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Migration und Integration in Deutschland

Danke, dass Sie gekommen sind, sich mit Ihrem Fleiß und Ihrer Kraft für unser Land eingesetzt haben, und danke, dass Sie geblieben sind.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister, Anlässlich „50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen“, 28.03.11, Hannover

Verteidigt Deutschland!

„Egal wem ich erzähle, dass ich deutsch bin, ich muss es erklären.“

Haben wir denn wirklich schon verstanden, was hier vor sich geht, wenn das Wort „Rassenschande“ wieder auf den Straßen zu hören ist? 2017 wird Deutschland an der Urne verteidigt! Von Sami Omar

Sami Omar, Sami, Omar, MiGAZIN
Sami Omar © privat, bearb. MiG

VONSami Omar

Sami Omar, Jahrgang 1978, wurde im Sudan geboren. Also Sohn eritreischen Eltern kam er 1980 in das schwäbische Ulm/Donau.

DATUM6. März 2017

KOMMENTARE7

RESSORTAktuell, Meinung

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Ich bin nicht abschiebbar. Manche Menschen stört das. Manchmal werde ich aufgefordert, dorthin zurückzukehren, wo ich herkam. Ich glaube, Baden-Württemberg würde mich mit Handkuss zurücknehmen, aber ich will nicht. Das Land meiner Eltern, ist – der Name sagt es – das Land meiner Eltern. Es heißt Eritrea. Ich war noch nie dort. Ich spreche hin und wieder mit Menschen, die von dort kommen. Sie erzählen mir von einem sehr schönen, sehr fremden Land, voller hässlicher Politik und herzlicher Menschen. Ich erzähle von Deutschland. Dem Land der ethnischen Vielfalt und geistigen Einfalt. Dem Land voller guter Ideen und Hilfsbereitschaft. Egal wem ich erzähle, dass ich deutsch bin, ich muss es erklären. Der Polizei zeige ich meinen Ausweis. Dem Kontrolleur meinen Fahrschein. Die Sachbearbeiterin besteche ich mit verwinkelten Sätzen und Futur II. Das macht heute kein Mensch mehr. Futur II ist in seiner Überzeugungskraft so wirksam, wie ein Stammbaum voller Pauls und Annegrets.

Das große Missverständnis ist, dass Hautfarbe, Haarstruktur oder die Form der Augen mit kultureller oder nationaler Zugehörigkeit korrelieren. Die Realität ist, dass es glücklicherweise kein Deutschsein aus einem Guss gibt. Durch die Anerkennung der Vielfalt als gesellschaftliche Realität erhalten auch die ihre Daseinsberechtigung, die eben diese Vielfalt bekämpfen. Ich toleriere, dass Sie Deutschland ihrer Ideologie wegen nicht verlassen müssen. Dass sie vom Deutschen Volk, von deutschem Blut und in diesem Zusammenhang gar von Anstand sprechen. Ich halte aus, dass sie meiner Heimat schaden. Sie fragen meine Kinder, woher sie kommen und weil meine Kinder keine Idioten sind, sagen sie Köln. Gäbe es solche Fragen nicht, wäre ihre Hautfarbe ihre Hautfarbe und weder ein Politikum, noch ein Stigma.

Haben wir denn wirklich schon verstanden, was hier vor sich geht, wenn das Wort „Rassenschande“ wieder auf den Straßen zu hören ist? Wenn sie eine hellhäutige Frau sind (am besten blond) und glauben, nun übertreibe ich aber wirklich – fragen sie einen dunkelhäutigen Mann, ob er mit ihnen U-Bahn fährt. Wir sprechen uns dann!

Ich weiß, dass Deutschland Probleme hat: Armenviertel, No-Go-Areas, Atommüllendlager, der Bachelor. Das sind alles ernstzunehmende Schwierigkeiten. Aber keines davon ist mit demokratischen Mitteln nicht lösbar. Wir Deutschen müssen schlicht wählen gehen. Wir müssen demonstrieren und boykottieren. Es freut mich, wenn die AfD Schwierigkeiten hat einen Ort zu finden, an dem sie ihre Parteitage abhalten kann. Sie wird sich auf die Meinungsfreiheit und die Demokratie berufen, wenn es wieder so weit ist. Und wir sollten das aushalten und wählen gehen. 2017 wird Deutschland an der Urne verteidigt!

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7 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Josef Özcan sagt:

    Hier wird ein grundlegendes psycho-soziales Problem angesprochen … das Menschen mit leiblichen Merkmalen, die als ethnisch fremd definiert werden auch befremdet werden … immer wieder … egal in der wie_vielten Generation sie schon in Deutschland leben … grausam zumindest für diejenigen, welche sich selbst als deutsch definieren … es gilt zu bedenken, dass dies nicht immer der Fall ist … manche bestehen darauf nicht als deutsch zu gelten … sie identifizieren nach der Kultur ihrer Vorfahren …

  2. catherine szczesny sagt:

