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Verteidigt Deutschland!

„Egal wem ich erzähle, dass ich deutsch bin, ich muss es erklären.“

Haben wir denn wirklich schon verstanden, was hier vor sich geht, wenn das Wort „Rassenschande“ wieder auf den Straßen zu hören ist? 2017 wird Deutschland an der Urne verteidigt! Von Sami Omar

Ich bin nicht abschiebbar. Manche Menschen stört das. Manchmal werde ich aufgefordert, dorthin zurückzukehren, wo ich herkam. Ich glaube, Baden-Württemberg würde mich mit Handkuss zurücknehmen, aber ich will nicht. Das Land meiner Eltern, ist – der Name sagt es – das Land meiner Eltern. Es heißt Eritrea. Ich war noch nie dort. Ich spreche hin und wieder mit Menschen, die von dort kommen. Sie erzählen mir von einem sehr schönen, sehr fremden Land, voller hässlicher Politik und herzlicher Menschen. Ich erzähle von Deutschland. Dem Land der ethnischen Vielfalt und geistigen Einfalt. Dem Land voller guter Ideen und Hilfsbereitschaft. Egal wem ich erzähle, dass ich deutsch bin, ich muss es erklären. Der Polizei zeige ich meinen Ausweis. Dem Kontrolleur meinen Fahrschein. Die Sachbearbeiterin besteche ich mit verwinkelten Sätzen und Futur II. Das macht heute kein Mensch mehr. Futur II ist in seiner Überzeugungskraft so wirksam, wie ein Stammbaum voller Pauls und Annegrets.

Das große Missverständnis ist, dass Hautfarbe, Haarstruktur oder die Form der Augen mit kultureller oder nationaler Zugehörigkeit korrelieren. Die Realität ist, dass es glücklicherweise kein Deutschsein aus einem Guss gibt. Durch die Anerkennung der Vielfalt als gesellschaftliche Realität erhalten auch die ihre Daseinsberechtigung, die eben diese Vielfalt bekämpfen. Ich toleriere, dass Sie Deutschland ihrer Ideologie wegen nicht verlassen müssen. Dass sie vom Deutschen Volk, von deutschem Blut und in diesem Zusammenhang gar von Anstand sprechen. Ich halte aus, dass sie meiner Heimat schaden. Sie fragen meine Kinder, woher sie kommen und weil meine Kinder keine Idioten sind, sagen sie Köln. Gäbe es solche Fragen nicht, wäre ihre Hautfarbe ihre Hautfarbe und weder ein Politikum, noch ein Stigma.

Haben wir denn wirklich schon verstanden, was hier vor sich geht, wenn das Wort „Rassenschande“ wieder auf den Straßen zu hören ist? Wenn sie eine hellhäutige Frau sind (am besten blond) und glauben, nun übertreibe ich aber wirklich – fragen sie einen dunkelhäutigen Mann, ob er mit ihnen U-Bahn fährt. Wir sprechen uns dann!

Ich weiß, dass Deutschland Probleme hat: Armenviertel, No-Go-Areas, Atommüllendlager, der Bachelor. Das sind alles ernstzunehmende Schwierigkeiten. Aber keines davon ist mit demokratischen Mitteln nicht lösbar. Wir Deutschen müssen schlicht wählen gehen. Wir müssen demonstrieren und boykottieren. Es freut mich, wenn die AfD Schwierigkeiten hat einen Ort zu finden, an dem sie ihre Parteitage abhalten kann. Sie wird sich auf die Meinungsfreiheit und die Demokratie berufen, wenn es wieder so weit ist. Und wir sollten das aushalten und wählen gehen. 2017 wird Deutschland an der Urne verteidigt!