaltend äußerte sich der VBE-Bundesvorsitzende Beckmann zu den Vorschlägen der Stiftung. „Viele Lehrkräfte gehen in Teilzeit, um die hohen Belastungen mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit abfedern zu können“, erklärte er. Auch die Anstellung von Ruheständlern könne auch nur eine zeitlich begrenzte Notlösung sein, die freiwillig und lediglich in kleinem Stundenumfang erfolgen sollte.

Viele Lehreranwärter brechen ab

Beckmann sieht mehr ein Problem darin, dass viele angehende Lehrer ihr Studium aufgrund von strukturellen Hürden und geringer Bezahlung im Referendariat nicht beenden. „Wir können es uns nicht leisten, fünf von 40 Studierenden zu verlieren“, warnte er. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass von 8.000 Studierenden 7.000 tatsächlich einen Abschluss erreichen.

Auch bei der Ausbildung von Quer- und Seiteneinsteigern sieht Beckmann Nachholbedarf. Diese würden bislang nur gering oder nicht vorqualifiziert, beklagte er. Doch die Methode „Learning by doing“ werde den hohen pädagogischen Anforderungen nicht gerecht. (epd/mig)