MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Büttenrede

Hessens Innenminister Beuth empört mit Witz über Flüchtlinge

Auf Büttenreden spottet man normalerweise von unten nach oben. Hessens Innenminister Beuth machte sich mit einem Witz über minderjährige Flüchtlinge lustig. Die Empförung im Netz ist groß.

Peter Beuth, Büttenrede, Karneval, Flüchtlinge, Witz
Hessens Innenminsiter Peter Beuth empört mit einem Witz über Flüchtlinge

DATUM30. Januar 2018

KOMMENTARE9

RESSORTAktuell, Politik

SCHLAGWÖRTER , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Hessens Innenministers Peter Beuth (CDU) sorgt derzeit für Aufregung im Netz. Er hatte am Samstag in seinem Heimatort Taunusstein als Büttenredner auf einer Sitzung eines Karnevalsvereins sich über Flüchtlinge lustig gemacht. Seitdem steht er in der Kritik. Beuth sagte wörtlich:

„Schwer gedrückt,
wenn Migration ins Zentrum rückt:
Vor dem Flüchtlingsverwalter
verschleiert mancher gern sein Alter.

Das stellt unseren Staat fast bloß,
macht Bürger ganz verständnislos.
Manch Flüchtling in ’nem Jugendheim
könnt‘ fast eher Rentner sein.

In Österreich hat sich dagegen
Kanzler Kurz durch Wahl ergeben.
Dem baby face will man als Zeichen
dagegen eher eine Windel reichen.“

Die Vorsitzende der Linksfraktion im hessischen Landtag, Janine Wissler, nannte die Rede grauenhaft. „Karneval hieß, dass sich das Volk über die Obrigkeit lustig macht, nicht umgekehrt“, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Unter dem Hashtag „#beuth“ machten zahlreiche Twitter-Nutzer ihrem Ärger über Beuths Büttenrede Luft. Sebastian Weber etwa ärgerte sich über die Themenwahl: „Gab‘s dann nix anneres zu lache, zum Beispiel über leere Rentekasse? Oder über junge Leut die en Arbeitsvertrach nur kriche von vorgestern bis heut?“

Auch auf Facebook gab es zahlreiche Reaktionen. Thomas Lorenz widmete Beuths Büttenrede gleiche eine Replik:

„Wo hoch die Bütt und niedrig der Verstand,
da steht er aufrecht im dunklen Gewand.
Ein jeder wundert sich über dies schräge Manuskript –
hat sich denn der Assistent vertippt?
Nein, denn wer für Rüstung ist und die Menschenwürde trat,
dies war dann wohl ein Christdemokrat.
*DufftääDufftääDufftää*“

„Schlimm“, „Unter aller Sau“, „Einfach nur schrecklich“ oder „Geschmacklos“, lauten zahlreiche weitere Kommentare.

Unterstützung erhält Beuth von Nutzern, die offensichtlich dem AfD-Lager nahestehen. Sie tragen entweder ein AfD-Logo im Profilbild oder geben sich im Benutzernamen als AfD-Anhänger zu erkennen. (mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

9 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Kai Diekelmann sagt:

    Eine Fastnachtsrede zur Altersfeststellung von UMF – noch dazu die eines Innenministers – ist plump-populistische Anbiederung und der völlig falsche Ort fürs Thema.
    Allerdings: das Körnchen Wahrheit in populistischen Statements gilt es sachlich zu diskutieren, nicht zu tabuisieren oder mit Empörung von der Agenda zu fegen. Wäre interessant, welche Ideen Herr Beuth dazu hat. Noch interessanter, welche Idee der Hoffnungsträger Robert Habeck zum Thema hat.

