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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Sprecht Deutsch!

Wann Deutsch zu sprechen Integration fördert – und wann nicht!

Gegenüber Eltern mit nichtdeutscher Muttersprache wird häufig ein Ratschlag – ja eine Forderung – laut, die keineswegs hilfreich ist – nicht für die Kinder, nicht für unsere Gesellschaft. Sie lautet: Sprecht Deutsch mit Euren Kindern. Von Sami Omar

Sami Omar, Sami, Omar, MiGAZIN
Sami Omar © privat, bearb. MiG

VONSami Omar

Sami Omar wurde 1978 als Sohn eritreischer Eltern im Sudan geboren und wuchs als Kind deutscher Eltern im schwäbischen Ulm auf. Er arbeitet und schreibt zu den Themen Migration und Integration für print und online-Medien. 2016 erschien sein zweites literarisches Werk "Geht schon, danke". Sami Omar arbeitet als Sprecher und tritt mit seinen abendfüllenden Bühnenprogrammen deutschlandweit auf. Mehr über ihn auf sami-omar.de

DATUM26. Januar 2017

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RESSORTAktuell, Meinung

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Das Erlernen der deutschen Sprache ist für neu zugewanderte Menschen unverzichtbar. Weder sie, noch die bereits Ansässigen können getrost in die Zukunft eines pluralistischen Deutschland blicken, ohne diesen Konsens. Die Erfahrung der Wohlfahrtsverbände, Städte und Kommunen mit jüngst zugewanderten Menschen gibt hier auch keinen Anlass zur Sorge. Deutsch- und Integrationskurse erfreuen sich bundesweit meist großen Zulaufes – geforderter und freiwilliger maßen. Im Umgang mit den Eltern unter den Migranten wird jedoch häufig ein Ratschlag – ja eine Forderung – laut, die keineswegs hilfreich ist – nicht für die Kinder, nicht für unsere Gesellschaft. Sie lautet:

Sprecht Deutsch mit Euren Kindern.

Und zunächst klingt sie plausibel. Je mehr Deutsch die Kinder hören, desto besser, mag man denken.

In einem Leitantragsentwurf der CSU vom Dezember 2014 stand, Zuwanderer sollen künftig „dazu angehalten werden, zu Hause und im öffentlichen Raum Deutsch zu sprechen.“ Nach einiger Kritik aus der Bevölkerung reformulierte die Partei und sagte, wer hier dauerhaft bleiben wolle, solle dazu „motiviert werden.“

Der Parteichef von Bündnis 90/Die Grünen, Cem Özdemir wurde daraufhin in einem Interview gefragt, warum er so gut Deutsch spreche. Die Frage alleine wäre schon einen Artikel wert. Er sagte dies: „…liegt daran, dass meine Eltern mit mir nicht Deutsch gesprochen haben. Denn hätten meine Eltern versucht, mit mir radebrechend Deutsch zu reden, wäre das Ergebnis gewesen, dass ich ganz sicher nicht Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen geworden wäre, oder Bundestagsabgeordneter, sondern dann wäre ich irgendwie Kfz-Mechaniker oder sonst was geworden.“

Auch wenn hier fraglich bleibt, welchen Eindruck Herr Özdemir von der Qualifikation von KFZ-Mechaniker hat, so liegt er doch inhaltlich auf einer Linie mit der gängigen Beratungspraxis von Sprachtherapeuten und den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen hierzu. Eltern, die sich nicht sicher in der deutschen Sprache ausdrücken können, sollen in ihrer Erstsprache zu ihren Kindern sprechen. Neben dem Argument, dass sich die Regeln des korrekten Deutsch nur von richtigem Deutsch gut ableiten lassen, bringt die Nichtbeachtung dieser Regel noch weitere Probleme mit sich. Die Kind-Gerichtete-Sprache ist aus Sicht der Kinder weit mehr, als ein Informationsmedium. Sie vermittelt Wärme, Vertrautheit, Trost und Freude. Kurz: Geborgenheit. Wer wollte daran rühren.

Die Sorge, dass Kinder, die in ihrem Zuhause in den ersten Lebensjahren wenig deutsche Sprache hören, später schlecht Deutsch lernen, halten Sprachtherapeuten und Pädagogen für nicht haltbar. Andrea Frey, vom Frühförderzentrum des Caritasverbandes für den Rheinisch Bergischen Kreis stellt klar: „Diese Kinder lernen Deutsch am Besten im Kindergarten. Als Verkehrssprache wird Deutsch hier förmlich aufgesaugt und für das Kind positiv besetzt. Lernerfolge und Freundschaften werden mit dieser Sprache verbunden, ohne dass die Familiensprache abgewertet wird. Das gleiche gilt für die Schule und den Sportverein.“

Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, dass das Deutschsprechen innerhalb zugewanderter Familien ein Zeichen besonderen Integrationserfolgs sei, sollten wir also in Erwägung ziehen, dass etwas ganz Richtiges passiert, wenn eine Mutter vor uns an der Supermarktkasse ihrem Kind auf Arabisch die Süßigkeiten verbietet. Vielleicht sollten wir uns auch fragen, ob wir uns über ihre Integrationsbereitschaft Gedanken machen würden, wenn sie Englisch spräche.

