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Die richtigen Werkzeuge

Wie kann ich im Internet Falschmeldungen und Social Bots erkennen?

Immer häufiger nehmen Falschmeldungen und Social Bots Einfluss auf die politische Meinungsbildung. Oft sind sie ausländerfeindlich und schwer festzustellen, ob es sich um Gerüchte handelt. Ein paar Werkzeuge, gefälschte Nachrichten oder Bilder zu erkennen, gibt es aber doch. Elisa Makowski fasst sie zusammen:

„Man muss einen Riecher entwickeln, um bemerken zu können, dass eine Information im Internet nicht stimmen kann“, sagt Andre Wolf von „Mimikama„. Die österreichische Initiative kämpft gegen Falschmeldungen und Gerüchte im Internet. Mit ein bisschen Übung falle es aber leichter, feststellen, ob eine Behauptung wahr ist oder nicht. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst gibt Wolf das nötige Rüstzeug an die Hand:

– Wenn eine Meldung sehr einseitig, dramatisierend oder überspitzt sei, sollte man stutzig werden: Was ist die Quelle? Ist ein Artikel verlinkt, überprüft man auf der Website das Impressum. Gebe es dort keinen Ansprechpartner oder sei eine Adresse im Ausland genannt, könne das ein Hinweis auf eine Fälschung sein. „Je seriöser und transparenter das Impressum ist, je glaubhafter der Inhalt der Seite“, sagt Wolf. Die, die Lügen verbreiteten, hätten meist ein Impressum ohne Namen oder gar keines. Auch sei im Impressum einer Seite aufgeführt, ob es sich dabei um Satire handele. Satire arbeitet oft mit der bewussten Verbreitung von überzogenen Meldungen oder mit Übertreibungen.

– Für einen inhaltlichen Faktencheck empfiehlt Wolf die Schlagzeile der Meldung zu kopieren und in die Google-Suche einzugeben. Wenn diverse, 20-30 Seiten, dieselbe Meldung verbreiteten, sei diese mit Vorsicht zu genießen. „Ein journalistischer Text mit seriösen Quellen ist keine Massenkopie.“

– Die „Königsdisziplin“ ist der Bildercheck, sagt Wolf: „Ich muss mich fragen: Passen die Bilder zum Inhalt?“ Oft habe man es im Internet mit sogenannten „Hybrid-Fakes“ zu tun. Bild und Text seien jeweils echt, aber der Kontext, in dem sie entstanden seien, sei unterschiedlich. So sei nach den Silvester-Attacken gegen Frauen in Köln ein Video verbreitet worden, das ursprünglich aus Kairo stammte. Man müsse sich dann kritisch fragen: „Was sehe ich auf dem Video, kann das stimmen?“

– Über die Google-Suche „Bilder“ ließe sich manchmal herausfinden, in welchem Kontext ein Foto aufgenommen worden sei. Rechts neben der Suchzeile gibt es ein Kamerasymbol, über das man entweder ein Bild hochladen oder die URL eines Bildes einfügen kann. „Google spuckt dann Parallelfundstellen aus, und so lässt sich manchmal feststellen, wann das Bild aufgenommen wurde und wo.“ Suchmaschinen böten weiter Suchfilter an, die man nutzen könne: Größe des Bildes, Nutzungsrechte, wie lange das Bild bereits im Umlauf sei.

– Auch könne man Social Bots erkennen – wenn auch nicht so einfach. Manipulierende Social Bots suchten bewusst nach Negativdarstellungen zum Beispiel über Flüchtlinge und retweeteten sie. Das Gefährliche: Sie wirkten so menschlich wie möglich. „Sie posten also auch mal ein Katzenbildchen oder legen auch mal Ruhephasen ein und posten gar nichts.“ Die einzige Möglichkeit, zu entscheiden, ob sie Fakes sind, sei die Verwicklung in ein Gespräch. „Antworten tun sie vielleicht, aber sehr rudimentär, schwammig und ausweichend.“ Zudem präsentierten sie sich oft nach dem selben unglaubwürdigen Muster. „Wir nennen das das ‚Jeanne d’Arc-Prinzip‘: Das Profilbild zeigt eine selbstbewusste, junge, hübsche Frau mit Vorliebe zu Verteidigungssportarten“, sagt Wolf. Das Profil präsentiere sich ikonenhaft und so, als verfüge es über eine begründete, politische Meinung.

– Zuletzt appelliert Wolf an die Reflexions- und Kritikfähigkeit: Wenn eine Behauptung Ängste bediene, wirke sie immer glaubhaft. „Gefühlte Wahrheiten werden gerne akzeptiert.“