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Migration und Integration in Deutschland

Warum werden sie hineingelassen? Um die Bürger des Staates von harter und unangenehmer Arbeit zu befreien?

Michael Walzer, Sphären der Gerechtigkeit, 2006

Flüchtlinge

Welche Rolle spielt die Motivation in unserem Leben?

Die Motivation eines Menschen ist abhängig von verschiedenen Bedürfnissen. Den Grundbedürfnissen folgt das Verlangen nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Liebe und Anerkennung. Diese werden bei Flüchtlingen selten gestillt und trotzdem ertragen. Motivationsprobleme sind vorprogrammiert.

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Kind am Meer © saifulmulia @ pixabay.com (CC 0), bearb. MiG

In 2016 haben mehr als 740.000 Menschen Asyl in Deutschland beantragt. Zu Spitzenzeiten wurden in einem Monat über 80.000 Anträge gestellt. Fast 40% der Anträge werden abgelehnt und die Dauer der Bearbeitung dauert mehrere Monate. Wie motivieren sich die Menschen in so einer Situation?

Was ist Motivation?

Motivation ist die Summe der Beweggründe, die zur Handlungsbereitschaft führen, also dem Streben nach Zielen und gewünschten Zielobjekten. Als Quellen der Motivation kann man zwischen sogenannten intrinsischen und extrinsischen Quellen unterscheiden. Die intrinsische Motivation orientieren sich an subjektiven Werten und Idealen und am Spaß an der Sache selbst, während sich die extrinsischen aus den Anforderungen des natürlichen und sozialen Umfeldes orientieren und an der Erwartung konkreter Vorteile und Belohnungen.

Daraus lässt sich ein Kernsatz der Motivation für uns ableiten: Erwartungen bestimmen unser Leben. Im Falle der Flüchtlinge und Asylbewerber ist dies beispielsweise die Erwartung an ein besseres Leben. Die Erwartung an unglaubliche Gewinne und damit ein Leben im Wohlstand ist übrigens auch der Grund bei vielen Menschen dafür, Glücksspiele wie gratis Slot Spiele auszuprobieren.

Welche Rolle spielen Bedürfnisse bei der Motivation?

Das Wort Bedürfnis wird oft synonym für Verlangen, Wunsch oder Anspruch verwendet. Bedürfnisse ergeben sich aus dem Erleben eines Mangels und dem Wunsch, ihn zu beheben. Der US-amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat in den 1950er Jahren ein Modell entwickelt, dass bestimmte Kategorien von Bedürfnissen in eine Hierarchie gliedert. Maslow resümierte, dass Bedürfnisse einer höheren Kategorie nur dann aufkommen, wenn die Bedürfnisse der niederen Ebene weitestgehend befriedigt sind.

Nach Maslow befinden sich die physiologischen Bedürfnisse (Schlaf, Essen, Wärme) auf der untersten Ebene. Darauf folgen die Sicherheitsbedürfnisse (Schutz des eigenen Lebens, Vermeidung von Verletzungen). Danach kommen die sozialen Bedürfnisse (Liebe, Freundschaft, Zusammengehörigkeit), gefolgt von den Individualbedürfnissen (Erfolg, Anerkennung, Wertschätzung). An oberster Stelle steht dann die Selbstverwirklichung.

Wie lässt sich dies auf die aktuelle Flüchtlingssituation anwenden?

Anhand dieses Modells können viele Phänomene der Flüchtlingsproblematik teilweise erklärt werden. Die Flucht aus dem eigenen Land erfolgt oft aufgrund von physiologischen Bedürfnissen und Sicherheitsbedürfnissen. Durch Krieg und Verfolgung ist das eigene und das Leben der Familie in Gefahr und man leidet unter Hunger, Durst, Schlafmangel und Kälte (wenn beispielsweise das eigene Haus zerstört wurde). Dieser Mangel in Verbindung mit der Erwartung an ein besseres Leben in einem anderen Land ist eine starke Motivation dafür, die Gefahren und Mühen einer Flucht auf sich zu nehmen.

Mit Ankunft im Zielland und mit Beginn des Asylprozesses können die physiologischen Bedürfnisse meist befriedigt werden (Unterkunft, Essen, Schlaf). Gleiches gilt im Allgemeinen auch für die grundlegenden Sicherheitsbedürfnisse (Lebensgefahr). Also kommen mehr und mehr die Bedürfnisse der nächsten Schichten zum Tragen: Zugehörigkeit zu einer Gruppe, Liebe und Anerkennung. Genau diese Bedürfnisse führen dann in Verbindung mit der räumlichen Situation und den kulturellen Unterschieden oft zu Konflikten, die wir in Deutschland als aufnehmendes Land oft ungläubig mit Undankbarkeit der Asylanten abwerten, anstatt die Motive zu verstehen. Was weiterhin bleibt ist die Angst vor Abschiebung, die Erwartung von Lebensgefahr und damit wieder das Bedürfnis nach Sicherheit. Dieses Motiv ist dann meist dafür verantwortlich, dass trotz aller Strapazen der langwierige Asylprozess bereitwillig ertragen wird.

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