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Migration und Integration in Deutschland

Letztlich haben einige Industriestaaten ihren Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften … dadurch gedeckt, dass sie bei der Einstellung von irregulären Arbeitsmigranten ein Augen zudrücken.

Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, Migration in einer interpedenten Welt, 2004

Bakery Jatta

Wer Leistung will, muss eine faire Chance geben

Warum Integration beim Sport scheinbar wie von selbst gelingt? Weil der Sport anderen Regeln folgt: Leistung. Um ihn zu erbringen, müssen die Menschen aber erst einmal eine faire Chance bekommen, genau wie Bakery Jatta. Von Sevim Kambur

Fußball, Stadion, Fans, Fahnen, Deutschland
Fußballfans im Stadion © marfis75 auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Im Jahr 2016 wurden von allen politischen Seiten Statistiken vorgelegt, die dabei helfen sollten, die Situation mit den Flüchtenden besser zu handhaben. Wissenschaftler stellten zahlreiche Hochrechnungen auf, viele konzentrierten sich auf die Finanzen: Was kostet die Integration von Flüchtlingen und zahlt sich das aus?

Doch Integration geht viele Wege und zahlt sich nicht selten sogar vielfach aus, wie das Beispiel des 18-jähriger Fußballspielers aus Gambia zeigt – nicht nur finanziell, sondern interkulturell. Sie wirken inspirierend und bereichern uns alle.

Bakery Jatta hat dieses Jahr Schlagzeilen gemacht, als er einen Drei-Jahres-Vertrag bei dem erfolgreichen Bundesligaverein Hamburger SV unterschrieb.

Und obwohl Fußballspieler mit Migrationshintergrund in der Bundesliga schon lange nichts Neues sind, könnte die Tatsache, dass Jatta einst als Flüchtling aus dem afrikanischen Gambia nach Deutschland kam, zu einem neuen Verständnis im Kontext der Migrationsbewegungen führen.

Jatta lebte Angaben zufolge ohne Eltern in Gambia und hat wie viele andere sein Heimatland verlassen, um ein besseres Leben in Europa zu beginnen. Nach der beschwerlichen Reise durch die Sahara und über das Mittelmeer kam der heute 18-Jährige schließlich in einem Jugendheim in der Nähe von Bremen unter.

Zu dieser Zeit wurde der Verein Werder Bremen auf ihn aufmerksam, denn in privaten Fußballspielen mit Freunden zeigte er großes Talent. Schließlich wechselte das Nachwuchstalent zum Hamburger SV und gewöhnte sich schnell daran, das harte Training, die Hausaufgaben und den Deutschunterricht unter einen Hut zu bringen.

Jatta hat bereits sein Talent bereits unter Beweis gestellt mit Toren für sein Team. Es bleibt abzuwarten, ob er dem Hamburger SV dabei helfen kann, noch in dieser Saison zu Favoriten zu werden, aber er gilt als glänzendes Beispiel dafür, dass junge flüchtende Menschen nicht nur außerordentliche Talente mitbringen, sondern diese auch in kürzester Zeit nahtlos in ein Team einbringen können.

Doch nicht überall läuft die Integration so reibungslos wie bei Jatta. Auch wenn in den letzten Jahren immer wieder sinnvolle Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit ergriffen wurden, gibt es im Fußball immer wieder rassistische Vorfälle. Einige Menschen sind sogar der Ansicht, dass Spieler mit Migrationshintergrund in der deutschen Nationalmannschaft nichts zu suchen haben.

Der Verteidiger von Bayern München, Jerome Boateng, machte wiederholt auf das Problem aufmerksam: Rassismus ist in Deutschland ein großes Thema. Rechte Parteien wie die AfD nutzen nicht nur die Situation rund um die Flüchtlingsbewegungen zur Verbreitung ihrer rechten Ideologie, sondern instrumentalisieren gerne auch den Fußball und Fußballer.

Zum Glück geht der Sport seine eigenen Wege. Dass Jatta vor Kurzem einen Sponsorenvertrag mit dem Sportgiganten Adidas unterzeichnet hat, zeigt, dass der Sport anderen Regeln folgt: Leistung. Um ihn zu erbringen, müssen die Menschen aber erst einmal eine faire Chance bekommen, genauso wie Jatta. Im nächsten Jahr stehen Bundestagswahlen an. Es wäre eine willkommene Abwechslung, wenn der Wahlkampf sportlich geführt werden würde und nicht unfair.

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