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Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Studie

Bildungssystem muss sich auf 200.000 neu eingewanderte Schüler einstellen

Rund 200.000 schulpflichtige Personen sind 2015 neu nach Deutschland eingewandert. Einer aktuellen Studie zufolge müssen sich Schulen darauf einstellen. Handlungsbedarf gibt es auch bei den Regelungen zur Schulpflicht.

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Schüler in der Mensa (Symbolfoto) © USDAgov @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Im Jahr 2015 sind rund 200.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter (6 bis 18 Jahre) neu nach Deutschland eingewandert. Damit hat sich ihr Anteil an der Gesamtschülerschaft seit 2014 von einem auf zwei Prozent verdoppelt. Erweitert man die Gruppe auf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 0 bis 25 Jahren, die potenziell Zugang zu Angeboten im Bildungssystem benötigen, steigt die Zahl auf 640.000. Das zeigt eine Untersuchung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache und des Zentrums für Lehrerbildung der Universität zu Köln.

„Das Bildungssystem muss sich nicht nur auf die Kinder und Jugendlichen einstellen, die derzeit neu nach Deutschland zuwandern, sondern auch jene im Blick behalten, die schon länger hier sind. Sie benötigen weiterhin Sprachförderung im Deutschen. Migration ist ein dauerhaftes Phänomen. Wir begrüßen daher, dass die Kultusministerkonferenz sich in der letzten Woche dazu bekannt hat, Strukturen, Konzepte und Qualifizierungsangebote auf Dauerhaftigkeit auszurichten“ schlussfolgert Prof. Dr. Michael Becker-Mrotzek, Direktor des Mercator-Instituts.

Für die Studie wurden Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015 und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) aus dem Jahr 2015 sowie der ersten Jahreshälfte 2016 ausgewertet. Die aktuelle Untersuchung baut auf einer im Oktober 2015 veröffentlichten Auswertung auf.

Regionale Unterschiede größer geworden

Die Unterschiede zwischen den Regionen haben sich 2015 gegenüber dem Vorjahr sichtbar verstärkt: Während der Anteil neu Eingewanderter an der Gesamtzahl 6 bis 18-jähriger in Brandenburg bei 1,4 Prozent liegt, verzeichnen das Saarland und Bremen 3,6 Prozent. 2014 lag der Durchschnitt in allen Bundesländern zwischen 0,6 und 1,8 Prozent.

Download: Die Studie „Neu zugewanderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“ kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.

Nicht nur regional, sondern auch zwischen den Schulformen zeigt sich ein deutliches Ungleichgewicht: Mehr als ein Drittel der neu Einwandernden im schulpflichtigen Alter ist zwischen 15 und 18 Jahre alt und benötigt Bildungsangebote an Gymnasien oder beruflichen Schulen. „Diese Tendenz hat sich gegenüber dem Vorjahr noch einmal verstärkt. Daher kommt es jetzt darauf an, insbesondere im Berufsschulbereich und am Übergang zwischen Schule und Arbeitsmarkt neue Angebote zu schaffen“, fordert Mona Massumi, abgeordnete Lehrerin am Zentrum für Lehrerbildung.

Regelungsbedarf bei Schulpflicht

Kaum Veränderungen hat es seit 2014 bei der Regelung der Schulpflicht gegeben. Es hängt noch immer vom Bundesland ab, wann die Schulpflicht für Asyl suchende Kinder greift. In einigen Bundesländern gilt sie von Anfang an, in anderen erst nach drei oder sechs Monaten Aufenthalt.

„Die Kultusministerkonferenz hat zwar erklärt, dass schulische Angebote von Anfang an bereit gestellt werden und nicht zwischen geflüchteten und nicht geflüchteten jungen Menschen unterschieden wird. Die Studie zeigt jedoch, dass es hier noch enormen Handlungsbedarf gibt, denn der Zugang zu Bildung für Asyl suchende Kinder ist noch immer erschwert. Es ist Aufgabe der Länder, den Schulzugang gesetzlich zu verankern und die Umsetzung sicherzustellen. Kein Kind sollte vom Schulbesuch ausgeschlossen werden“, sagt Dr. Nora von Dewitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mercator-Institut (sb)

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