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Erwerbsquoten der inländischen (43 %) und ausländischen (70,8 %) Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1970.

Friedrich Heckmann, Die Bundesrepublik als Einwanderungsland?, 1981

Winter-Spendenkampagne

1,8 Millionen Menschen in Syrien neu geflohen

Die Flucht in Syrien hält unvermindert an. UN-Angaben zufolge wurden im laufenden Jahr rund 1,8 Millionen Menschen neu vertrieben. Derweil bittet die Uno-Flüchtlingshilfe um Spenden angesichts der bevorstehenden Winterzeit.

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Ein Flüchtlingslager im Irak © UNHCR / B. Sokol

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind zwischen Januar und September innerhalb Syriens rund 1,8 Millionen Menschen neu vertrieben worden. Die meisten von ihnen seien vor den Kämpfen im Osten des Bürgerkriegslandes geflohen, erklärte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock Anfang dieser Woche vor dem Sicherheitsrat in New York.

Zusätzlich irrten innerhalb Syriens 6,1 Millionen Menschen umher, die bereits seit mehr als einem Jahr auf der Flucht seien. Mehr als fünf Millionen Syrer brachten sich laut den UN vor Gewalt und Terror in Nachbarländern in Sicherheit.

Nothilfekoordinator Lowcock erklärte, dass nach sechseinhalb Jahren Konflikt mehr als 13 Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Mehr als sechs Millionen von ihnen litten besonders stark unter einem Mangel an Lebensmitteln, Trinkwasser, Medikamenten und Unterkünften.

In Syrien kämpfen das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad, Rebellen und Terrorgruppen um die Macht. Hunderttausende Menschen starben in den Kämpfen.

Uno-Flüchtlingshilfe bittet um Spenden

Derweil bittet die Uno-Flüchtlingshilfe um Spenden für Millionen geflohene Menschen im Nahen Osten. Die deutsche Partnerorganisation des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) stellte am Mittwoch in Berlin die Kampagne „Schenken Sie Schutz!“ vor. Bundesweit wird mit Plakaten und Anzeigen auf die Not der Flüchtlinge aufmerksam gemacht. Die bevorstehenden Wintermonate bedeuteten für viele eine zusätzliche Lebensbedrohung, erklärte die Organisation. Benötigt würden vor allem Heizöl, warme Kleidung, Thermodecken, Schutzplanen und Lebensmittel für die Menschen, die in zerstörten Häusern in Syrien und im Irak sowie in Zelten und Notunterkünften in den großen Flüchtlings-Camps im Libanon und in Jordanien leben.

Info: Spendenkonto UNO-Flüchtlingshilfe Sparkasse Köln-Bonn IBAN: DE78 3705 0198 0020 0088 50 BIC: COLSDE33

Für viele Syrer sei dies schon der siebte Winter auf der Flucht, beklagte Geschäftsführer Peter Ruhenstroth-Bauer. Mit der am Mittwoch vorgestellten Kampagne „Schenken Sie Schutz!“ ruft die UNO-Flüchtlingshilfe – die deutsche Partnerorganisation des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) – zur Unterstützung auf. Bundesweit wird mit Plakaten und Anzeigen auf die Situation von Geflüchteten aufmerksam gemacht. Auf den Plakaten sind schützende Hände über Kindern und Frauen zu sehen, die in Flüchtlingslagern leben.

Laut UNHCR benötigen von rund 15 Millionen syrischen und irakischen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen etwa vier Millionen Menschen dringend zusätzliche Hilfen. Weltweit sind nach Angaben des UNHCR mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. (epd/mig)

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3 Kommentare
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  1. Lutz Grubmüller sagt:

    Auf der Balkanroute zeigt Europa sein wahres Gesicht, wenn es um die Aufnahme notleidender Kriegs- und Klimaflüchtlinge geht – Stacheldraht und
    schussbereite Grenzposten, rechtsextreme Regierungen und europaweit
    Fremdenhass und Wohlstandsangst. Jetzt kommen weniger Flüchtling – dieser Eindruck ist trügerisch -es werden zukünftig immer mehr nach Europa kommen, trotz Stacheldraht und der Gefahr auf dem Mittelmeer.
    Längst erschließen Schleuser andere Routen.

  2. FrankUnderwood sagt:

    Die Balkanländer haben Frau Merkel die Drecksarbeit abgenommen und sie kann weiterhin die moralische Instanz spielen.
    Österreichische Autorin schreiben sogar, dass die Bundesregierung hinter den Kulissen an der Schließung mitgearbeitet hat. Wenn das stimmt würde es mich nicht überraschen.
    (Quelle: http://www.focus.de/politik/deutschland/buch-zur-fluechtlingskrise-hat-merkel-oeffentlichkeit-getaeuscht-berlin-soll-fuer-schliessung-der-balkanroute-geworben-haben_id_7672011.html)

    Aber wir sollten ehrlich bleiben.
    Europa schottet sich nicht ab, weil es will sondern, weil es muss.

    Jeder der europäischen Boden betritt hat das Recht auf ein Asylverfahren, egal woher er kommt. Wir prüfen jeden Einzelfall und das ist auch gut so.

    Aber es verbleiben auf der anderen Seite viel zu viele ablehnte Asylbewerber dauerhaft in Europa. Gründe sind z.B. fehlende Pässe, unkooperative Heimatländer oder gesundheitliche Probleme. Obwohl ihr Aufenthalt unberechtigt ist, muss der Staat sie versorgen.

    Ein weiteres Problem ist das gezielte Ansteuern von Europa, durch Geflüchtete, obwohl sie sich während der Flucht bereits in sicheren Zufluchtsstaaten aufhalten. Der Wunsch in Europa Asyl zu bekommen liegt meist nicht in der möglichen sicheren Umgebung, sondern in der vermeintlich besseren, wirtschaftlichen Perspektive.

    Europa muss seine Grenzen leider dicht machen und schon außerhalb des Kontinents die Möglichkeit bieten Asyl zu beantragen.
    Konfliktursachen müssen bekämpft werden durch militärisches Engagement und einer Handelspolitik, die die Staaten der dritten Welt aus ihrer Bittstellerrolle herausholt. Staaten, die z.B. hauptsächlich Rohstoffe und kaum Industrieprodukte produzieren, müssen bessergestellt werden durch faire Handelsverträge.
    Geflüchteten mit subsidiären Schutz muss von Anfang an deutlich gemacht werden, dass ihr Aufenthalt in Deutschland endlich ist. Konfliktende muss Heimreise mit Aufbau einer Perspektive vor Ort bedeuten.

    Aktuell ist unser Asylrecht ein heimliches Einwanderungsrecht. Jeder, der es irgendwie schafft nicht abgeschoben zu werden, kann nach jahrelanger Unsicherheit einen Aufenthaltstitel bekommen.
    Europa braucht ein einheitliches Einwanderungsrecht mit klarem Konzept. Europa muss sich endlich die Einwanderer aussuchen und nicht umgekehrt.

  3. Otto W sagt:

    @FrankUnderwood
    So true….



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