  2. FrankUnderwoo sagt:

    Was ist eigentlich euer Problem?!
    Der Mann sollte eine Rede auf einer Karnevalssitzung halten und als Politiker wird ein aktueller Bezug zu politischen Themen erwartet. Es handelt sich bei dem zitierten Auszug um eine ironische Übertreibung realer Zustände. Der vielfache Betrug beim Alter ist real und wenn Migazin etwas anderes behauptet ist das schlicht dumm oder gelogen.

    Zur Rede- und Meinungsfreiheit gehört es auch, dass man mal selbst Gegenstand von Satire werden kann. Die Aussagen in der Büttenrede sind harmlos. Wer sich ernsthaft über diese Zeilen aufregt, ist humorlos und kann sich gleich selbst begraben. Vor diesen Zeilen muss kein Flüchtling beschützt werden. Das sind realistische Aussagen mit denen sie auch im echten Leben rechnen müssen und dort wären sie nicht so diplomatisch formuliert worden.

    PS: Wenn besonders viele AfD-Anhänger ihre Zustimmung öffentlich äußern, finde ich das beängstigend. Die Gesellschaft sollte eher mit einem Grinsen über die eigentliche Sache nachdenken und positive Veränderungen herbeiführen. Ich kann der AfD nichts abgewinnen und finde es äußerst bedenklich, dass ein harmloser Witz so hohe Wellen schlägt.

  3. Otto W sagt:

    Herr Beuth machte sich nicht, wie von Migazin behauptet, über minderjährige Flüchtlinge lustig, sondern über erwachsene Flüchtlinge, die sich als minderjährige Flüchtlinge ausgeben und damit gleichzeitig auch über die dafür zuständigen und inkompetenten Behörden (Obrigkeit). Herr Beuth selbst ist Innenminister und somit Teil der Obrigkeit, also nicht vom Volk. Er hätte also von vornherein keine Büttenrede halten dürfen…soviel zur kolportierten Logik des Artikels. Herr Beuth hat auch nicht behauptet dass alle Flüchtlinge betrügen, sondern lediglich „so mancher“.

    Was bleibt am Ende also übrig von der Kritik und der gespielten Empörung ggü. Herrn Beuth? Nichts! Warum? Weil da nichts war. Die meisten stören sich lediglich an der Parteizugehörigkeit von Herrn Beuth. Der Hass seitens der Kritiker war schon vor der Büttenrede vorhanden. Aber nun gut, wir kennen ja alle die Regel, dass wenn man mit genug Scheisse wirft, schon irgendwas kleben bleibt. 😉

    Und jetzt mal eine unerhörte Frage:
    Wer schadet dem Image der minderjährigen Flüchtlinge mehr, Herr Beuth mit seiner Büttenrede (btw von der ich nie was gehört hätte) oder die erwachsenen Flüchtlinge die Falschangaben machen?

  4. panther sagt:

    Wieso machen Flüchtlinge „falsche Angaben“ ? Vielleicht, weil sie anders überhaupt keine Chance haben, hier zu bleiben, wenigstens für eine Verschnaufpause. Die entscheidenden Innenbehörden handeln schlicht herzlos, Hauptsache, sie schaffen die Abschiebequote, egal wohin.
    Was das im Endeffekt bedeutet, machen uns die Bilder vom Mittelmeer deutlich.

  5. Otto W sagt:

    @panther

    Was Sie verlangen ist demokratisch nicht legitimiert und nicht rechtsstaatlich, also illegal. Ihr Wunsch eines altruistischen augenzudrückenden Staates bis zur Selbstaufgabe wäre obendrein auch noch ein guter Grund für andere „Flüchtlinge“ (offiziell eigentlich illegale Migranten) sich auch auf den tödlich und aussichtslosen Weg nach Europa zu machen um „Verschnaufpausen“ einzulegen.

    Die Ablehnung und Abschiebung eines „Flüchtlings“ ist immer auch das beste Mittel um Fluchtursachen zu bekämpfen, da es dem Braindrain entgegenwirkt.

  6. President Obama sagt:

    „Überhaupt keine Chance“ … das ist aber eine Fehlinformation sondergleichen.

