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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Mexiko nach dem Erdbeben

Verzweifelte Suche nach verschütteten Kindern

Nach dem Erdbeben in Mexiko versuchen Hunderte freiwillige Helfer, Menschen aus den Trümmern zu retten. Mehr als 50 Gebäude in der Hauptstadt sind eingestürzt. Eine Welle der Solidarität spendet der Stadt Trost.

Erdbeben, Mexiko, Trümmer, Häuser, Menschen, Naturkatastrophe
Nach dem Erdbeben in Mexiko-City © YouTube

VONSusann Kreutzmann

DATUM21. September 2017

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RESSORTAktuell, Ausland

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Es ist später Vormittag, als am Dienstag in Mexiko-Stadt minutenlang die Sirenen heulen. Büroangestellte, Verkäuferinnen und Bankmitarbeiter strömen auf den Boulevard Reforma im Herzen der Hauptstadt zu den markierten Sammelpunkten. Von Panik ist nichts zu spüren: Die Menschen wissen, dass es sich um eine regelmäßige Erdbebenübung des mexikanischen Katastrophenschutzes handelt. Sie schwatzen, manche von ihnen haben sogar noch ihren Kaffeebecher in der Hand.

Nur wenige Stunden später wird aus der Übung schreckliche Realität. Genau am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 mit rund 10.000 Toten kommt es wieder zu heftigen Erdstößen. Rund 50 Gebäude in Mexiko-Stadt und in den angrenzenden Bundesstaaten Puebla und Morelos fallen in sich zusammen. Bislang gehen die Behörden von rund 250 Toten aus, aber die Zahl wird weiter steigen. Mehr als 700 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Immer mehr Helfer

Besonders hart getroffen ist das Stadtzentrum der 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole. Menschen laufen weinend und in Panik auf die Straße. Der Verkehr kommt völlig zum Erliegen. Überall riecht es nach Staub und Rauch. Doch die Anwohner stehen zusammen.

Sofort finden sich Dutzende Freiwillige, die zu einem eingestürzten Gebäude eilen und versuchen, mit bloßen Händen Mauerteile anzuheben. Unter der Hauswand könnten Verschüttete liegen. Der Schutt wird auf eilig herbeigeschaffte Einkaufswagen eines nahe gelegenen Supermarktes geladen und weggeschafft. Immer mehr Helfer schließen sich an.

Der gleiche Alptraum wie 1985

Der 67-jährige Bernardo Bruce hat nur Bermudas und Sandalen an, sein Arm ist verbunden. Er zeigt in die Luft, dorthin, wo einmal seine Wohnung lag. In letzter Minute konnten sich der Rentner und seine Frau Guadalupe aus dem Gebäude retten. „Es ist der gleiche Alptraum wie 1985“, sagt eine andere Bewohnerin fassungslos.

In der Ferne sind die Sirenen der Krankenwagen zu hören. „Macht den Weg frei, wir brauchen eine Gasse“, ruft einer Helfer. Sofort laufen ein paar Männer herbei und versuchen, parkende Autos beiseite zu heben. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes, von denen mehr als 500 sofort im Einsatz sind, bittet die umstehenden Menschen, Decken, Wasser und Verbandsmaterial vorbeizubringen. Unter freiem Himmel wurde ein Notlazarett errichtet. Über Radio ruft der Katastrophenschutz die Menschen auf, nicht zu rauchen. Wegen geborstener Gasleitungen besteht Explosionsgefahr.

Dramatische Lage

In einer Ansprache fordert Staatspräsident Enrique Peña Nieto die Menschen auf, in diesen schweren Stunden zusammenzustehen. „Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnenbleibt, um die Straßen für Krankenwagen frei zu halten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern“, sagte er in einer Videobotschaft.

Der Präsident eilt in den südöstlichen Stadtteil Coapa, wo eine eingestürzte Grundschule Kinder und Lehrer unter sich begraben hat. Die Lage ist dramatisch. Mit Taschenlampen arbeiten sich die Retter durch den Schutthaufen. Der kleine Victor wird von den Helfern über einen Schlauch mit Sauerstoff versorgt, wie TV-Sender berichten.

Verzweifelte Eltern vor Trümmern

Auch mit einer Lehrerin, die noch ein Mädchen bei sich hat, haben die Rettungskräfte Kontakt aufgenommen. Elf Kinder konnten schon gerettet werden. Vor den Trümmern warten aber noch verzweifelte Eltern. Viele von ihnen haben schon schreckliche Gewissheit: 20 Kinder sind tot, etwa 40 werden noch vermisst.

Das Erdbeben der Stärke 7,1 erschütterte Mexiko am Dienstag gegen 13.15 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag bei Axochiapan im Bundesstaat Puebla, rund 120 Kilometer südöstlich von Mexiko-Stadt. Erst vor zwei Wochen waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen umgekommen. Es handelte sich dabei um den stärksten Erdstoß seit 100 Jahren. Das Zentrum lag allerdings im Pazifik und war in Mexiko-Stadt deshalb nicht so stark zu spüren. Es gab jedoch weit über tausend Nachbeben, die das mexikanische Erdbebeninstitut registrierte. Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen. (epd/mig)

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