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Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

AfD-Politiker soll auf die Knie

Künstler errichten Holocaust-Mahnmal neben Höckes Wohnhaus

Das Zentrum für Politische Schönheit hat vor dem Haus des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke das Berliner Holocaust-Mahnmal nachempfunden. Aus Protest gegen seine umstrittene Dresdener Rede über den Massenmord an den europäischen Juden. Sie fordern von Höcke einen Kniefall.

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Holocaust Mahnmal vor dem Haus von AfD-Politiker Björn Höcke © Zentrum für Politische Schönheit

Neben dem Wohnhaus des umstrittenen Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden Björn Höcke ist am Mittwoch ein Ableger des Berliner Holocaust-Mahnmals errichtet worden. Hinter dem Projekt in dem thüringischen Dorf Bornhagen im Eichsfeld steckt die Berliner Künstlerinitiative „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS), die seit Jahren mit spektakulären Guerilla-Kunstaktionen von sich reden machen. Die Aktion steht unter dem Motto „Holocaust-Mahnmal besucht Höcke„.

Das aus 24 Betonstelen bestehende Mahnmal stehe auf dem direkten Nachbargrundstück zu Björn Höcke, das das ZPS nach der sogenannten Dresdner Rede des AfD-Politikers im Januar 2017 verdeckt angemietet habe, teilte die Künstlerinitiative am Mittwoch mit. In der berüchtigten Rede hatte Höcke das Holocaust-Mahnmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnet und „eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert.

„Weil Höcke ein ‚heimlicher Verehrer‘ des Denkmals ist, bauen wir es ihm jetzt direkt vors Haus“, erklärten die Aktionskünstler in einem Video. Der Mahnmal-Ableger soll die nächsten fünf Jahre auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers stehen. Ein am Mittwoch gestarteter Spendenaufruf zur Finanzierung des Projekts brachte innerhalb weniger Stunden bis zum späten Nachmittag knapp 59.000 Euro ein. Die in Berlin ansässige Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas wollte die Kunstaktion am Mittwoch nicht kommentieren.

Künstler: Thüringer Verfassungsschutz hat NSU gedeckt

Die Aktionskünstler erklärten weiter, sie wohnten seit zehn Monaten „Zaun an Zaun zum Posterboy der Rechten“ und beobachteten seitdem sein Treiben. Der Thüringer Verfassungsschutz habe über Jahre den rechtsextremen Terror der NSU protegiert und gedeckt. Deshalb habe das ZPS den „Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz Thüringen“ gegründet. Weil das Bundesamt für Verfassungsschutz Björn Höcke nicht beobachte, laufe an dessen Wohnort nun „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“.

Dabei schlägt das ZPS Höcke nach eigenen Angaben „einen Deal“ vor. Wenn der AfD-Rechtsaußen sich bereiterkläre, vor dem Mahnmal – in Berlin oder Bornhagen – auf die Knie zu fallen wie einst Bundeskanzler Willy Brandt (SPD), um für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs um Vergebung zu bitten, werde „die zivilgesellschaftliche Überwachung vorerst eingestellt“. „Andernfalls wird die Zivilgesellschaft in die gewonnenen Erkenntnisse unter dem Motto ‚Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser‘ mit einbezogen“, heißt es. Mehrere aufschlussreiche Dossiers stünden zur Veröffentlichung bereit.

Landtagspräsident Carius (CDU) verurteilt Kunstaktion

Thüringens Landtagspräsident Christian Carius (CDU) verurteilte die Kunstaktion am Mittwoch und verglich sie mit den Zersetzungsmethoden der DDR-Staatsicherheit. Die Aktion habe nichts mit Kunst zu tun, sondern sei ein Angriff auf die Freiheit des Mandats, die Unversehrtheit von Familie und ein ungeheuerlicher Eingriff in das Leben eines Menschen, erklärte Carius. „Ich gehe davon aus, dass die Polizei unverzüglich Ermittlungen gegen die Initiatoren aufnimmt.“ Der sachsen-anhaltische AfD-Fraktionsvorsitzende André Poggenburg sprach von „faschistischen Methoden“ und einer „Aushebelung“ des Rechtsstaatsprinzips.

Das „Zentrum für Politische Schönheit“ versteht sich als „Schnittstelle“ zwischen Aktionskunst und Menschenrechten. 2015 überführten die Aktionskünstler in einer symbolischen Handlung ertrunkene Flüchtlinge, die an der europäischen Außengrenze anonym verscharrt worden waren, nach Berlin und beerdigten sie in Parks und auf Plätzen. Zum Mauerfall-Gedenken 2014 entführte das Team die Mauerkreuze aus dem Regierungsviertel und montierte sie an den EU-Außengrenzen. (epd/mig)

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Ein Kommentar
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  1. karakal sagt:

    Mir erscheint das nicht als „politische Schönheit“, sondern als grobe Geschmacksverirrung, wie auch das Holocaustdenkmal in Berlin, das man anders hätte gestalten können und sollen. Gerechterweise hätte man nach Willi Brandts Kniefall auch von offiziellen Vertretern der Tschechei und Polens Kniefälle für die unmittelbar nach dem Weltkrieg vertriebenen und ermordeten Deutschen fordern sollen.
    Zwar ist mir nicht bekannt, ob die vom ZPS beigesetzten Leichen der Flüchtlinge von Angehörigen des Islams stammen, aber falls es sich um solche handeln sollte, hätten sie auf dem muslimischen Gräberfeld eines Friedhofs nach islamischem Ritus beigesetzt werden sollen und nicht nach dem Ritus des ZPS in öffentlichen Parks.
    Aufgrund dieser Verhaltens- und Vorgehensweisen wirkt das ZPS auf mich einfach nur abstoßend, auch wenn es mit seinen Anklagen großenteils Recht hat.
    Auf jeden Fall darf man von einem Angehörigen der Nachkriegsgenerationen keinen Kniefall für das fordern, was seine Vorfahren begangen haben – sofern er deren Verbrechen nicht gutheißt. Sonst müßte man gerechterweise in der Geschichte noch weiter zurückgehen und von den Deutschen bspw. ein Schuldbekenntnis für die Teilnahme ihrer Vorfahren an den Kreuzzügen im Mittelalter fordern.



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