MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Die Wirtschaft entschied über die Anzahl der angeworbenen Gastarbeiter wie über deren Verteilung innerhalb der Bundesrepublik.

Ursula Mehrländer, Ausländerpolitik im Konflikt, 1978

"Lasst sie uns herbringen"

EU-Bürger wollen Flüchtlinge mit dem Auto abholen

„Lasst sie uns herbringen“ – unter diesem Motto demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Brüssel für die Umverteilung von Flüchtlingen aus Griechenland. Sollte die EU nicht aktiv werden, wollen die Demonstranten die Menschen mit ihren privaten Pkws in andere EU-Länder bringen.

Demonstration, Auto, Demo, Bruxelles, Brüssel, Flüchtlinge
Die Initiative "Let's Bring Them Here" demonstriert in Brüssel © Let's Bring Them Here

Europäische Bürger haben in Brüssel angeboten, die von der EU beschlossene Umverteilung von Flüchtlingen aus Griechenland mit ihren eigenen Autos teilweise selbst zu übernehmen. Unter dem Motto „Lasst sie uns herbringen“ demonstrierten am Montag nach Schätzungen mehrere Hundert Menschen in Sichtweite der EU-Ratsgebäude. Viele fuhren in Autos umher und zeigten symbolische Nummernschilder, um ihre Bereitschaft zur Beförderung von Flüchtlingen zu demonstrieren. Organisator der Aktion war die gleichnamige Initiative aus den Niederlanden, unterstützt wurde sie unter anderem von Amnesty International und dem Flüchtlingswerk der Niederlande.

Wenn die EU nicht einlenke, sollten Anfang April mehrere Hundert Autos aus ganz Europa bis nach Athen zu fahren, um Flüchtlinge in andere EU-Länder zu bringen, sagte Mitorganisatorin Katinka Simonse dem Evangelischen Pressedienst. Zuvor wolle die Initiative aber ein Gerichtsverfahren am kommenden Mittwoch in Den Haag abwarten. Über den Prozess wolle die Initiative zumindest den niederländischen Staat zwingen, seine Verpflichtungen im Rahmen der Flüchtlingspolitik einzuhalten, sagte die Aktivistin.

„Lasst sie uns herbringen“ beruft sicht auf den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei und die schon zuvor beschlossene Umverteilung von Flüchtlingen in Europa. Im September 2015 hatten die EU-Regierungen die Umverteilung von bis zu 160.000 Migranten aus Griechenland und Italien entschieden. Bis vergangene Woche waren von ihnen nach EU-Angaben erst 13.546 in andere Länder gebracht worden. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

8 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Irene Reindl sagt:

    Diejenigen, die „Flüchtlinge“ mit ihren Autos herbringen wollen, sollen sie dann gefälligst auch zuhause aufnehmen und auf eigene Kosten versorgen. Alles andere ist verlogene Heuchelei, in dem man sich auf Kosten anderer als Bessermensch geriert.

  2. Zoran Trajanovski sagt:

    Dieser Aktion muß unterschtutz sein.
    Es sind Menschen für Menschen bereit etwas in Bewegung zu setzen und denen zu Hilfe zu eilen die es am bitter nötigste haben. Ist das nicht bewundernswert? Ist das nicht rührend?

  3. Pommi Noëbeam sagt:

    Frau Irene Reindl könnte ja dann in die andere Richtung mitfahren und von dann von Griechenland aus dahin wo der Pfeffer wächst.

    Wer sich so über eine wunderbare humanistische Aktion aufregt, hat mit den „christlichen Werten“, die er angeblich verteidigt, nix am Hut.

  4. tabaeus sagt:

    @Pommi

    Irene Reindl hat mit ihrem Kommentar argumentativ dargelegt, warum sie von dieser Idee nichts hält, und ich stimme ihr zu in dem was sie sagt. Menschen mit missliebiger Meinung dahin schicken zu wollen wo der Pfeffer wächst, lässt viele Rückschlüsse über ihre Gesinnung zu. Und genau hier sieht man auch, dass Frau Meindl recht hat.

    Gutmenschen erkennt man daran, dass Sie die einfachste Lösung bevorzugen, da für eine langfristig sinnvolle Lösung dann doch am Ende das Engagement fehlt. Die Flüchtlinge sind in Griechenland sicher und werden verpflegt. Es ist noch kein einziger in Europa verhungert. Akzeptieren Sie dass die Aufnahme dieser Flüchtlinge in Deutschland etc. keine humanistische sondern eine politische ist. Zu behaupten es wäre humanistisch tut man doch nur, weil man allen die das anders lösen wollen einen Maulkorb verpassen will.

