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Unicef

Kinder auf der Flucht oft Opfer von Missbrauch

Kinder und Jugendliche auf der Flucht- und Migrationsroute über Nordafrika nach Italien sind regelmäßig sexueller Gewalt, Ausbeutung sowie Misshandlungen ausgesetzt. Unicef bezeichnet die zentrale Mittelmeerroute als „ein voll und ganz kriminalisiertes Geschäft auf Kosten von Kindern und Frauen“.

Junge Flüchtlinge werden nach einem Report des Kinderhilfswerks Unicef auf der Fluchtroute über Nordafrika nach Italien regelmäßig Opfer von sexueller Gewalt und Ausbeutung. Zudem würden sie oft von Menschenschmugglern oder dem Personal in Haftzentren in Libyen misshandelt, erklärte die Organisation am Dienstag in Köln bei der Vorstellung eines neuen Unicef-Berichts über Kinder auf der Flucht. Unicef forderte die Europäische Union auf, Kinder auf der Fluchtroute vor Gewalt und Ausbeutung zu schützen. Zudem müsse die Inhaftierung von Kindern aufgrund ihres Aufenthaltsstatus gestoppt werden.

Die zentrale Mittelmeerroute sei heute „ein voll und ganz kriminalisiertes Geschäft auf Kosten von Kindern und Frauen“, schreibt der stellvertretende Exekutivdirektor von Unicef, Justin Forsyth, in dem Bericht. Schmuggler und Menschenhändler hätten Erfolg, weil es keine sichere und legale Alternative gebe. Die internationale Gemeinschaft müsse dieses Thema angehen und besonders den Schutz der Kinder auf dieser Reise verbessern.

Drei Viertel der für den Bericht befragten Kinder gaben laut Unicef an, dass sie zumindest einmal während ihrer Reise Gewalt oder Bedrohungen durch Erwachsene erlebt haben. Die Hälfte der Kinder sei nach eigenen Angaben geschlagen und misshandelt worden, auch von Soldaten, Polizisten oder Milizen. Die Kinder seien nach eigenen Angaben ausgebeutet worden, um die nächste Etappe der Flucht oder die Rückkehr in ihre Heimat zu finanzieren.

Jeder Zweite berichtet über sexuellen Missbrauch

Die Hälfte der interviewten Frauen und Kinder berichtete über sexuellen Missbrauch. Aus Angst inhaftiert zu werden, wendeten sie sich oftmals nicht an die Polizei. Illegale Haftzentren in Libyen arbeiteten mit Menschenhändlern zusammen, die Frauen in die Europäische Union schleusen, um sie dort zur Prostitution zu zwingen.

Für den Unicef-Report befragte das Kinderhilfswerk im Herbst 2016 in Libyen 40 Kinder und rund 80 Frauen aus elf Ländern, die nach Europa gelangen wollten. Zur Zeit der Befragung hätten sich in Libyen offiziell rund 256.000 Migranten und Flüchtlinge aufgehalten. Davon seien fast 31.000 Frauen und rund 23.100 Kinder gewesen. Ein Drittel dieser Kinder sei unbegleitet und besonders schutzlos gewesen. Die Dunkelziffer werde jedoch dreimal so hoch geschätzt.