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"Massenhafe Missachtung des Kindeswohls"

Hunderte jugendliche Flüchtlinge an Grenze zurückgewiesen

Binnen eines Jahres hat die Bundespolizei 620 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an der deutschen Grenze zurückgewiesen. Die Grünen sind empört über diese Praxis. Sie sprechen von einer massenhaften Missachtung des Kindeswohls.

Die Bundespolizei hat im vergangenen Jahr 620 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an der deutschen Grenze zurückgewiesen. Die Jugendlichen wurden abgewiesen, „weil die Einreisevoraussetzungen nicht vorlagen“, wie die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion zitiert. Unter ihnen waren demnach 275 Afghanen, 58 Syrer sowie 39 Jugendliche aus Eritrea und 36 aus dem Irak.

Wenn es Jugendliche aus diesen Ländern nach Deutschland schaffen, liegt ihre Anerkennungsquote dem Bericht zufolge zwischen 98 Prozent (Syrer) und 71 Prozent (Afghanen). Insgesamt leben in Deutschland aktuell zum Stichtag 15. Januar 45.224 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Grüne kritisieren Bundespolizei

Die Grünen äußerten sich empört über das Vorgehen der Bundespolizei. „Über 600 Minderjährige wurden an den deutschen Grenzen zurückgewiesen, das ist eine massenhafte Missachtung des Kindeswohls“, sagte die jugendpolitische Sprecherin der Fraktion, Beate Walter-Rosenheimer, der Zeitung. In diesen Fällen müsse geprüft werden, ob sich Verwandte bereits in Deutschland aufhalten.

Die Sprecherin für Flüchtlingspolitik, Luise Amtsberg, kritisierte: „Fast 90 Prozent der unbegleiteten Minderjährigen erhalten einen Schutzstatus – das zeigt deutlich, wie hoch der Unterstützungsbedarf für die Jugendlichen ist und dass sie gute Gründe für ihre Flucht haben.“ (epd/mig)