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Migration und Integration in Deutschland

Wir haben unsere Behörden über Jahrzehnte in eine Abschottungskultur hineinentwickelt. Man hat gesagt: Haltet uns die Leute vom Hals, die wollen alle nur in unsere Sozialsysteme einwandern. Jetzt müssen wir deutlich machen, dass wir Fachkräfte brauchen, dass wir um sie werben müssen.

Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Quereinstieg

Wenn Migranten als Übersetzer arbeiten wollen

Nicht selten spielen Einwanderer mit der Idee, als Quereinsteiger in das Übersetzungswesen einzusteigen. Eine Fremdsprache zu beherrschen ist jedoch keine Garantie dafür, dass man in diese Sprache auch übersetzen kann. Deshalb setzen Übersetzungsbüros auf ausgebildete Fachkräfte.

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Dictionary | Wörterbuch © stevepb @ pixabay.com (CC0)

Bei der Migration in ein anderes Land nimmt man vieles aus der Heimat mit. Gemeint sind nicht (nur) materielle Besitztümer, sondern die eigene Kultur, Traditionen und nicht zuletzt die eigene Sprache. Dass das Beherrschen mehrerer Sprachen einen positiven Effekt auf das Gehirn hat, ist längst bewiesen. Doch wie sieht es aus, wenn man seine interkulturellen und vor allem sprachlichen Kompetenzen als Übersetzer in Deutschland nutzen möchte?

Ohne entsprechende Ausbildung wird es schwer

Qualitativ hochwertige Übersetzungen sind eine echte Kunst. Daher werden in der Regel professionelle Übersetzungsbüros beauftragt, wenn es um hochwertige Übersetzungsarbeiten geht. Allerdings engagieren Übersetzungsbüros kaum jemanden als Übersetzer auf der alleinigen Grundlage, dass er oder sie eine Sprache auf Muttersprachniveau beherrscht. Eine linguistische Ausbildung beziehungsweise ein relevantes Hochschulstudium sind zwingende Voraussetzungen für die Arbeit als Übersetzer. Das Studium einer Sprache etwa mag vor dem Hintergrund der Migration leichter fallen, aber dennoch ist es ein langer Weg bis zur Arbeit als Übersetzer. Laut Studien haben es Kinder aus Migrantenfamilien besonders schwer, einen Hochschulabschluss zu erlangen. Insbesondere dann, wenn ein anderes Fach als eine Sprache studiert wird, da sprachliche Barrieren auf akademischem Niveau deutlich schwieriger zu überwinden sind als noch in der Schulzeit.

Theorie und Praxis

In der bloßen Theorie mag die Idee, leicht in das Übersetzungswesen als Quereinsteiger Fuß zu fassen, verlockend sein. Immerhin bringen Migranten meist hohe sprachliche Kompetenzen und interkulturelle Kompetenzen mit. Jedoch ist der Quereinstieg in die Übersetzungswesen kaum möglich.

In der Praxis zeigt sich, dass führende Übersetzungsbüros wie
Easytrans24.com aus Hamburg
eine besondere Personalstrategie verfolgen. Um die Qualität der Übersetzungen garantieren zu können, beschäftigt dieses Übersetzungsbüro ausschließlich Linguisten, die in ihre eigene Muttersprache übersetzen und auch in einem Land leben, in welchem diese Sprache gesprochen wird. Das bedeutet, dass es für Migranten, die in Deutschland leben und in eine ausländische Muttersprache übersetzen möchten, eine Anstellung hier nicht möglich ist. Falls allerdings später eine Rückkehr in das ursprüngliche Heimatland geplant ist, lässt sich die Zeit in Deutschland hervorragend nutzen, um Kontakte zu knüpfen und die Deutschkenntnisse zu perfektionieren. Da Übersetzungsbüros oft so verfahren, dass sie von einem zentralen Punkt aus, Aufträge in die ganze Welt verschicken, kann nach der Rückkehr in das Ursprungsland problemlos als Übersetzer gearbeitet werden. In diesem Fall würden Texte von der deutschen Sprache, in die jeweilige Landessprache übersetzt.

Zusatzqualifikation wünschenswert

Eine Sprache gut zu beherrschen, ist selbstverständlich die Basis der Übersetzungstätigkeit. Da Übersetzungen allerdings immer spezieller werden und gerade Leistungen wie technische, juristische oder medizinische Übersetzungen immer häufiger gefragt werden, ist eine Zusatzausbildung in einem wissenschaftlichen Fachbereich eine ausgesprochene Empfehlung. Im Studium lohnt sich daher ein Nebenfach wie Physik, Rechtswissenschaften oder Ingenieurwesen auch für angehende Übersetzer. Neben dem entsprechenden Fachvokabular wird nämlich häufig auch ein Grundverständnis der zugrundeliegenden Abläufe erwartet.

Fazit

Die Beschäftigung als Übersetzer ist für Migranten trotz eventueller Mehrsprachigkeit in der Regel nicht ohne entsprechende Ausbildung und Zusatzqualifikation möglich. In Einzelfällen mag der Einstieg in die Branche möglich sein, jedoch wird in der Regel auch umfangreiches Wissen in speziellen Fachbereichen verlangt, welche nicht unbedingt sprachlich oder kulturell sind.

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