MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Und die einzige Leitkultur, die wir allen Menschen in Deutschland abverlangen müssen, steht in den ersten 20 Artikeln des Grundgesetzes.

Sigmar Gabriel (SPD-Chef), dpa, 7. Oktober 2010

Neu hier?

Tipps zur Jobsuche in Deutschland

Ungeklärte Aufenthaltstitel, fehlende Sprachkenntnisse oder nicht erkannte ausländische Qualifikationen. Mit diesen Problemen haben viele Einwanderer zu kämpfen bei ihrer Integration in den Arbeitsmarkt. Trotz vieler Hürden kann man aber etwas tun.

Jobcenter, Arbeit, Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Sozialhilfe
Jobcenter © berlinframes @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Junge Bürger mit Migrationshintergrund müssen auf dem deutschen Arbeitsmarkt hohe Hürden überwinden. Der ungeklärte Aufenthaltstitel, fehlende Sprachkenntnisse oder nicht erkannte ausländische Qualifikationen sind nur einige Beispiele, die die Jobsuche erschweren. Aber warum erschweren deutsche Arbeitgeber jungen Zuwanderern den Zutritt zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, obwohl die Europäische Union dafür einen Fördertopf bereitstellt?

Irgendwo aus der Dunkelheit fallen Schüsse. Der Kopf konzentriert sich ausschließlich auf das Ziel: Flucht in die Sicherheit. Wie unverschämt von einem Migranten, dass er bei seiner Flucht nicht an sein Abschlusszeugnis gedacht hat, um das nach seiner Ankunft in Deutschland, der Agentur für Arbeit vorzulegen. Und nach deutschem Verständnis hat ein Flüchtling sich vorab über die deutschen Bedingungen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu informieren, ehe dieser sich in ein Schlauchboot zwängt und bei Wind und Regen über das Mittelmeer schippert.

Der erste Realitätsschock

Versprechen: Wir kennen die Berichte von Schleusern, die Flüchtlingen mit Lügen vom großen Glück locken, um sie schlichtweg auszubeuten. Ihnen würde aber schon der Zutritt zum Arbeitsmarkt reichen, denn am Arbeitswillen scheitert es in den allermeisten Fällen nicht. Es ist die fehlende Anerkennung der Abschlüsse, die Migranten in ihren Heimatländern erzielt haben. Die Lehrinhalte sind eben nicht mit den deutschen Standards identisch. Und so wird aus dem Versprechen schnell der erste Realitätsschock.

Gründe: Neben den fehlenden Sprachkenntnissen und den nicht anerkannten Qualifikationen ist die Herkunft einer der größten Hürden. Das ist eine Mischung aus Vorurteilen der potenziellen Ausbildungsbetriebe oder Arbeitgeber, andersrum eine Skepsis von Migranten, die verunsichert sind und sich dadurch zurückziehen. Trotz Grundgesetz, dass kein Mensch nach seiner Herkunft, Geschlecht, Religionszugehörigkeit beurteilt und benachteiligt werden darf, sind das Argumente für fehlende Einstellungen in den Betrieben. Denn sehr wohl macht es etwas aus, wo ein Bürger geboren wurde, welche Hautfarbe er oder sie trägt und welcher Religion der Mensch zugehörig ist.

Verstecken keine Option

Lösungen: Sich zu verstecken ist und darf keine Option sein. Über karitative Organisationen ist ein Sprachkurs möglich, häufig wird dieser auch über die Arbeitsagentur angeboten. Beratungsabende von kirchlichen oder kommunalen Trägern wahrnehmen, die mit Übersetzern wichtige Informationen vermitteln, wie ein Einwanderer Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt erhält. Die Berufsberatung vermittelt Bewerbungskurse. Darin lernen zugezogene Bürger, wie eine Bewerbung aufgebaut ist, wie ein Curriculum zu erstellen ist und wie man potenzielle Unternehmen von sich überzeugt.

Wer über einen Schul- oder/und Berufsabschluss in seiner Heimat verfügt, sollte unbedingt beim Jobcenter eine Gleichwertigkeitsprüfung durchführen lassen, um den Abschluss anerkennen zu lassen. Die Programme „Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen“ und „Early Intervention“ ermöglichen die Qualifikationsfilterung, um die Stärken eines jeden Bürgers aus dem Ausland herauszufinden und danach Stellen zu suchen.

Kreative Lösungen

Wer der deutschen Sprache mächtig ist, kann durch einen indivudellen Flyer auf sich aufmerksam machen. Dabei handelt es sich um eine kreative Lösung, für sich persönlich als Arbeitnehmer zu werben.

Tipp für Arbeitgeber: In Baden Württemberg gibt es das Projekt „Azubi statt ungelernt – mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund ausbilden„. Dort erhalten Arbeitgeber Fördergelder. In allen weiteren Bundesländern gibt es ähnliche geförderte Projekte. (pc/ms)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...