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Migration und Integration in Deutschland

Es sei denn, man würde die Lebensverhältnisse der Ausländer in der Bundesrepublik derartig nachhaltig verschlechtern, dass ein Leben am Rande des Existenzminimums in den Herkunftsländern vorteilhafter erschiene.

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“, 1979

US-Studie

Diskriminierung von Religionen wächst weltweit

Die weltweite Diskriminierung von Religionen nimmt einer US-Studie zufolge weiter zu. Auch Europa schneidet im Vorjahresvergleich schlecht ab aufgrund zunehmender Anfeindungen gegenüber Muslimen.

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Die Verbreitungsgebiete der Religionen © andymangold @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Angehörige von Religionen werden einer US-Studie zufolge weltweit zunehmend benachteiligt. In 105 von 198 Nationen hätten im Jahr 2015 bestimmte Glaubensgruppen „weit verbreitete Schikane von der Regierung“ erfahren, erklärte das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center am Dienstag in Washington. 2014 sei dies in 85 Ländern und 2013 in 96 Ländern beobachtet worden.

In Europa habe die Anfeindung von Muslimen zugenommen. 2015 hätten Muslime in 32 europäischen Nationen Feindseligkeit aus der Gesellschaft erfahren, deutlich mehr als 2014 (26 Länder). Jüdische Bürger hatten den Angaben zufolge 2015 in 32 europäischen Ländern und 2014 in 33 Ländern Anfeindung erfahren. Bei der Studie „Global Restrictions of Religion“ wertete das Pew Research Center gesetzliche Veränderungen und staatliche Praktiken sowie Berichte über religiös motivierte gesellschaftliche Konflikte aus.

Die Staaten mit den schwersten staatlichen Restriktionen gegenüber Gläubigen seien Ägypten, China, der Iran, Russland, Usbekistan, Malaysia und Saudi-Arabien. 79 Prozent der Weltbevölkerung lebten in Ländern mit hohem oder sehr hohem Ausmaß an staatlichen Restriktionen für Religionsgruppen oder Anfeindungen. In elf Ländern erfahren laut der Untersuchung bestimmte Religionsgruppen sehr große gesellschaftliche Anfeindung, besonders in Syrien, in Nigeria, im Irak und in Indien. (epd/mig)

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5 Kommentare
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  1. Der Bericht ist nicht falsch, auch die Aussage, dass Feindseligkeit gegen Religionen zugenommen hat, wird wohl stimmen, macht doch PEW nach meinen bisherigen Erkenntnissen seriöse solide Umfragen. Dennoch trifft das Migazin nicht das Ergebnis dieser seit Jahren stattfindenden Umfragen, wenn es sie auf den Vergleich von 2015 mit 2016 beschränkt. Es heißt bei PEW:

    „Government restrictions on religion and social hostilities involving religion increased in 2015 for the first time in three years. Government harassment and use of force surged in Europe, as did social hostilities against Muslims.

    Zum ersten mal in drei Jahren mit abnehmenden Restriktionen: 29, 28, 24 und nun 25 %, also immer noch weniger als 2012. Bei den nichtstaatlichen Feindseligkeiten sieht es ähnlich aus: 33, 27, 23, 27 %. Verglichen mit 2012 wäre die Überschrift falsch.

    2007 lagen beide Werte bei 20 % und haben seither bis 2012 mehr oder weniger monoton zugenommen, die Überschrift wäre wieder richtig. Leider werden diese Aspekte aber nicht thematisiert.

    Noch mehr vermisse ich die Überlegung, ob die Restriktionen oder Feindseligkeiten auf Anlässe zurückgehen und eine gewisse Berechtigung haben. Warum gab es denn die restriktiven zustände vor 20 Jahren noch nicht?

    In den USA hat man m.E. einen Grundrechtefetischismus, der Deutschland und Europa fremd ist. Deswegen darf man die gefährlichsten Waffen kaufen (Milizfreiheit), mit Hakenkreuzen rumlaufen (Meinungsfreiheit) und Gläubige nach Strich und Faden ausbeuten (Religionsfreiheit). Die USA haben auch schon die Religionsfreiheit in Deutschland bedroht gesehen, als man Scientology nicht alles erlaubte.

