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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Nebenan

Krieg den deutschen Zuständen! Allerdings!

„[Deutschland] ist ein extremes Land, mit großen regionalen Unterschieden […]. Auch die Bandbreite zwischen wunderbaren Menschen und Vollidioten scheint mir nirgendwo größer.“ – (TV-)Koch Vincent Klink

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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, bearb. MiG

VONSven Bensmann

Sven Bensmann (geb. 1983 bei Osnabrück) hat Philosophie, mittlere und neuere Geschichte, sowie europäische Ethnologie in Kiel studiert und einige Jahre von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ein politisches Blog betrieben.

DATUM18. Juli 2017

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RESSORTAktuell, Meinung

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Inmitten der fortlaufenden Kampagne von rechts, alles Linke an sich zu diskreditieren – diesmal anhand der G20-Proteste, bei denen massive Gewalt und fehlende Bereitschaft zum Dialog dazu führten, dass auch einfache Bürger (sei es nun der ominöse „schwarze Block“ oder ganz einfach frustrierte Plünderer in deren Windschatten) zur Gewalt griffen und die Dialogbereitschaft einstellten – hat die extreme Rechte nun die Gunst der Stunde genutzt, um ohne große Aufregung die Spirale der Asozialität weiterzudrehen:

So wird kleinlaut berichtet, dass die sogenannte „identitäre Bewegung“ – eine Art „schwarzer Block“ für die von der Evolution Übersehenen – im Mittelmeer gemeinsame Sache mit Terroristen und Schleppern machen will. Dazu ist von dieser öffentlich verlautbart worden, man wolle Flüchtlingsboote aufbringen und mithilfe einer libyschen sogenannten „Küstenwache“ – Marodeuren eines im Bürgerkrieg zerfallenen „Schurkenstaats“ – diese Flüchtlinge wieder dem nordafrikanischen Schleppermarkt zuführen. Ob eine Gewinnbeteiligung angedacht ist, wurde bisher nicht vermeldet.

Ebenso fehlen bisher Informationen, ob die identitätslosen Nazipiraten von den Libyern in paramilitärischen Taktiken, Folter und Missbrauch ausgebildet wurden, oder ob die Jugend an einer deutschen Sonderschule und ein paar Jahre für den deutschen Verfassungsschutz ausreichend sind. So oder so sind es wohl nur noch Wochen, bis Meldungen über ein schwimmendes deutsches Guantanamo im Mittelmeer auftauchen. Und dass der deutsche Staat auf die eine oder andere Weise für das Boot mitbezahlt hat, kann wohl nicht erst seit den Enthüllungen zum NSU vorausgesetzt werden – und immerhin handeln die Piraten ja auch ganz im Sinne der christlichen Union im Bundestag.

Da der G20-Gipfel mal wieder keinerlei politisches Ergebnis außer der Errichtung eines Polizeistaates auf Zeit, in dem demokratische Grundrechte weitgehend außer Kraft gesetzt wurden, gebracht hat, muss die Rechte also froh sein, dass dieser die gewünschte – und berechtigte – Reaktion hervorgerufen hat. Die Suche nach einem linken Sündenbock erlaubt es Merkel und ihren Schergen schließlich, sich nicht zur menschenverachtenden Aktion „Defend Europe“ und den Parallelen zu ihren Deals mit Gaddafi und Erdogan äußern zu müssen.

Vor fast 150 Jahren erklärte Nietzsche den Deutschen, dass es sie kennzeichne, dass bei ihnen die Frage „was ist deutsch?“ niemals aussterbe. Vor 80, 90 Jahren wurde diese Frage schon einmal so überbetont auch auf der politischen Ebene gestellt, wie heute. Wie kommt es, dass die Antwort stets so außerordentlich asozial ist? Ist das vielleicht die deutsche Identität?

Hans-Werner Sinn, dieser Demagoge des Asozialen, hat vor ein paar Jahren in einem Buch gefragt, was auch andere am rechten Rand fragen: „Ist Deutschland noch zu retten?“.

Gegenfrage: Wenn das die deutsche Identität ist, ist Deutschland dann überhaupt wert, gerettet zu werden? Und was sagt es über Deutschland aus, wenn unpolitische Holsteiner erklären, sie wären viel lieber Süddänen als Norddeutsche – wenn nicht, dass Identität etwas anderes ist, als die Zugehörigkeit zu einem ominösen Gebilde unterschiedlichster Menschen innerhalb eines willkürlich gezogenen Territoriums, die noch vor tausend Jahren frei in Europa migrierten? – und dass, wer auch immer auf dieses Gebilde rekurrieren muss, um eine Identität zu haben, nicht auf ein Schiff sondern in eine Therapiegruppe gehört?

Auf so einem Schiffchen kann nämlich allerhand passieren, wenn man aneinander gerät und keinen Rückzugsraum hat…

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4 Kommentare
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  1. Schweizerin sagt:

    Man soll nicht solche starken Sprüche machen. Man weiß nie, wer eines Tages durch den Schlot gejagt und wer nicht. Darum: Mehr Mäßigung im Urteil.

  2. Realist sagt:

    @Schweizerin Das ist natürlich richtig. Es bringt nichts, Antipathien zu schüren. Wer hat schon zu 100% in allem recht? Das gilt für alle.

  3. Mithrandir sagt:

    Ich frage mich ja schon lange, wann Herr Bensmann endlich seinen deutschen Pass abgibt, zum Beispiel durch eine Heirat mit einer Irakerin oder so. Das macht er aber nicht. Ist er also doch so gerne Deutscher, mit allem, was so dazugehört? Seine Art zu Schreiben und zu Urteilen allerdings ist so überdeutsch, ja, deutscher geht es eigentlich nicht mehr. Mann verzeihe mir das Wort, aber das ist der weltbekannte, weit geführchtete deutsche Besserwisser mit dem deutsch-deutschen Zeigefinger. Der Deutsche kann gar nicht anders, auch wenn er so undeutsch wie nochwas sein will. Wenn also selbst die Richter der Deutschen so deutsch bis zum Abwinken sind, wie sollte sich da was ändern? Ah, verstehe, durch möglichst viel Multikultur aussenrum soll das eigene deutsche Deutschtum ihm selbst nicht mehr ganz so deutsch auffallen. Weil die anderen so cool undeutsch sind.
    Prost!
    P.s. bin kein Deutscher
    pps. in der Tat mag ich gewisse Aspekte der deutsche Mentalität, vor allem der norddeutsch-preussischen, nicht so gerne. Als ob die alle einen Stock im A. haben. Haufenweise Ausnahmen bestätigen aber die Regel. Ich wohne in Süddeutschland, hier ist es anders.

  4. Glückseis sagt:

    Subversive Texte können ja ganz interessant sein, nur bleiben die Texte von Bensmann zu weit unter einem gewissen Niveau, als dass man zum darüber nachdenken angeregt werden könnte, geschweige denn eine Dikussion über den Inalt ermöglichen. Schlechte Recherche, zu einseitiges Weltbild, unreflektierte Feindbilder und das durchscheinen eines ziemlich dumpfen und tiefsitzenden Frusts, der immer wieder einen zu leicht zu durchschauende Provokation sucht.



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