    Ich habe von einem Fall gehört, in Bremen der 20er Jahren, wo ein brasilianischer Konsul von NS Anhänger auf offener Strasse gelyncht wurde, weil er für einen Juden gehalten wurde. Das führt m.E. zu interessanten Schlussfolgerungen.
    1. Es gab damals schon racial profiling.
    2. Es gab damals (noch) Juden, deren physische Merkmale sie als solche erkennbar machten.
    3. Wer nicht „arisch“ aussah, wurde als Jude identifiziert.
    4. Heute gibt es keine Juden in Deutschland, die als solche erkenntlich wären, weil das heutige deutsche judentum aus Ashkenasen besteht, also Juden aus Osteuropa. Wer heute nicht „arisch“ aussieht, ist zwar kein Jude, aber immernoch nicht deutsch, oder europäer, gehört einfach nicht zum Stamm.
    5. Es hat sich in den letzten 100 Jahren in Deutschland gar nichts geändert. Man/Frau muss „deutsch“ aussehen, um deutsch zu sein.
    6. Die Gesellschaft hat bezüglich integrativen Massnahmen viel nachzuholen.

  3. Niedergrund sagt:

    „Wir müssen demonstrieren und boykottieren.“

    Die Interesante wäre zunächst erst enmal, wer sich hinter diesem „Wir“ verbirgt bzw. versteckt. Ist es denn wirklich ein anderes „Wir“ als das „Wir“ der vermeintlich falschen Seite?

    Wer nicht boykottiert werden möchte, boykottiert im übrigen nicht.

  4. karakal sagt:

    „Das große Missverständnis ist, dass Hautfarbe, Haarstruktur oder die Form der Augen mit kultureller oder nationaler Zugehörigkeit korrelieren.“
    Adolf Hitler paßte auch nicht in das Idealbild vom blonden blauäugigen Menschen der „nordischen Rasse“. Unser Englisch- und Französischlehrer auf dem Gymasium hatte auffallend schwarze Haare, aber helle Hautfarbe und einen deutschen Familiennamen.
    Wenn manche Leute mit mir sprechen oder mich an einem Gespräch beteiligen und ich es nicht gleich aus meinem Mund heraussprudeln lasse, halten sie mich für einen „Ausländer“. Aber vielleicht möchte ich nur nicht belangloses Zeug reden oder bin etwas autistisch, und dann kommt meine Antwort eine halbe Stunde nach der gestellten Frage.
    Keine Vermutung, ich könne „Ausländer“ sein, kommt dagegen in der Regel auf, wenn ich schriftlich mit den Leuten verkehre und sie mein einwandfreies Deutsch (in der alten Rechtschreibung) und meinen deutschen Familiennamen sehen.
    Immer wieder liest man in Kommentaren im Internet die dumme Forderung: „Die Muslime sollen dahin zurückkehren, wo sie hergekommen sind!“ Darauf sagte ein älterer deutscher Konvertit einmal: „Ich bin in Berlin-Pankow geboren, warum soll ich dorthin zurückkehren? Welchen Sinn macht das?“ Wohin soll bspw. der Sohn eines Jordaniers und einer Syrerin, beide seit langem eingebürgert, zurückkehren: ins kriegsgebeutelte Syrien oder in das wirtschaftlich schwache Jordanien voller Flüchtlinge, und gar erst dessen Kinder, die beide Länder vermutlich noch niemals betreten haben?

  5. posteo sagt:

    Durch Artikel wie diesen wird ein grundsätzlicher Mechanismus der Informationsverarbeitung problematisiert.
    Wenn ich zum Beispiel „Afrikaner“ schreibe, wird allein beim Lesen des Begriffs fast jeder an einen Schwarzen denken und nicht an einen Nordafrikaner und schon gar nicht an einen Nachfahren der weißen Siedler.
    Daneben wirkt allerdings die Sprache, bzw. Mundart als starker Trigger für die ethnische Zuordnung. Ein Schwarzer mit dem typischen Dialekt meiner jetzigen Heimatregion ist für mich automatisch einheimischer als ich selbst. (Wobei Kölsch lernen nun wirklich Geschmackssache ist).
    Davon abgesehen wird es immer dumme Menschen und , so brutal das klingt, auch Nazis geben.
    Und so, wie die Neonazis auch zahlreiche Obdachlose und Linke umgebracht haben, wurden unter der Nazi-Diktatur ebenso Obdachlose als „Asoziale“ und politische Gegner umgebracht, obwohl diese „reinrassige“ Deutsche waren.
    Daher sollte man den Begriff Rassismus auch nicht überstrapazieren.

  6. Blinde Kuh sagt:

    @Josef Özcan
    … apropos „bedenken“ … kennen sie das, wenn sie ihre herkunft als passdeutsche*r trotzdem nicht-deutsch definieren und ihnen dann aber jemand auf deufel-komm-raus einreden will, dass sie doch aber auf jeden fall deutsch sein MÜSSEN, weil sie ja schliesslich in deutschland geboren wurden? … nein? … komisch! … oder?

  7. posteo sagt:

    Zunächst Danke fürs Editieren meines obigen Kommentars.
    Ich melde mich nochmal, um einen Tausch anzubieten:
    Übernehme einen Migrationshintergrund gegen meine historische Verantwortung. Interessenten bitte melden.



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