  5. […] Dazu ein Artikel der im Migazin erschienen ist: | „Lasst sie uns herbringen“ – unter diesem Motto demonstrierten mehrere Hundert Menschen in Brüssel für die Umverteilung von Flüchtlingen aus Griechenland. Sollte die EU nicht aktiv werden, wollen die Demonstranten die Menschen mit ihren privaten Pkws in andere EU-Länder bringen.“ Mehr dazu im migazin. […]

  6. Josef Özcan sagt:

    Privater Einsatz ist eine mögliche Lösung … je mehr solchen Einsatz es gibt, desto größer die Signalwirkung … es gilt wirksame Zeichen zu setzen …

    Josef Özcan (Diplom Psychologe / http://www.koelnerappell.de)

  7. Hildegard sagt:

    An Frau Irene Reindl:
    Ich bitte Sie inbrünstig, bevor Sie solche unüberlegten Kommentare und Beurteilungen machen: nachdenken, recherchieren! Zurzeit in allein in Niedersachsen (eins von 16 Bundesländer eines EU-Landes!) 27.000 Plätze und Einrichtungen für Geflüchtete frei, die extra und nur für die Menschen erbaut wurden (und seit Monaten leer stehen, aber trotzdem geheizt werden!!), die jetzt in katastrophalsten Bedingungen zum Beispiel in Griechenland und Italien festsitzen und starker Repression von staatlicher Seite ausgesetzt sind! Männer, Frauen, Kinder (!), Familien in Gefängnissen! Und warum? Weil sie einen „falschen“ Pass haben!

  8. Micha W. sagt:

    An Hildegard:
    Ich bitte Sie inbrünstig, bevor Sie solche naiven und falsch informierten Kommentare und Beurteilungen machen: Gar nix, denn ich stelle mich nicht gern über andere Menschen und deren Meinungen, jeder darf und muss sagen was ihm auf der Seele liegt, sonst wird unser Zusammensein ganz schnell unangenehm!

    Die leer stehenden und trotzdem geheizten Unterkünfte können ohne Probleme anderweitig genutzt werden, ich weise Sie auf die Statistiken der Obdachlosen in Deutschland hin.
    Zur Not dreht man eben die Heizung ab. Problem gelöst.

    Wie katastrophal die Bedingungen in Italien und Griechenland sind kann ich nicht beurteilen, ich war noch nicht da und hab mich umgeschaut.
    Ich gehe davon aus, dass die Situation besser ist als die Situation im Herkunftsland der „Flüchtlinge“.

    Wenn das Wort „Flüchtling“ gegen das Wort „Immigrant“ ausgetauscht werden würde, könnte ich dieser Aktion sogar etwas abgewinnen.
    Menschen flüchten nicht über eine Distanz von 3500 Kilometern und setzen sich während der Flucht zusätzlichen gefährlichen Situationen aus.

    Niemand sitzt im Gefängnis weil er einen „falschen Pass“ hat. Menschen sitzen in Gefängnissen weil sie versucht haben ohne gültige Papiere eine Staatsgrenze zu überschreiten.

    Jeder Gast in einem Staat ist starken Repressionen des Gastgeber-Staates ausgesetzt und wird über kurz oder lang des Landes verwiesen. Selbst Staatsbürger sind Repressionen des Staates ausgesetzt.

    Es gibt eine Handvoll möglicher Gründe warum so viele Menschen bei diesem Flüchtlings-Hype mitmachen und nicht alle sind im Sinne der Menschen die in Europa ein glückliches und friedliches Dasein führen.

    Statt den moralischen Hochgrund zu wählen und Mitmenschen Unwissendheit zu unterstellen, bitte ich um Toleranz und Verständnis für gegenwertige Meinungen.

    Jetzt kann man mir ganz einfach das Wort „Nazi“ anheften und sich besser fühlen, oder auf meine Punkte eingehen und mich überzeugen, dass meine jetzige Meinung nicht die beste ist.

    – Leerstehende Einrichtungen können anderweitig genutzt werden
    – Menschen flüchten nicht 3500+ KM
    – Staatsgrenzen existieren (mit gutem Grund) und sind mit Regeln verbunden
    – Jeder Mensch ist Repressionen ausgesetzt
    – Die genaue Situation der Flüchtlingsunterkünfte in Griechenland und Italien ist mir nur durch dritte Berichtet worden mit unterschiedlichen Bewertungen -> Endsituation besser als Ausgangssituation in allen Berichten.
    – eine große Anzahl an Kulturfremden ist eine Belastung (nicht nur finanziell) für eine Gesellschaft
    – Eine destabilisierung einer Helfer-Gesellschaft ist kontra produktiv
    – Europa ist nicht die Antwort für die Probleme in anderen Ländern
    […]

    Dubium sapientiae initium.
    Unehrlichkeit ist abschreckend!



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...