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Unwort-Vorschläge

Wird „Flüchtlingswelle“ Unwort des Jahres?

„Postfaktisch“ ist der am meisten vorgeschlagene Begriff für das „Unwort des Jahres 2016“. Es folgen „Populismus“, „besorgte Bürger“ und „Flüchtlingswelle“. Im Rennen sind aber auch „Integrationsromantik“ oder „Asylterror“. Das Unwort des Jahres wird am Dienstag bekanntgegeben.

Für das „Unwort des Jahres 2016“ ist der Begriff „postfaktisch“ am häufigsten vorgeschlagen worden. Der Grund dafür sei vermutlich, dass der Begriff vor einem Monat von der Gesellschaft für deutsche Sprache bereits zum „Wort des Jahres“ gekürt wurde, sagte die Sprecherin der „Unwort“-Jury, die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, dem Evangelischen Pressedienst. Das „Unwort des Jahres“ wird am Dienstag bekanntgegeben. Insgesamt seien 1.064 Einsendungen mit 594 Wortvorschlägen eingegangen.

Nach den 48 Nennungen von „postfaktisch“ sei das Wort „Populismus“ in verschiedenen Varianten 38-mal eingegangen, sagte Janich. Zugrunde liege wahrscheinlich ein Protest dagegen. Die Kritik an einer politischen Haltung entspreche aber nicht den „Unwort“-Kriterien. Wörter, die den Kriterien entsprechen und häufiger als fünfmal eingeschickt wurden, seien unter anderen „besorgte Bürger“, „erlebnis-/eventorientiert“ (für Schlägergruppen), „Flüchtlingswelle“ einschließlich anderer Katastrophenmetaphern, „Flüchtlingskrise“, „Rapefugees“, „Umvolkung“ und „völkisch“.

„Wir richten uns aber nie nach der Zahl der Einsendungen, sondern diskutieren in der Sache“, erklärte Janich. So kämen in die Wahl des „Unworts des Jahres“ auch Ausdrücke wie „Demokratieüberschuss“, „Volksverräter“, „Invasoren“, „Asylterror“, „Integrationsromantik“, „Dunkeldeutschland“ und „flexible Solidarität“.

Das „Unwort des Jahres“ wird von einer sprachkritischen Initiative gekürt. „Unwörter“ waren zuletzt „Gutmensch“ (2015), „Lügenpresse“ (2014) und „Sozialtourismus“ (2013″). Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Seit 2011 ist die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt Jury-Sprecherin. Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der freie Publizist Stephan Hebel.

Die Jury kritisiert mit der Wahl Schlagworte, die „gegen das Prinzip der Menschenwürde“ und „Prinzipien der Demokratie“ verstoßen, weil sie „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“ oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sind. (epd/mig)