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Afrika-Experte

Migration nach Europa wird weiter steigen

Die Migration aus Afrika kann nicht mit einem besserem Schutz der EU-Außengrenzen gestoppt werden. Dem Entwicklungspolitik-Experten Rainer Thiele zufolge lässt sich Migration nur mindern, wenn den Menschen eine Perspektive gegeben wird über guten Schulen und Krankenhäuser.

Die Migration von Afrika nach Europa wird nach Ansicht des Entwicklungspolitik-Experten Rainer Thiele in den kommenden Jahren weiter steigen. „Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Migration aus Afrika automatisch sinkt, wenn die Armut zurückgeht“, sagte der Ökonom vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel der Welt mit Blick auf den EU-Afrika-Gipfel in der Elfenbeinküste. Studien zeigten, dass die Migration zunächst zunehme, auch wenn das Einkommen vor Ort steige.

Denn dann könnten sich mehr Menschen die teure Reise nach Europa leisten, erklärte der Afrika-Experte. Auch mit wachsendem Einkommen blieben die Wohlstandsunterschiede zwischen den afrikanischen Ländern und dem reichen Westen auf absehbare Zeit noch sehr groß. „Wenn die Menschen allerdings eine Perspektive haben und über gute Schulen und Krankenhäuser verfügen, könnte dieser Migrationseffekt abgeschwächt werden.“

Starke Bevölkerungsentwicklung in Afrika

Ein entscheidender Punkt sei auch die starke Bevölkerungsentwicklung in Afrika, welche eine steigende Zuwanderung erwarten lasse, erklärte Thiele. Laut UN wird sich die afrikanische Bevölkerung bis 2100 auf vier Milliarden Menschen nahezu vervierfachen. Eine Prognose zur Zahl der weiter nach Europa strebenden Afrikaner lasse sich nicht abgeben, erklärte Thiele aber. Dies sei „fahrlässig“, da beispielsweise auch nicht absehbar sei, in wie vielen Ländern Menschen durch Kriege in die Flucht getrieben würden. Der Experte nimmt aber an, dass zunehmend auch Arbeitsmigranten nach Europa kommen.

Ein besserer Schutz der EU-Außengrenzen und ein stärkerer Kampf gegen Schleuserkriminalität halte die Migration nur kurzfristig auf, erklärte Thiele. „Die Migranten werden sich ihren Weg suchen“, sagte er. Von einer Flucht würden sie sich nur abhalten lassen, wenn die Maßnahmen immer restriktiver würden. „Und zwar so restriktiv, dass sie mit einem liberalen Rechtsstaat nur noch schwer vereinbar sind.“ (epd/mig)