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Nur wenige afrikanische Migranten kommen nach Europa

Es gibt zahlreiche Vorurteile über Migration aus Afrika. Migrationsexperte Schraven räumt auf: Nur jeder dritte afrikanische Migrant verlässt das Kontinent und die meisten ziehen nicht aus Armut weg

Nur ein geringer Teil afrikanischer Migranten kommt nach Europa. „Laut den UN leben zwei Drittel der afrikanischen Migranten in anderen afrikanischen Ländern und nur ein Drittel in anderen Teilen der Welt“, sagte Benjamin Schraven vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik dem Evangelischen Pressedienst. In den vergangenen Jahren habe die Migration von Afrika nach Europa zwar deutlich zugenommen. „Aber selbst wenn sie weiter zunähme, wäre die Binnenmigration innerhalb des Kontinents noch immer um einiges größer“, betonte der Migrationsexperte.

Es werde oft angenommen, Armut sei die häufigste Migrationsursache in Afrika. Doch das Gegenteil sei der Fall: „Armut verhindert vielmehr Migration“, erklärte der Sozialwissenschaftler. „Denn wer auswandern will, vor allem über größere Distanzen hinweg, braucht dafür Ressourcen.“ Aus Geldmangel machten sich deutlich mehr Menschen innerhalb des afrikanischen Kontinents auf den Weg.

Welche Länder als Auswanderungsziel besonders beliebt seien, könne sich schnell ändern und Trends manchmal sogar ins Gegenteil verkehren: „Lange Zeit gingen etwa viele Menschen in die Elfenbeinküste, aufgrund des Bürgerkriegs verließen aber auch wieder viele das Land.“

Saisonale Arbeitsmigration und Bildungsmigration

Die Gründe für die Migration innerhalb des Kontinents seien sehr unterschiedlich. Natürlich flüchteten die Menschen auch dort vor Krieg und Gewalt. „Aber saisonale Arbeitsmigration und Bildungsmigration sind weit verbreitet“, sagte Schraven. Oft wanderten nicht etwa ganze Familien aus, sondern nur einzelne Familienmitglieder in umliegende Länder. Außerdem blieben sie meist nur für eine begrenzte Zeit dort oder kehrten immer mal wieder in ihre Heimat zurück. Migration sei für arme Familien, die hungerten, von großer Bedeutung: „Wer in der Lage dazu ist, schickt seinen Angehörigen Geld und materielle Güter.“

Ähnlich wie die EU-Mitgliedsstaaten unterschieden sich auch die afrikanischen Länder im Umgang mit Flüchtlingen, erklärte Schraven. Uganda gelte etwa als ein sehr positives Beispiel. Vielen Flüchtlingen dort werde Land angeboten, auf dem sie selber Landwirtschaft betreiben könnten, um ihre Waren auf den lokalen Märkten zu verkaufen. „Das ist in anderen Ländern nicht unbedingt der Fall.“ Dort müssten die Flüchtlinge zum Teil in Camps leben. (epd/mig)