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Vermisst

Immer mehr Flüchtlingen suchen nach vermissten Personen

Die Zahl der Anfragen von Flüchtlingen, die nach vermissten Familienmitgliedern suchen, ist im Vergleich zum Vorjahr um 70 Prozent angestiegen. An erster Stelle geht es um afghanische Familien.

Immer mehr Flüchtlinge versuchen über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), ihre vermissten Familienangehörigen zu finden. Bis zum Jahresende würden insgesamt rund 2.800 Gesuche von Flüchtlingen erwartet, berichteten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf das DRK. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem es 1.636 Anfragen gab. Verglichen mit 2014 ist es sogar ein Anstieg um 160 Prozent.

Allein von Januar bis Ende September dieses Jahres gingen laut DRK bereits 2.200 neue Suchanfragen nach Angehörigen ein. Viele Anfragen betreffen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, wie es hieß. Im Jahr 2015 habe es 345 Suchanfragen gegeben, bei denen Eltern ihre Kinder oder Minderjährige ihre Angehörigen suchten. Von Januar bis Ende September 2016 seien es bereits 900 Fälle gewesen.

„An erster Stelle geht es hierbei um afghanische Familien, die auf der Flucht von ihren Kindern getrennt wurden“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters den Funke-Zeitungen. „Afghanen wenden sich besonders häufig an den Suchdienst, weil sie im Vergleich etwa zu Syrern meist nicht so guten Zugang zu Internet und sozialen Netzwerken haben.“ Nach Angaben des DRK stellen auch viele syrische, somalische, eritreische und irakische Flüchtlingsfamilien Anfragen. Der Suchdienst übernehme auch die Beratung der Betroffenen, wenn es um Familienzusammenführung gehe.

Folgen des Zweiten Weltkrieges

Laut Rotem Kreuz bewegen sich auch die Anfragen zur Klärung des Schicksals von Kriegs- und Zivilgefangenen, Vermissten der Wehrmacht und Zivilverschleppten des Zweiten Weltkriegs „weiterhin zahlenmäßig auf sehr hohem Niveau“. Von Januar bis Ende September dieses Jahres seien 6.946 Anfragen dazu eingegangen. Seiters sprach von „ganz beachtlichen Zahlen“, die zeigten, „wie sehr die Folgen des Zweiten Weltkrieges auch heute noch in die Familien hineinwirken und wie groß das Interesse ist“.

Vor allem die Kinder- und Enkelgeneration sei hier sehr aktiv, wenn es um das Schicksal ihrer Angehörigen gehe, erklärte der DRK-Präsident. Diese Aufgabe werde das DRK noch auf alle Fälle bis Ende 2023 fortführen. (epd/mig)