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Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Kühe hüten statt lernen

In der Landwirtschaft nimmt Kinderarbeit weltweit zu

Wegen kriegerischer Konflikte, Naturkatastrophen und wachsendem globalen Wettbewerb werden immer mehr Bauernkinder zum Arbeiten gezwungen. UN-Organisationen bemühen sich, den Teufelskreis aus mangelnder Bildung und Armut zu brechen.

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Ein Kind (Symbolfoto) © Freedom House @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Wenn Eltern ihren Nachwuchs auffordern, die Spielsachen aufzuräumen oder beim Abwasch zu helfen, wird die prompte Weigerung häufig mit dem Argument begründet, das sei Kinderarbeit. Aber tatsächlich leisten Minderjährige vor allem in Entwicklungsländern oft einen Beitrag zum Familieneinkommen. Weltweit müssen 152 Millionen Jungen und Mädchen zwischen fünf und 17 Jahren arbeiten, 70 Prozent von ihnen in der Landwirtschaft.

Nicht jede Arbeit gilt als verboten. Es kommt darauf an, wie gefährlich und ausbeuterisch sie ist. So ist der Einsatz von Kindern in der Landwirtschaft oft schwierig einzustufen und zu erfassen. Bei beruflichen Tätigkeiten variiert das gesetzliche Mindestalter in den einzelnen Ländern zwischen 14 und 16 Jahren. Gefährliche Aktivitäten wie der Umgang mit Pestiziden ist aufgrund der höheren Risiken für Jungen und Mädchen weltweit bis zum Alter von 18 Jahren geächtet. „Kinderarbeit ist ein globales Problem, auch in entwickelten Ländern“, sagt Bernd Seiffert von der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO).

Rückgang arbeitender Kinder verlangsamt

Jüngsten Schätzungen der Weltarbeitsorganisation (ILO) zufolge sinkt die Zahl der arbeitenden Kinder zwar weiter. In den vergangenen Jahren hat sich der Rückgang jedoch verlangsamt. Und in der Landwirtschaft stieg die Zahl der arbeitenden Kinder entgegen des Trends laut ILO in den vergangenen vier Jahren sogar von 98 Millionen auf 108 Millionen Jungen und Mädchen weltweit an. In Afrika muss jedes fünfte Kind mithelfen, weltweit jedes zehnte.

In der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in Afrika und Asien gestaltet sich die Bekämpfung von Kinderarbeit schwierig. „Meistens handelt es sich um unbezahlte Familienarbeit“, erklärt Seiffert. Viele Eltern schickten eins ihrer Kinder nicht in die Schule, damit es stattdessen drei Kühe hüte, berichtet der FAO-Experte.

Abwechselnd Tiere hüten für die Schule

Um allen Kindern den Besuch einer Schule zu ermöglichen, informiert die UN-Organisation vor Ort über Modelle einer effizienteren Arbeitsorganisation. So kann jeweils ein Kind bis zu 50 Kühe mehrerer Familien hüten und sich dabei mit anderen abwechseln, damit alle in die Schule gehen können.

Viele Kinder arbeiten unentgeltlich auf dem Feld oder auf der Weide. In der Fischerei würden Kinder sogar eingesetzt, um aus Booten zu tauchen und Netze unter Wasser zu lösen, berichtet Seiffert. Da vielerorts Fischerei immer unrentabler werde, würden häufig schlecht bezahlte Kinder anstelle von Erwachsenen ins Boot geholt. Egal, ob für eine Stunde oder einen ganzen Tag, zählten solche gefährlichen Tätigkeiten immer als Kinderarbeit.

Siegel gegen Kinderarbeit

Für Industrieprodukte existieren mittlerweile unterschiedliche Gütesiegel, die Verbrauchern helfen, fair gehandelte Erzeugnisse zu erwerben, die ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Bei vielen landwirtschaftlichen Produkten ist das schwieriger. „Wir müssen darauf zuarbeiten, dass Zulieferketten künftig Kinderarbeit verhindern“, sagt der FAO-Experte Seiffert. Ein Großteil der Kinderarbeit befriedige jedoch den Eigenbedarf der Familien und sei somit durch Kontrollen der Lieferketten nicht zu erfassen.

Um die Länder im Kampf gegen Kinderarbeit zu unterstützen, informiert die FAO Vertreter von Arbeits- und Landwirtschaftsministerien, Gewerkschafter bis hin zu Religionsvertretern und Dorfoberen über effektivere Produktionsmethoden. Die ILO fordert ein Ende der Kinderarbeit bis 2025, vor allem durch bessere Gesetze, die Förderung von Bauern, soziale Schutzsysteme und Bildung: Kleinbauern könnten demnach auf Kinderarbeit verzichten, wenn sie auch ohne deren Beitrag ihren Lebensunterhalt sichern lernen. (epd/mig)

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