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Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände, 1966

Bombe am S-Bahnhof

Polizei fasst verdächtigen Neonazi nach über 16 Jahren

Mehr als 16 Jahre nach der Explosion an einer Düsseldorfer S-Bahnstation, präsentiert die Polizei den mutmaßlichen Täter, einen Neonazi. Er hatte mit der Detonation zehn Migranten verletzt. Innenminister Jäger begrüßt die Festnahme. Die Partei Die Linke sieht ein Versagen der früheren Ermittlungen.

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Polizeiabsperrung © unwiederbringlichbegangenes @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Der mutmaßliche Bombenleger vom S-Bahnhof Düsseldorf ist nahezu 17 Jahre nach der Tat verhaftet worden. Der zur Tatzeit im Jahr 2000 als Neonazi bekannte Mann sei am Dienstag „ohne Widerstand“ festgenommen worden, sagte Polizeipräsident Norbert Wesseler am Mittwoch in Düsseldorf. Bei dem dringend Tatverdächtigen handelt es sich um einen 50 Jahre alten Mann, der einen Militarialaden in unmittelbarer Nachbarschaft des S-Bahnhofs Wehrhahn in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt betrieben hatte.

Der Mann befinde sich nun in Untersuchungshaft, erklärte Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück. Die vielen Indizien machten eine spätere Verurteilung des Beschuldigten „ganz überwiegend wahrscheinlich“. Herrenbrück wertete die Tat als „versuchten gemeingefährlichen Mord, der heimtückisch und aus niederen Beweggründen“ verübt worden sei. Die Rohrbombe hing in einer Plastiktüte am Geländer der Fußgängerbrücke des S-Bahnsteigs. Der Tatverdächtige habe „mindestens mit fremdenfeindlicher Absicht“ gehandelt. Ob er auch aus Antisemitismus heraus gehandelt habe, sei noch nicht klar.

Die selbst gebastelte und mit TNT-bestückte Rohrbombe sei am 27. Juli 2000 am S-Bahnhof Wehrhahn durch eine Fernzündung zur Detonation gebracht worden, erläuterte der Oberstaatsanwalt. Zu diesem Zeitpunkt seien zehn Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion, darunter sechs jüdische Zuwanderer verletzt worden. Die Ermittler davon aus, dass es sich bei dem Bombenleger „um einen Einzeltäter“ gehandelt hat.

Neonazi war ehemaliger Bundeswehrsoldat

Ein Mithäftling des Mannes habe im Jahr 2014 der Polizei davon berichtet, dass sich der mutmaßliche Täter, der wegen eines anderen Deliktes in Haft war, mit dem Anschlag gebrüstet habe, erklärte der Oberstaatsanwalt. Nach dem neueren Hinweis wurde der Fall nach Polizeiangaben neu aufgerollt und eine neue Ermittlungskommission eingerichtet. Unmittelbar nach dem Anschlag habe die Düsseldorfer Polizei zwar über 330 Spuren verfolgt und ausgewertet sowie Verdächtigte vernommen. Die Beweise hätten jedoch nicht für einen Haftbefehl ausgereicht.

Der Leiter Kriminalität der Düsseldorfer Polizei, Markus Röhrl sagte, der mutmaßliche Täter habe als ehemaliger Bundeswehrsoldat Kenntnisse mit Sprengstoff gehabt und sei auch in der Lage gewesen, die Rohrbombe selbst zu fertigen. Vor der Tat soll der Mann diese sogar Zeugen gegenüber angekündigt haben.

Alibi widerlegt

Udo Gerhard Moll von der Düsseldorfer Polizei sprach am Mittwoch von „Täterwissen“ des Neonazis. Der soll die Tat zuvor geplant und die Örtlichkeiten am S-Bahn Hof ausgekundschaftet haben. Wenige Tage nach der Tat hatte der Mann erklärt, er sei zur Tatzeit zu Hause gewesen. Seine Entlastungszeugin sei damals nach ihren Aussagen bei der Polizei „aus Angst“ vor dem Mann aus Düsseldorf fortgezogen. Das vermeintliche Alibi des Mannes konnte laut Moll jetzt widerlegt werden.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) erklärte: „Es ist wichtig, dass die Opfer endlich erfahren, wer dieses feige und hinterhältige Verbrechen verübt hat. Auch wenn diese Gewissheit für sie spät komme. Die Partei „Die Linke“ warf den Ermittlungsbehörden hingegen Versagen vor. Es habe unmittelbar nach dem Anschlag Hinweise auf den mutmaßlichen Täter und Neonazi gegeben, sagte der Landessprecher der Linkspartei, Özlem Alev Demirel. Damals habe die Staatsanwaltschaft die rechtsextremen Kontakte des Verdächtigen geleugnet und damit die Aufklärung massiv behindert. Vielmehr seien Opfer des Anschlags selbst verdächtigt worden. (epd/mig)

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