    Eine Auslegung von Grundrechten mit immanenten Schranken, da wo andere ebenfalls Grundrechte in Anspruch nehmen und unter Berücksichtigung der von der Ausübung ausgehenden Gefahren ist aber eine europäische Position, die sich nicht zu verstecken braucht. Der Satz „keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ ist vielleicht zu generell, aber realistischer als die US-Auslegung. Dabei sind laut Studie die Einschränkungen in beiden Regionen steigend von 2007 auf 2016 in den USA von 1,0 auf 1,7 und in Europa von 1,7 auf 2,7 nach dem PEW-Index. Das ist viel weniger als in Nahost, Nordafrika und Asien.

    Was in den letzten Jahren geschah, um eine Ablehnung von Religionen zu fördern, brauche ich nicht zu erwähnen, es geschieht in der Studie:

    „The global rise in social hostilities reflected a number of factors, including increases in mob violence related to religion, individuals being assaulted or displaced due to their faith, and incidents where violence was used to enforce religious norms. “

    Ein wenig bekannter Grund:

    „And sub-Saharan Africa saw a spread in violence used to enforce religious norms, such as the targeting of people with albinism for rituals by witch doctors. This type of hostility was reported in 25 countries in sub-Saharan Africa in 2015, up from nine countries in 2014.“

    Die Verwendung von Albinos für Hexenrituale wird hier hoffentlich niemand verteidigen, und wenn sie zunimmt, sollten auch die Restriktionen zunehmen. Oder sollte dann die Politik verkünden, dass das alles nichts mit Hexerei zu tun habe, die unter dem Schutz der Religionsfreiheit stehe?

  2. karakal sagt:

    Bei staatlicher Restriktion von Religionsfreiheit in Iran mögen die meisten wohl an nichtmuslimische Minderheiten denken, aber weit gefehlt! Christen und Juden haben ihre Gotteshäuser und eigenen Schulen, ungestörte Religionsausübung und sogar Vertreter im Parlament. Es geht um die sunnitischen Muslime: In der über elf Millionen zählenden Hauptstadt Teheran lebt mindestens eine Million sunnitischer Muslime, es gibt dort jedoch keine einzige sunnitische Moschee, und es besteht bei der Stadtverwaltung Konsens darüber, keine zuzulassen. Daher begeben sich manche sunnitische Muslime zum Freitagsgebet in die Räumlichkeiten der diplomatischen Vertretungen anderer muslimischer Länder, und letzthin wurde der pakistanischen Botschaft untersagt, in ihren Räumen das Festgebet abzuhalten.
    In den Landesteilen mit größeren sunnitischen Minderheiten werden immer wieder deren Moscheen und Schulen zerstört oder geschlossen, historische sunnitische Moscheen in Museen umgewandelt. Manche sunnitische Muslime werden unter der Beschuldigung terroristischer Tätigkeiten, des Drogenschmuggels oder der Verbreitung der wahhabitischen Lehre zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ein Teilnehmer in einem der Internetforen besaß die Unverschämheit, zu einem Bild in Iran erhängter Kurden lügenhafterweise zu behaupten, es handele sich um in Saudi Arabien wegen ihrer Religionsausübung hingerichtete christliche Äthiopier.

  3. Marius Grein sagt:

    Warum wird hier eine seriöse und sehr differenzierte Studie auf eine Schlagzeile verkürzt? Was genau soll das bringen? Hat Erdogan am Ende vielleicht Recht und Europa ist ein verrotteter Nazi-Kontinent…nein, das Gegenteil ist der Fall. Weltweit gesehen lebt man in Europa auf einem exorbitant hohen Niveau was Toleranz und Friedlichkeit betrifft. Orte an denen es weniger Restriktionen gibt, da gibt es auch weniger Multikulti.

    @karakal
    Könnten Sie uns einen Link zu diesem Forum hier veröffentlichen? Danke im voraus.

  4. Chris sagt:

    ich find es lächerlich wenn leute hier Türkei, Iran usw. mit USA und Deutschland vergleichen

    wir sind zivilisierte technologisch fortgeschrittene Staaten die es besser wissen müssten

  5. Tobi sagt:

    Man wird sogar ausgegrenzt auch wenn man christ ist und leute glauben, man sähe aus wie ein Muslim

    ist mir schon sehr oft passiert.

    Wir sprechen hier nicht von Frauen mit kopftuch oder Männern mit bart die mit dem Koran sich irgendwo bewerben

    schon ein ausländischer Name reicht aus



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