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Studie

Mehrheit der Wähler lehnt Populismus ab

Mit populistischen Positionen haben Parteien in Deutschland weniger Chancen bei den Wählern als in den USA. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung kostet ein Einschwenken auf einen populistischen Kurs sogar Wählerstimmen.

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Populismus © MiG

Populismus ist in Deutschland offenbar nicht mehrheitsfähig. Zwar ist knapp ein Drittel (30 Prozent) aller Wahlberechtigten einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge populistisch eingestellt. Die Mehrheit der deutschen Wähler lehne jedoch populistische Positionen ab (knapp 37 Prozent) oder stimme ihnen nur teilweise zu (knapp 34 Prozent), teilte die Stiftung am Dienstag in Gütersloh mit. Zudem lehnten Sympathisanten des Populismus weder den Staat noch die Europäische Union in der Regel grundsätzlich ab.

Kritik am Establishment sei unter Populisten in Deutschland wesentlich schwächer als etwa in Frankreich oder in den USA, erklärte die Stiftung. So befürworten mehr als zwei Drittel (69 Prozent) der populistisch eingestellten Wähler in Deutschland die Mitgliedschaft in der EU, 85 Prozent unterstützen die Demokratie als politisches System. Jedoch kritisieren mehr als drei Viertel (79 Prozent) von ihnen, dass die EU-Integration zu weit gegangen sei, und eine knappe Mehrheit (52 Prozent) ist mit dem Funktionieren der Demokratie in Deutschland „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ zufrieden.

Mit populistischer Systemkritik können Parteien laut der Studie in Deutschland allerdings kaum Anhänger gewinnen. Je zugespitzter und systemkritischer die Positionen zu Sachthemen seien, desto stärker sinke die Zustimmung bei der Wählerschaft, erklärte die Bertelsmann Stiftung. Mit Forderungen nach Abschiebungen von wesentlich mehr Flüchtlingen lassen sich der Studie zufolge vor allem Anhänger der AfD mobilisieren.

CDU- und Grüne-Wähler am unpopulistischsten

Demnach haben die CDU und die Grünen die unpopulistischsten Wähler. Bei den nicht-populistischen Wählern erreicht die CDU einen Anteil von bis zu 60 Prozent. SPD und Linkspartei sind bei unpopulistischen und populistischen Wählern in etwa gleich stark vertreten.

Von einer „Stunde der Populisten“ sei das politische Klima vor der Bundestagswahl weit entfernt, erklärte der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. „Populisten in Deutschland sind häufig enttäuschte Demokraten, aber keine radikalen Feinde der Demokratie“, sagte der Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung, Robert Vehrkamp, einer der Autoren der Studie.

Populismus wirkt bei Geringverdienern

Populismus ist demnach überwiegend für Menschen mit geringerem Einkommen und Bildung attraktiv. Bei Menschen, die maximal einen Hauptschulabschluss haben oder weniger als 1.500 Euro verdienen, teilten 38 Prozent beziehungsweise 42 Prozent populistische Einstellungen, hieß es. Unter Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife sind der Studie zufolge lediglich 14 Prozent für Populismus empfänglich.

Für die Studie „Die Stunde der Populisten?“ befragte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap zwischen Juli 2015 und März 2017 in drei Umfragen jeweils mehr als 1.600 Wahlberechtigte zu ihren politischen Einstellungen. Als populistisch eingestellt gelten laut Studie Menschen, die sich im Fragebogen zu mehreren Themen vollständig antipluralistisch und gegen das Establishment bekannten. (epd/mig)

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