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"Nicht mit uns"

Kritik an Ditib nach Distanzierung von Anti-Terror-Demo

Unter dem Motto „Nicht mit uns“ wollen Muslime am Samstag in Köln ein Zeichen gegen den Terror setzen. Nicht mit dabei sein wird die in Deutschalnd größte islamische Religionsgemeinschaft Ditib. Dessen Absage erntet parteiübergreifend Kritik – aber auch Verständnis.

Nach der Verkündung seiner Nichtteilnahme an der für Samstag geplanten Anti-Terror-Demonstration in Köln steht die islamische Religionsgemeinschaft Ditib in der Kritik. Bundestagsabgeordnete von Grünen, Union und der SPD äußerten Unverständnis für die Haltung des Verbandes, der nicht an der Kundgebung teilnehmen will. „Wer als Religionsgemeinschaft die Millionen Muslime in Deutschland repräsentieren will, muss auch seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen“, erklärte der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, am Donnerstag in Köln. Die „Türkisch-Islamische Union“ (Ditib) habe sich mit der Absage „als Teil der deutschen Zivilgesellschaft abgemeldet“.

Dass der türkische Verband nicht an der Kundgebung teilnehmen wolle, „spricht leider für sich“, erklärte der Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte. Der Kirchenbeauftragte der Unionsfraktion, Franz-Josef Jung (CDU), erklärte, das Vertrauensverhältnis zu Ditib werde nun einmal mehr erschüttert. „Mit der Nichtteilnahme an der Demonstration stellt sich Ditib ins politische Abseits“, sagte Jung dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchenbeauftragte der SPD-Fraktion, Kerstin Griese findet es schade, dass Ditib die Chance nicht nutze, die Demonstration zu unterstützten.

Buchholz kan Nichtteilnahme nachvollziehen

Christine Buchholz von der Linksfraktion sagte dagegen auf Anfrage, ob Ditib oder andere sich dem Aufruf anschließen, sei deren Entscheidung. Sie könne nachvollziehen, warum ein Teil der Muslime und muslimischen Verbände einem Aufruf nicht folgen wolle, wenn sie sich an anderer Stelle bereits klar gegen den Terror im Namen des Islams ausgesprochen haben, sagte Buchholz, die ebenfalls den Aufruf mit unterzeichnet hat.

Unter dem Motto „Nicht mit uns“ soll die Demonstration laut den zwei Initiatoren, Lamya Kaddor und Tarek Mohamad, ein „mächtiges Zeichen gegen Gewalt und Terror“ setzen. Sie erwarten rund 10.000 Teilnehmer. Der Protest sei nötig, um zu zeigen, dass man sich von den Gewalttätern und ihren Taten nicht vereinnahmen lassen wolle. Aufgerufen zur Teilnahme seien alle Menschen egal welcher Glaubensrichtung.

Ausgangspunkt Rock-Konzert-Veranstalter Lieberberg

Eine Demonstration von Muslimen gefordert hatte erstmals Anfang Juni der Veranstalter von „Rock am Ring“ Marek Lieberberg. Nachdem das Konzert wegen Terrorverdacht unterbrochen werden musste, forderte er in einer umstrittenen Wutrede die Muslime auf, ein Zeichen zu setzen: „Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen die Gewalttäter richten. Ich hab‘ bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?“, hatte Lieberberg gesagt und eine kontroverse Debatte ausgelöst. Kritiker warfen ihm vor, in unzulässiger und pauschaler Weise Muslime in die Pflicht zu nehmen. Sie verwiesen auf zahlreiche Demos und Aktionen von Muslimen gegen den Terror.

Ditib erklärte am Mittwoch, Muslime seien „keine Verhandlungsmasse, die sich nach Belieben hierhin oder dorthin zitieren“ lassen. Im Übrigen hätten sie bereits mehrfach deutlich gemacht, dass „es keine inhaltliche, geistige oder emotionale Nähe der organisierten Muslime zu“ Terroristen gibt. Deshalb werde man an der Demonstration nicht teilnehmen.

Ditib: Demo-Aufforderung ist Schuldzuweisung

Die Wirkung solcher Aktionen sei im Übrigen nicht nachhaltig. „So dauert es erfahrungsgemäß nicht einmal Wochen, bis erneut Aufrufe an die Adresse der Muslime laut werden, sich vom Terror zu distanzieren“, so die Ditib in seiner Erklärung. Forderungen an Muslime, sie sollten demonstrieren, griffen zu kurz und stigmatisierten Muslime. Das sei eine Form der Schuldzuweisung, die die Gesellschaft spalte. Ähnlich hatte sich auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), geäußert.

Der Zentralrat der Muslime (ZMD) in Deutschland bekräftigte seinen Willen zur Teilnahme an der Demonstration. Öffentliche Demonstrationen seien ein geeignetes Mittel, um für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und den Frieden zu kämpfen und den Extremismus zu verurteilen, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek, der derzeit auch Sprecher des Koordinationsrates der Muslime ist. Dem Koordinationsrat gehört auch Ditib an. (epd/mig)