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Migration und Integration in Deutschland

Wenn die deutsche Gesellschaft die Muslime toleriert, hat das noch nichts mit Gleichberechtigung zu tun.

Prof. Dr. Hans-Peter Großhans, MiGAZIN, 20. Januar 2010

Gründe und Motive

Vom kleinen Glück zum großen Verlust: Glückspielsucht unter Migranten

Fast jeder zweite Spielsüchtige hat hierzulande einen Migrationshintergrund. Die Gründe und Motive zum Spielen sind vielfältig, die Inanspruchnahme von Hilfe und der Ausstieg sind nicht so einfach.

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Wettbüro © surfvienna.net auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Kleiner Gewinn oder hoher Verlust, für einen Spielsüchtigen gibt es immer einen Grund, nicht aufzuhören. Was sind schon 2 Euro, wenn beim nächsten Einwurf 200 oder 2.000 Euro gewonnen werden können? Doch die Sehnsucht nach dem großen Gewinn ist nicht der einzige Grund, weshalb die Spielsucht in Deutschland speziell für Migranten zu einem anwachsenden Problem geworden ist.

Zahl der Migranten unter Spielsüchtigen ist auffällig hoch

Dass Migranten in Deutschland stärker als andere Mitbürger dem Risiko ausgesetzt sind, spielsüchtig zu werden, belegen die offiziellen Zahlen. Etwa 40 bis 55 % der Spielsüchtigen haben hierzulande einen Migrationshintergrund. Wie bei jeder Statistik zum Thema Sucht ist allerdings davon auszugehen, dass eine hohe Dunkelziffer existiert.

Speziell Männer mit arabischen oder türkischen Wurzeln sind bedroht. Fragt man nach den Gründen, hat man den Eindruck, die Geschichten ähneln sich: von innerer Leere und äußerer Einsamkeit ist da die Rede. Von dem Wunsch, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Von der wohltuenden Freundlichkeit, mit der man als regelmäßiger Spielergast begrüßt und bedient wird. Und von der Möglichkeit, die eigenen Probleme durch einen wiederholbaren Adrenalinstoß zu vergessen.

Gründe und Motive für die erhöhte Suchanfälligkeit von Migranten

Für Migranten ergibt sich ein hohes Einstiegsrisiko in die Glücksspielsucht, wenn sie zum Spielen einen Ort aufsuchen, an dem sie mit Menschen, die ihre Erfahrungen, ihre Sprache und Lebenseinstellungen teilen, zusammenkommen. Speziell in den Spielos und Wettbüros geht es eher zwanglos zu. Man trifft sich, erhält kostenlos Kaffee und zuweilen ein paar Snacks dazu, man plaudert und spielt. Anfangs sind es nur ein paar Münzen, die in den Automaten wandern. Ein kurzer Adrenalinkick, dann entscheidet sich, warum es weitergeht. Weil man gewonnen hat und hofft, dem Automaten noch mal ein Schnippchen zu schlagen. Weil man kurz davor ist, zu gewinnen. Oder weil man verloren hat und sich den Verlustbetrag zurückerobern möchte. Eine Ausrede findet sich immer.

Zu den tatsächlichen Gründen und Motiven, die das Risiko erhöhen, glückspielsüchtig zu werden, gehören laut Experten

  • der Wunsch, Probleme zu verdrängen;
  • gesellschaftliche Isolation und die Sehnsucht, Teil einer Gemeinschaft zu sein;
  • erhöhte Risikofreudigkeit;
  • das Verlangen nach Abwechslung und Spannung;
  • das Gefühl, willkommen zu sein, jedenfalls so lange, wie das Portemonnaie noch halbwegs gefüllt ist.

Hilfsangebote für glücksspielsüchtige Migranten

So „tough“ sich einige auch geben mögen, speziell für muslimische Migranten stellt die Spielsucht einen Verstoß gegen religiöse Regeln dar, denn das Glücksspiel ist im Islam verboten. Umso schwerer fällt es gläubigen Muslimen daher, sich ihrer Familie zu offenbaren und/oder professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Doch selbst wenn sie dies wollten, es fehlt an spezifischen Hilfsangeboten. Theoretisch sind Selbsthilfegruppen und therapeutische Angebote zwar allen zugänglich, praktisch stellt es aber schon eine Hürde dar, sie ausfindig zu machen und anzunehmen, wenn die Sprachkenntnisse nicht ausreichen oder wenn die eigene Familie Spielsucht als ein Verbrechen betrachtet.

Doch zeigen sich immerhin erste Ansätze, Beratungsangebote an dieser besonderen „Bedarfsgemeinschaft“ auszurichten. So gibt es in Großstädten wie Hamburg und Berlin bereits Suchtberater, die aufgrund ihres eigenen Migrationshintergrundes Spielsüchtige ohne deutschen Pass gezielter ansprechen können. Und die „Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern“ hat ihr Informations- und Beratungsportal immerhin in acht Sprachen übersetzen lassen, darunter Türkisch und Arabisch. Deutsch- und Türkischsprachige können hier zudem an einem Onlineprogramm teilnehmen, das ihnen helfen soll, einen Weg aus der Spielsucht zu finden.

Neues Risikopotenzial durch den Boom von Online Spielos

Allerdings – gerade im Internet droht eine neue Gefahr für Spielsüchtige, die nicht zu unterschätzen ist. Denn die Zahl der Online Spielos und Glücksspiele boomt. Der Verdrängungswettbewerb führt dazu, dass sich die Anbieter mit Willkommensgeschenken und Bonuszahlungen für Neukunden überschlagen. Hinzu kommt, dass der Kunde sich zwar registrieren muss, letztlich aber völlig anonym auftreten und per Mausklick bezahlen kann – was die Hemmschwelle erheblich senkt. Gerade für Spielsüchtige nimmt die Verführung also zu – und das 24 Stunden am Tag. (pc)

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