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3 Kommentare
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  1. karakal sagt:

    Für Muslime arabischer Herkunft ist es besonders wichtig, die arabische Sprache auch in einer nichtarabischen Umgebung zu pflegen, da sie der Schlüssel zum Verständnis des Korans und des Schatzes ihrer religiösen Literatur ist. Zahlreiche arabischstämmige Muslime haben es später bereut, ihren Kindern nicht Arabisch beigebracht zu haben. Insbesondere, wenn der mütterliche Elternteil nicht Arabisch spricht, besteht die Gefahr, daß die Kinder nicht Arabisch lernen. Selbst der Arabischunterricht in islamischen Zentren reicht meist nicht aus, um diesen Mangel zu beheben.
    Nicht hilfreich für diesen Zweck ist es jedoch, anstatt des Hocharabischen einen der Dialekte zu pflegen, insbesondere den maghribinischen Dialekt, der am weitesten von allen vom Hocharabischen entfernt ist. Als hilfreich haben sich jedoch mindestens einjährige Aufenthalte in einem arabischen Land erwiesen.

  2. Dr. Cengiz K sagt:

    …dass ich ganz sicher nicht Parteivorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen geworden wäre…

    die türkische Community in der BRD weiß schon, wie das zustande kam..

  3. Han sagt:

    Es wird eher zu wenig Deutsch gelernt als zuviel. Leider können sie nicht akzentfrei das Schweizer Deutsch und das Deutsch der Österreicher. Denn sonst wären sie in der Lage, ihren zurück gelassenden Landsleuten zu helfen, die Steuervermeidungsstrategien der Konzerne, Diktatoren und Kirchen abzustellen. Dass sie für ein besseres Leben migrieren mußten hat einen Grund. Diese Gründe heißen Liechtenstein, Österreich und Schweiz.

    Deutsche Politiker zweigen nämlich gern Entwicklungshilfe-Gelder ab für ihnen genehme Diktatoren. Diese Diktatoren legen sie dann in der Schweiz an, wo Schweizer Banker sie dann auf Liechtenstein, Panama,… verteilen. Wenn Burgen und Schlösser preiswert sind in Deutschland macht sich dann hier und dann ein Schweizer Banker über die Grenze und bringt einem schwäbischen Klein-Banker Geldkoffer, der damit dann das Objekt erwirbt.

    Mehr Deutsch sprechen, mehr deutsche Geschichtsbücher lesen und die Familiengeschichte des deutschen Geldadels durchleuchten, und sie werden sich wundern, was für einen Bananen-Republik die BRD eigentlich ist. Ein besonderer Leckerbissen ist er deutsche Adel, der eigentlich eine Randgruppe ist. Adel ist in Europa meistens fränkischer Adel. Die wahre Geschichte der Bauernkriege wird hierzulande unterdrückt. Thomas Münzer steht im Schatten Luthers. Es wird überhaupt nicht klar, was Münzer mit den britischen Digger und Leveller zu tun hat. Weshalb religiöse Deutsche nach Rußland ausgewandert sind, wird nicht klar, und warum sie dann als Aussiedler zurück gekommen sind mit einer völlig neuen Identität als Rußlanddeutsche.

    Aber um es kurz zu machen, wenn sie sich für Gerechtigkeit einsetzen wollen, reicht es nicht nur für sich Respekt und Toleranz einzufordern. Nach Erreichen dieser Forderungen wären sie nur ein weiterer Nutznießer eines Ausbeutungssystem. Gerechte lassen sich nicht durch nationale Grenzen Gedanken Schranken setzen.

    Die deutsche Demokratie und das bürgerliche Gesetzbuch sind eine echte Konkordats-Demokratie mit Mehrheitsherrschaft und vielen Mitbestimmungselementen – durchaus nachahmenswert meiner Meinung. Blicken Sie einmal in die USA, wo ein Kandidat wie Trump Präsident werden kann, obwohl er nur eine numerische Minderheit hinter sich hat,aber die Mehrheit der Wahlmänner.

    Viele postkoloniale Staaten können von der Schweizer Demokratie viel lernen, wie man mit 7 Präsidenten in einem Kollegial-Gremium ein multi-ethnisches Land politisch und ökonomisch erfolgreich führt. Die Schweiz wird von den deutschen Rechten immer heran gezogen wegen der direkten Demokratie. Die rechten erhoffen sich durch direkte Demokratie und Medien-Modulen eine Abkürzung zu finden, um die deutsche Konkordanz-Demokratie abzuschaffen. Deutschland ist aber mit dem Willen breiten Konsens zu suchen mit organisierten Interessensgruppen wie Gewerkschaften, Kirchen, Arbeitgeberverbänden zu einen Erfolgsmodell geworden. Auch wenn bedeutende Minderheiten in Deutschland auf der Strecke bleiben, hier kennen wir keine gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeit und Kapital und wir haben nur moderate ethnische und religiöse Konflikte. Die letzten Monate sprechen eine andere Sprache. Das ist aber nur eine Phase. Ich wünsche mir mehr deutsch schreibende Autoren, um in der Welt ein Gegengewicht gegen den angelsächsischen „Demokratie-Export“ bilden zu können. Die Demokratie der Amerikaner und Engländer ist nur eine Mogelpackung.

    Ein bißchen Mitarbeit und ein interessiertes Auge und Ohr für wertvolle Kulturgüter, Ideen und Praxen in Deutschland hilft Geschichte in den richtigen Zeit- und Ereignisstrom zu sperren. Wir wollen deutsche Kulturmit der Welt teilen. Fragen müssen wir dafür die Herkunftsdeutschen nicht.



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