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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Öffentliche Gefahr

Tuğçe-Schläger Sanel M. abgeschoben

Zweieinhalb Jahre nach dem gewaltsamen Tod der Studentin Tuğçe Albayrak in Offenbach wurde der 20-jährige Täter nach Serbien abgeschoben. Von ihm gehe weiter eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit aus.

Auswanderung, Flughafen, Migration, Abwanderung
Abflug am Flughafen © Karl-Martin Skontorp auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM21. April 2017

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RESSORTAktuell, Panorama

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Der wegen des gewaltsamen Todes der Lehramtsstudentin Tuğçe Albayrak verurteilte Sanel M. ist am Donnerstag aus Deutschland abgeschoben worden. Wie die Stadt Wiesbaden mitteilte, wurde der 20-Jährige am Mittag vom Flughafen Frankfurt aus nach Serbien geflogen. Die städtische Ausländerbehörde hatte die Ausweisung angeordnet, nachdem der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel vor vier Wochen eine Beschwerde von Sanel M. gegen seine bevorstehende Abschiebung abgewiesen hatte (AZ: 7 B 409/17).

Die 22-jährige Studentin Tuğçe Albayrak war am 15. November 2014 vor einem Offenbacher Schnellrestaurant von Sanel M. geschlagen worden, besinnungslos auf den Asphalt gestürzt und ins Koma gefallen. Zwei Wochen später starb sie.

Der in Offenbach aufgewachsene Serbe Sanel M. wurde im Juni 2015 vom Landgericht Darmstadt wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt, die er im Gefängnis in Wiesbaden verbüßte. Die städtische Ausländerbehörde lehnte eine Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis ab und setzte ein Verfahren in Gang, um Sanel M. noch vor dem Ablauf seiner regulären Haftzeit abzuschieben.

Gefahr für die öffentliche Sicherheit

Behörde und Verwaltungsgerichte vertraten die Auffassung, dass von Sanel M. weiter eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht. Diesem könne entgegen seiner Einwände zugemutet werden, neue Beziehungen in Serbien zu knüpfen. Es sei nicht ersichtlich, dass seine Eltern nicht in der Lage oder nicht willens wären, ihn dabei insbesondere finanziell zu unterstützen.

Frühestens in acht Jahren kann Sanel M. nach Deutschland zurückkehren. Seine Eltern leben im Rhein-Main-Gebiet, seine Großeltern in Serbien. (epd/mig)

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