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Umfrage

Studiengebühren für ausländische Studierende ist Schuss in den Ofen

Deutschland befindet sich in einem weltweiten Wettbewerb um die klugsten Köpfe. Hierbei spielt die Bezahlbarkeit des Auslandsstudiums eine entscheidende Rolle. Dennoch führen einzelne Bundesländer Studiengebühren für Ausländer ein. Ein Schuss in den Ofen. Von Konstantin Stamm

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Studenten © j.o.h.n. walker auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

VONKonstantin Stamm

Konstantin Stamm ist Doktorand an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und promoviert zu Geschichtsbildern und politischen Einstellungen von jungen Erwachsenen. Angestellt ist er am Institut für Geschichtsdidaktik.

DATUM5. Juli 2017

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RESSORTAktuell, Meinung

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Deutsche Universitäten werden zunehmend beliebter bei Studierenden aus dem Ausland. Sie sind Anziehungspunkt für gut ausgebildete Migranten: ob aus dem inner-europäischen Raum, Asien oder amerikanischen Landen. Noch nie war Deutschland als Bildungsort bei internationalen Migranten von größerer Popularität. Die Zahl der ausländischen Studierenden an deutschen Hochschulen hat sich seit 1991 verdreifacht, ihr Anteil macht inzwischen 12,5 Prozent aus.

Doch diese Entwicklung ist bedroht. Baden-Württemberg hat kürzlich Studiengebühren eingeführt für Personen aus Nicht-EU-Ländern. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen hat ein ähnliches Modell in seinen Koalitionsvertrag geschrieben. Beraubt sich Deutschland damit seiner Zukunft als Ort von Innovationen?

Qual der Wahl

Internationale Studierende haben die Qual der Wahl bei der Auswahl der richtigen Hochschule. Hierbei spielen eine Reihe von Faktoren eine Rolle. Welche das sind, wurde 2016 im Rahmen einer Masterarbeit im Fach Politikwissenschaften erforscht. Bei der Umfrage nahmen 368 ausländischen Studierenden teil.

Danach ist internationalen Studierenden die Reputation der Universität sehr wichtig. Es überrascht daher nicht, dass die Technische Universität München internationale Studierende in großer Zahl anzieht, während andere Hochschulen kaum eine Einschreibung jener zu verzeichnen haben. Zudem spielt die zukünftige Perspektive in beruflicher Hinsicht eine hervorgehobene Rolle. Auch hier ist der Süd-Western der Bundesrepublik bevorteilt, steht er wirtschaftlich besser da als etwa deren Norden oder Osten.

Kulturelle Gründe und die geografische Lage spielen hinter den beiden erstgenannten Faktoren zwar eine nachgelagerte, dennoch keine unwesentliche Rolle. Deutschlands kulturelles Erbe – Land der Dichter und Denker – wirkt grenzübergreifend für viele anziehend. Besonders die asiatischen Länder fühlen sich durch Europa angezogen. Es verwundert daher nicht, dass Chinesen in großen Zahlen an deutschen Hochschulen zu finden sind.

Zudem ist die zentrale Lage Deutschlands in Europa, seine auch daraus resultierende wirtschaftliche Stellung, von Anziehungskraft für all jene Ausländer, die dessen gute Bildungsstruktur nutzen wollen.

Bezahlbare Bildung

Allerdings erwachsen auch finanzielle Probleme aus der Wahl des Studienortes Deutschland. Haben besonders die Mieten in den Großstädten angezogen, werden manche Entscheidungen gegen Hochschulen getroffen, die zuvor von Interesse waren. München etwa schreckt ab, während Städte wie Dresden und Leipzig in diesem Punkt attraktiv sind.

Kaum eine Rolle spielen überraschenderweise Netzwerk-Effekte. Persönliche Beziehungen zu Personen am Studienort sind bei dessen Auswahl von eher untergeordneter Rolle. Noch geringer in ihrer Bedeutung ist die politische Situation am Zielort. Wahrscheinlich gilt hier: Deutschland ist im Allgemeinen ein Land mit hoher Wertschätzung von Menschen- und Bürgerrechten und daher ist es wohl nicht so wichtig, ob jemand im CSU-regierten Bayern studiert oder im links-geprägten Berlin.

Aus der Umfrage lassen sich also vor allen Dingen zwei Schlüsse ziehen. Möchte Deutschland seine Attraktivität für ausländische Studierende ausbauen, sollte es die Bildungskosten möglichst niedrig halten. Studiengebühren für internationale Studenten einzuführen, ist nicht das richtige Mittel, eher ein bildungspolitischer Schuss in den Ofen.

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2 Kommentare
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  1. Schoen sagt:

    Ich finde Studiengebühren für ausländische Studierende richtig und gut. Die Universitäten in unserem Land wurden und werden mit unseren Steuergeldern ausgebaut, zu dem die ausländische Studenten oder deren Eltern mit nichts beigetragen haben. Die Gebühren sind moderat und bezahlbar.
    Außerdem wenn sie fertig mit ihrem Studium sind sollen diese Studenten zurück in ihren Ländern und die dortige Infrastruktur aufbauen helfen. Die meisten die zu uns kommen, sind junge Menschen aus arabischen, asiatischen, südamerikanischen und afrikanische… Ländern, Ländern die den Aufschwung und Arbeitsplätze bitter benötigen.

  2. Ochljuff sagt:

    @Schoen: So ein Unsinn.

    Seit wann ist das Steueraufkommen der Eltern ein Grund für den Zugang von Bildung? Soll Bildung nur nach richtiger Abstammung vermittelt werden?

    Ökonomisch gesehen rentiert sich für Deutschland das Studium ausländischer Studierender, wenn nur 30% fünf Jahre lang in Deutschland bleiben (selbst für die öffentliche Hand, für die Wirtschaft bereits vorher). Das lässt sich in der Studie der Prognos AG nachlesen. Wenn die Absolvent*innen länger bleiben, springt ein Gewinn dabei raus – für die öffentliche Hand! Weniger Studierende heißt aber auch: weniger Geld für das deutsche Steuersystem (on the long run).

    Wenn „die Studierenden“ in „ihre“ Länder zurückgehen, ist Bildung nachweisbar auch mit die beste Entwicklungshilfe. Das Ziel wird leider immer weniger von der deutschen Politik verfolgt. Aber auch hier: soll keine effektive Entwicklungshilfe mehr geleistet werden? Werden deshalb die Barrieren hochgelegt?

    Was das ganze für die Internationalisierung der Hochschulen/Wissenschaft heißt, lässt sich dazu noch gar nicht erahnen. Viele Deutsche kommen dementprechend weniger mit ausl. Lehr-, Lern-, Wissenschafts- und Gesellschaftsstrukturen in Kontakt, die deutsche Art zu denken wird weniger verbreitet auf Verständnis in der Welt stoßen, wenn sie weniger Personen kennen und schätzen gelernt haben.

    Alles in allem: ein Schuss ins Knie (oder in den Ofen), um kurzfristig Länderfinanzen zu schon, auf Kosten der Zukunft. Selbst die FDP schrieb ja (vor den Wahlen in NRW), dass sie die diskriminierenden gebühren ablehnen (nach der Wahl ist halt nicht vor der Wahl). Hier sollte tatsächlich drüber nachgedacht werden, ob diese unsägliche Politik den Ländern nicht entzogen und in die Verantwortung des Bundes gelegt wird, der sich mit Integration offensichtlich besser auskennt.



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