    Im Jahr 2015 waren 49 %, in 2016 62 % und im Jahr 2017 48 % der Asylantragsteller, die eine Anerkennung bekommen haben. Abschiebequoten gibt es nicht, erst recht keine Einstellung a la „egal wohin“.

    Selbst bei einer Gesamtschutzquote von 100 % in Deutschland würden sich die Bilder im Mittelmeer nicht ändern. Ursache und Wirkung werden hier vollkommen verdreht.

  7. -Ute Plass sagt:

    @Otto W.: „Wer schadet dem Image der minderjährigen Flüchtlinge mehr, Herr Beuth mit seiner Büttenrede (btw von der ich nie was gehört hätte) oder die erwachsenen Flüchtlinge die Falschangaben machen?“

    Hier geht es doch nicht um eine Frage es „Image“, sondern um einen inhumanen Umgang mit Menschen in Not. Wenn sich schon die Obrigkeit
    in einer Büttenrede zu Wort meldet, dann erwarte ich, dass diese ihr eigenes Versagen dem Spott preis gibt.

    Und wenn behauptet wird: „Die Ablehnung und Abschiebung eines „Flüchtlings“ ist immer auch das beste Mittel um Fluchtursachen zu bekämpfen, da es dem Braindrain entgegenwirkt.“, dann lenkt diese scheinbar so human daherkommende Behauptung davon ab, dass unser imperialer Lebensstil und die (Waffen)Geschäfte mit korrupten und diktatorischen Regime mit dazu beiträgt, dass Menschen vor Krieg und
    Elend flüchten.
    Wer es also wirklich ernst meint, mit der Bekämpfung von Fluchtursachen,
    der sollte sich mit der (weltweit) asozialen Verteilungsungerechtigkeit
    befassen und den Finger in diese Wunde legen.

  8. Otto W sagt:

    @Ute Plass

    Sie sprechen hier von inhumanem Umgang. Könnten Sie mal bitte ganz präzise erläutern, was Sie damit meinen? Welcher Satz von Beuth ist inhuman? Ich kanns nicht erkennen… ich weise nochmal drauf hin, dass das eine Büttenrede ist. Dass in Jugendheimen keine Rentner sitzen, das muss man doch wohl niemandem erklären. Und Beuths Rede kann man als Kritik an Merkel verstehen. (Vertreterin einer imperialistischen Politik 😉 )

    Frau Plass, sie müssen unterscheiden zwischen dem wie die Welt funktionieren sollte und wie sie tatsächlich funktioniert. Die Menschen in Europa werden nicht Busse tun, für die imperialistische Politik Europas in Afrika. Ich werde nicht hinnehmen, dass illegale Migranten ihre Identität verschleiern um ein Bleiberecht zu bekommen und vom Sozialstaat unterhalten zu werden. Sich während einer Büttenrede darüber lustig zu machen, dass man selbst auf die absurdesten Fälle herein fällt, ist sehr sehr harmlos.

    Wenn Sie Herrn Beuth verantwortlich machen wollen, falls jetzt irgendwelche Menschen ggü. Flüchtlinge hetzen, dann mach ich Sie persönlich auch für die kriminellen Tätigkeiten Ihrer pseudominderjährigen Flüchtlinge verantwortlich. Ist doch fair, wenn jeder sich dann verantworten muss, oder für was genau tragen Sie Verantwortungen bei Ihren Forderungen? Am liebsten keine, ne?

  9. President Obama sagt:

    Dieses imperialistische Deutschland ist ja so böse ….

    1. nur weil diese Meinung unter die Meinungsfreiheit fällt, wird der Inhalt nicht wahr

    2. wer seine Identität verschleiert, begeht eine nicht unerhebliche Straftat – das kann man nicht belohnen. Dem Dieb schenkt man doch auch nicht zur Belohnung die doppelte Beute….



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...