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Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) über die doppelte Staatsbürgerschaft, Neujahrsempfang am 17. Januar 2010

Trump-Sieg macht Sorgen

Weniger Hilfe, aber mehr Macht für Afrikas Machthaber

Die Giftliste ist lang: Trump will Afrikaner aus den USA ausweisen, zollfreie Importe für afrikanische Länder beenden und Entwicklungshilfe streichen. Und ansonsten Afrika mit seiner Not und seinen Problemen einfach ignorieren.

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Donald Trump © Gage Skidmore @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Nach der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten sind viele Afrikaner ähnlich ratlos und besorgt wie Menschen in Deutschland. Nur wenige sind überzeugt, dass alles bleibt, wie es ist. „Es wird sich nicht viel ändern, weil Afrika und die USA wie bisher der realpolitischen Logik folgen werden“, sagt Mamadou Thior, Journalist beim senegalesischen Rundfunk.

Doch die Mehrheit der Kommentatoren in Afrika glaubt, dass Trump die bisherige Realpolitik außer Kraft setzen wird – so etwa Boubacar Sanso Barry von der Online-Zeitung „Le Djely“ im westafrikanischen Guinea: „Die kleinen und großen Diktatoren des Kontinents werden sich mit einem Präsidenten Trump weniger Sorgen machen müssen als bisher.“

Für Barrys Einschätzung spricht, dass Autokraten wie Burundis Präsident Pierre Nkurunziza oder der seit 30 Jahren regierende Präsident Ugandas, Yoweri Museveni, zu Trumps ersten Gratulanten gehörten. Sie setzen darauf, dass Trump die Rolle der USA als Weltpolizist wie im Wahlkampf versprochen tatsächlich einstellen und Afrika sich selbst überlassen wird. Der wachsenden Zahl von Diktatoren und Despoten käme das gerade recht. Europa bliebe dann allein die Rolle, Menschenrechte einzufordern.

Wenn Trump über Afrika sprach, dann abfällig

In der Rede, die Trump im April zu seiner Außenpolitik hielt, kam keine einzige der 54 afrikanischen Nationen vor. Kenias Ex-Premier Raila Odinga hatte für Hillary Clinton mit dem Argument geworben, sie habe wenigstens eine Afrikapolitik. „Ich weiß nicht, ob die Republikaner eine haben – wenn ja, dann habe ich davon noch nichts gehört“, sagte er im Juli dem US-Magazin Newsweek. Wenn Trump im Wahlkampf über Afrika sprach, dann abfällig. In Südafrika herrsche ein „absolutes und sehr gefährliches Durcheinander“, twitterte er etwa im April 2015. Besonders laut aber hetzte er gegen Afrikaner in den USA.

Am Wochenende vor der Wahl erklärte Trump, der Bundesstaat Minnesota habe genug unter den dort lebenden somalischen Flüchtlingen gelitten, die potenzielle Terroristen seien. Das ging auch gegen die dortige Kandidatin für das US-Repräsentantenhaus, Ilhan Omar. Dennoch wurde sie am Dienstag gewählt. Bei einer Wahlkampfrede in Wisconsin kündigte Trump an, Afrikaner massenhaft auszuweisen. „Warum bleiben sie nicht in ihren eigenen Ländern? Weil die Regierungen korrupt sind, sie rauben ihre Bevölkerung aus, und dann kommen die Menschen hierher und nehmen uns die Arbeit weg.“ Wenn er Präsident werde, werde er alle Afrikaner nach Hause schicken, drohte Trump. Eine Liste mit 19 Nationalitäten lieferte er gleich mit.

Trumps Einwanderungspolitik würde Afrika hart treffen

Sollte Trump tatsächlich die Einwanderungspolitik der USA verschärfen, würde das Afrika hart treffen. Denn viele Afrikaner leben und arbeiten in den USA und schicken Teile ihres Einkommens an Verwandte in der Heimat. Diese Überweisungen gehören in den meisten afrikanischen Ländern zu den wichtigsten Devisenquellen.

Afrikas Landwirten und Unternehmen könnte es zeitgleich schwerer gemacht werden, in die USA zu exportieren. Das bis 2025 laufende Freihandelsabkommen Agoa sichert vielen afrikanischen Ländern zollfreie Einfuhren zu – zuletzt in Höhe von 4,1 Milliarden US-Dollar, Öl nicht mitgerechnet. Welche Staaten von Agoa profitieren, entscheidet der US-Präsident jährlich neu. Trump, der angekündigt hat, Freihandelsabkommen abzuschaffen, könnte ganz einfach kein Land auswählen. Verhandeln muss er dafür mit niemandem.

Afrika droht wirtschaftliche Not

Die größte wirtschaftliche Not droht Afrika indes, wenn die Trump-Regierung – wie angekündigt – die Entwicklungshilfe drastisch kürzen würde. 2015 gaben die USA gut 31 Milliarden Dollar dafür, mehr als irgendein anderes Land. Zahlungen der USA an die UN sind dabei noch nicht mitgerechnet. Laut sagt es noch niemand, doch die Ängste in vielen afrikanischen Hauptstädten sind groß. Denn die fehlenden Milliarden könnten bestenfalls Wirtschaftskrisen, schlimmstenfalls Bürgerkriege auslösen. Trump würde sich nach allem, was man bisher wissen kann, für diese Folgen nicht verantwortlich fühlen.

Genau in dieser Ignoranz des Kontinents sehen Politologen eine weitere Gefahr, die sich nicht in Dollar ausdrücken lässt. Auch Trumps wiederholte Hetze gegen Muslime könnte manchen Afrikaner, der sich als Verlierer fühlt, in die Arme radikal-islamischer Terrorgruppen wie Al-Shabaab oder Boko Haram treiben. Dass Trump afrikanische Regierungen im Anti-Terrorkampf kaum unterstützen wird, stärkt das Selbstbewusstsein und die Lukrativität des Terrors. Afrika könnte am Ende der Ära Trump nicht nur ärmer, sondern auch instabiler sein als je zuvor. (epd/mig)

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