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Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Schnell und unbürokratisch

Existenzgründung mit Migrationshintergrund: Sind Mikrokredite hilfreich?

Prinzipiell gelten für Existenzgründer mit Migrationshintergrund ähnliche Voraussetzungen wie für die deutsche Mitbewerber. Bei Krediten ist das nicht immer so. Bei kurzfristigen finanziellen Engpässen bedienen sich Migranten daher den vergleichsweise unbürokratischeren Mikrokrediten.

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Geld © Scoobay auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

DATUM7. Dezember 2016

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RESSORTWirtschaft

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Was Sparern derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn treibt, ist für Kreditnehmer eine echte Chance: Nie waren die Zinsen auf dem Kapitalmarkt so gering wie heute. Wer sich für einen Kredit interessiert, sollte sich allerdings beeilen, denn die Zinsen sind bereits im Steigen begriffen. Insbesondere wenn zusätzlich mit einer beruflichen Selbstähnlichkeit geliebäugelt wird, sollten die aktuellen Marktchancen genutzt werden. Auch Migranten haben gute Chancen, sofern einige Dinge beachtet werden. Wo liegen die Stolpersteine auf dem Weg zur Unabhängigkeit?

Hoher Migrantenanteil unter den Existenzgründern

Für Migranten ist die Existenzgründung in mindestens zweierlei Hinsicht besonders interessant: Zum einen sorgen mögliche Sprachhürden für eine schwierige Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt – selbst, wenn das eigene Sprachniveau für die Ausübung eines Jobs durchaus ausreichend ist. Zum anderen gibt es hinsichtlich der im Ausland erworbenen Qualifikationen Schwierigkeiten mit der Anerkennung. Viele Arbeitgeber setzen auf altbekannte Bildungsabschlüsse, selbst wenn das Bildungsniveau formal unseren Anforderungen genügt. Aktuelle Zahlen zeigen auch, dass mehr Migranten unternehmerisch tätig werden als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung: Die Gründerquote von 1,86 % liegt ein gutes Zehntel über dem Bundesschnitt. Doch nicht nur das, Gründer mit ausländischen Wurzeln gehen der Tätigkeit in der Regel im Vollerwerb nach, wohingegen ein höherer Prozentsatz der deutschen Selbständigen nur im Nebenerwerb tätig ist.

Anerkennung von Qualifikationen notwendig

Sofern die aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Fragen geklärt sind, haben Bürger mit Migrationshintergrund durchaus noch weitere Hürden zu nehmen: Je nach Branche müssen Ausbildungen nachgewiesen werden, die in Deutschland zunächst eine Anerkennung erhalten müssen. Neben der Ausbildung als solches ist auch die Berufserfahrung von Bedeutung. Pauschale Aussagen lassen sich nicht treffen, die zuständige Anerkennungsstelle entscheidet von Fall zu Fall. Auch wer verantwortlich ist für die Anerkennung beruflicher Qualifikationen unterscheidet sich je nach Branche. Für die Anerkennung von Hochschulabschlüssen ist beispielsweise „uni-assist“ der richtige Ansprechpartner, bei Berufsabschlüssen können die lokalen „IQ-Anlaufstellen“ weiterhelfen.

Migranten sollten Beratungsangebote stärker nutzen

Außerdem sollten auch Migranten angebotene Beratungen, wie sie von Berufsverbänden häufig angeboten werden, nutzen und nicht nur auf die Hinweise von Freunden und Bekannten vertrauen. Insbesondere in Bereichen wie Förderung durch öffentliche Mittel oder auch gesetzliche Bestimmungen, die in vielen Fällen strenger sind als in den Heimatländern der Migranten, gibt es meist Nachholbedarf. Weiterhin dürfen auch die kulturellen Hürden nicht unterschätzt werden: Ein im Ausland erfolgreiches Geschäftsmodell muss in Deutschland nicht zwangsläufig auf ebenso viel Gegenliebe stoßen. Beispiele aus der Gastronomie zeigen allerdings, dass viele im Ausland erworbene Erfahrungen durchaus sehr bereichernd und wirtschaftlich erfolgreich sein können.

Banken verlangen Businessplan zur Finanzierung

Doch unabhängig von der Frage, wie die Existenzgründung konkret aussehen soll, wird auf eine Fremdfinanzierung in der Regel nicht verzichtet werden können. Bevor eine Bank allerdings grünes Licht für einen Kredit gibt, wird ein detaillierter Businessplan verlangt, der die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells nachweisen soll – hier unterscheidet sich die Existenzgründung von Migranten nicht von deutschen Start-ups.

Kurzzeitige Zahlungsengpässe meistern

Unabhängig von der Frage der Finanzierung werden auch sogenannte Mikrokredite immer beliebter. Anbieter wie Vexcash oder Auxmoney stellen geringe Kreditsummen zur Verfügung, die in der Regel nur über einen begrenzten Zeitraum in Anspruch genommen werden – ähnlich wie bei einem Dispositionskredit. Der Vorteil besteht allerdings darin, dass die Konditionen in der Regel attraktiver ausfallen und der SCHUFA Score sich üblicherweise nicht verschlechtert. Insbesondere Letzteres kann von Bedeutung sein, wenn zusätzlich noch ein konventioneller Bankkredit für die Existenzgründung in Anspruch genommen wird. Ein Mikrokredit überzeugt vor allem durch eine schnelle Bewilligung, die bei einigen Anbietern innerhalb von wenigen Minuten erfolgen kann.

Möglich wird es durch eine automatisierte Onlineabwicklung und Authentifizierungsverfahren per Webcam. Auf diese Weise können kurzfristige Zahlungsengpässe leicht überbrückt werden – beispielsweise, wenn im laufenden Betrieb Lieferanten bezahlt werden müssen. Insbesondere in den ersten Monaten muss davon ausgegangen werden, dass das Geschäftsmodell noch nicht tragfähig ist und es häufiger zu finanziell angespannten Situationen kommt – nicht immer ist es dann möglich, den Kreditrahmen bei der Bank zu erhöhen. Neben der schnellen und einfachen Bewilligung sowie den insgesamt geringen Kredit zum ist auch die kurze Rückzahlfrist für den Mikrokredit typisch: Durch diese Art der Finanzierung können beispielsweise einige Wochen überbrückt werden, bis ein Kunde seine Rechnung zahlt.

Fazit: Mikrokredite als sinnvolle Überbrückungsfinanzierung nutzen

So zeigt sich am Ende: Prinzipiell gelten für Existenzgründer mit Migrationshintergrund ähnliche Voraussetzungen wie für die deutsche Mitbewerber. Sofern arbeitsrechtliche Fragen geklärt sind und auch eine entsprechende Qualifikationen nachgewiesen werden können, sind es vor allem finanzielle Hürden, die genommen werden müssen. Je nach Branche und finanziellen Möglichkeiten ist ein Bankkredit oft unabdingbar. Zusätzlich können private Mikrokredite, die online beantragt werden, dabei helfen, kurzfristige Zahlungsengpässe zu überbrücken.

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