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Blau-Schwarz

Ein grausamer Blick ins nächste Jahr

Wir schreiben das Jahr 2017. Die rechtspopulistische AfD hat die Bundestagswahlen mit 32 Prozent der Stimmen gewonnen. Die große Koalition heißt jetzt Blau-Schwarz. Von Hakan Demir

Die rechtspopulistische AfD schlägt sich auf die Brust, als ob sie gerade die römischen Legionen im Teutoburger Wald zurückgeschlagen hätte. Mit 32 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl im Herbst 2017 ist sie die stärkste Kraft. Die Kanzlerin heißt Frauke Petry und will die „Ausschaffung von Ausländern“ und die „Beendigung der eingetragenen Lebenspartnerschaft“.

Die biedere Kurzfrisur namens Frauke Petry ist die neue Kanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. Die „Süddeutsche Zeitung“ bringt am Tag der Vereidigung eine fast leere Titelseite mit der Aufschrift „Uns fehlen die Worte“. Der Autoverleiher „Sixt“ wirbt dagegen mit einem Bild vom Schlagerstar Wolfgang Petry und Neu-Kanzlerin Frauke Petry. Links auf dem Bild das Gesicht von Wolfgang mit dem Spruch „Petry vor der Cabrio-Fahrt mit einem BMW 1er“ und rechts das einer süffisant lächelnden Frauke mit dem Text „Petry nach der Cabrio-Fahrt mit einem BMW 1er“.

Die Machomens dieser Welt Wladimir Putin, Donald Trump und Victor Orbán, die allesamt das Charisma eines Ringers aus den späten 1980er besitzen, waren die ersten ausländischen Staatschefs die Petry zur neuen Kanzlerschaft gratulierten. Die französische Präsidentin Marine Le Pen entsandte ihre Glückwünsche auf einer eigens dafür anberaumten Pressekonferenz in Paris.

Die rot-rot-grüne Opposition veranstaltet auch Pressekonferenzen und versteht immer noch nicht, weshalb die Union in eine Koalition mit der AfD gegangen ist. Dabei sprangen für die auf 25 Prozent reduzierte Union unter anderem drei wichtige Posten heraus: Finanz-, Außen- sowie -Innenministerium oder anders gesagt – Seehofer – Von der Leyen und De Maizière.

Das deutsche Volk hat sich schon längst entschieden. Sie will eine rechte Regierung. Pegida gibt es nicht mehr. Die Übernahme der Macht ist erfolgt; die anderen Parteien geschasst wie Füchse in einem englischen Wald.

Justizministerin Beatrix von Storch sowie Fraktionschef Björn Höcke erklärten jüngst auf der Bundespressekonferenz, dass die ersten Gesetzentwürfe zur „Ausschaffung von Ausländern“, „Beendigung der eingetragenen Lebenspartnerschaft“ und „massiven Förderung der deutschen Geburtenrate“ nächste Woche im Kabinett beschlossen werden. Das sei erst der Anfang. Man habe noch viel vor, erklärte Regierungssprecher Udo Ulfkotte, von dem aus Regierungskreisen zu hören ist, dass er sich gegen den weniger wortgewandteren Agitator Akif Pirincci durchgesetzt habe.

In Deutschland brennen unterdessen Häuser von Linken, Migranten und allen, die weitestgehend für eine buntere Gesellschaft einstehen. Die Rechten marschieren sorglos wie eine Büffelhorde aus alten Western-Filmen durch die deutschen Prärien und knüppeln auf Menschen ein, die nicht mitmarschieren.

„Der Spiegel“ titelt in seiner kommenden Ausgabe „Deutschland ist verloren – wie es dazu kam, was ist“. Auf der Titelseite ist das DIN-A4-umspannende Konterfei von Frauke Petry in braune Farbe getunkt.