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Migration und Integration in Deutschland

Niemand lässt sich so gut ausbeuten wie Mitglieder einer Gemeinschaft, die ohne Hilfe der anderen in Deutschland nicht überleben können – illegal und ohne Sprachkenntnisse.

Neske/Heckmann/Rühl, Menschenschmuggel, 2004

Einwanderung

Mit der BlueCard gegen den Fachkräftemangel

Die Einwanderung nach Deutschland wurde mit der Einführung der „Blue Card“ deutlich vereinfacht. Trotz der guten Infrastruktur machen viele Fachkräfte aber einen Bogen um Deutschland. Grund ist die Sprache.

Check-in am Flughafen - Einwanderung © MiG
Check-in am Flughafen - Einwanderung © MiG

Einwandern nach Deutschland ist in den letzten Jahren deutlich einfacher geworden. Nachdem die BlueCard zunächst nur für Akademiker den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt geöffnet hat, können sich seit Juli 2013 Ausländer auch für „mittlere“ Berufe bewerben, für die es im Inland nicht ausreichend Fachkräfte gibt. Lesen Sie hier, wie sich die Einwanderung in den vergangenen Jahren entwickelt hat, und wo der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften aus dem Ausland besonders hoch ist.

Deutschland als Einwanderungsland

Deutschland ist aus Sicht vieler Einwanderer attraktiv. Es locken gute Gehälter und eine Infrastruktur im Gesundheits- und Bildungssystem, die oft besser ist als im Herkunftsland. Gegenüber den klassischen Einwanderungsländern ist allerdings die Sprache ein Nachteil: Viele potentielle Einwanderer sprechen bereits gut Englisch und können in den USA, Australien oder Großbritannien leichter durchstarten. In Deutschland dauert es länger, bis sie die Sprache soweit beherrschen, dass sie Beruf und Alltag bewältigen können. In dieser Situation sind beispielsweise im Finanzbereich kompetente Berater hilfreich. Erfahrene Finanzberater führen ihre Kunden sicher durch den deutschen Versicherungsdschungel.

Zuwanderung steigt, Fachkräftemangel bleibt

Das Statistische Bundesamt schätzt die Zuwanderung für 2015 auf 900.000 Menschen. Im vergangenen Jahr waren es vor allem Flüchtlinge, die die Zahlen ansteigen ließen. Bis allerdings die neu angekommenen Flüchtlinge die für den deutschen Arbeitsmarkt nötigen Qualifikationen haben, wird es noch eine Weile dauern. Daher ist der Fachkräftemangel nach wie vor ein großes Problem für Unternehmen und öffentliche Arbeitgeber. Der Mittelstand beispielsweise befürchtet Umsatzeinbußen, weil offene Stellen nicht besetzt werden können. 62 Prozent der befragten Unternehmen können freiwerdende Stellen nicht besetzen, ergab eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Schätzungen kommen auf 360.000 offene Stellen im Mittelstand.

BlueCard auch für Fachkräfte

Umso wichtiger sind die Einwanderungsregeln, mit denen gut qualifizierte Fachkräfte nach Deutschland kommen können. 42.000 Arbeitnehmer erhielten in den vergangenen vier Jahren eine sogenannte BlueCard. Diese galt ursprünglich für besonders qualifizierte Akademiker, insbesondere Ingenieure und Informatiker, wurde inzwischen aber erweitert. Denn nicht nur bei Akademikern bleiben viele Stellen unbesetzt, Arbeitgeber suchen inzwischen auch händeringend Fachkräfte aus dem „Mittelbau“ – der Stellenmarkt für Krankenschwestern, Elektriker und Lokführer ist wie leergefegt. Seit Mitte 2013 erstellt die Bundesagentur für Arbeit regelmäßig eine Positivliste für Berufe von der Fachkraft für Metalltechnik bis zum Augenoptikermeister. Voraussetzung für die BlueCard ist, dass die Berufsqualifikation der Bewerber der deutschen Ausbildung gleichwertig ist und dass in dem Beruf tatsächlich ein Engpass besteht.

Anerkennung von Berufsabschlüssen

Die BlueCard ist nicht die einzige Maßnahme, mit der Deutschland in den vergangenen Jahren die Einwanderung erleichtert hat. Ein wichtiger Schritt ist die verbesserte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse. Dafür wurde das Verfahren der Anerkennung vereinheitlicht und ein Informationsportal eingerichtet. Dort können Interessenten bereits aus dem Ausland ihre Abschlüsse überprüfen lassen. Zusätzlich beraten Stellen vor Ort die Arbeitskräfte und ebnen so den Weg in den deutschen Arbeitsmarkt.

Nach ihrem Abschluss haben ausländische Studierende von außerhalb der EU bis zu 18 Monate Zeit, einen passenden Arbeitsplatz zu suchen oder ein Unternehmen zu gründen. In dieser Zeit dürfen sie jobben und sich ihren Lebensunterhalt verdienen. Sobald sie eine Stelle gefunden haben, erhalten sie die Aufenthaltserlaubnis für die Beschäftigung. Diese Regelung hat Vorteile für alle Seiten: Arbeitgeber können hervorragend ausgebildete junge Menschen einstellen, die das Leben in Deutschland kennen und die deutsche Sprache sprechen. Junge Ausländer können Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sammeln. Dabei muss der Arbeitgeber nicht prüfen, ob eine andere Person eventuell Vorrang hat – mit dem Studienabschluss sind ausländische Studierende den deutschen Bewerbern gleichgestellt.

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5 Kommentare
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  1. Chris Pyak sagt:

    Tatsächlich ist Sprache das Haupthindernis für internationale Fachkräfte in Deutschland. Ich erlebe dass in meiner Beratung jeden einzelnen Tag.

    Völlig unverständlich übrigens: Für praktisch alle Berufe für die am meisten Fachkräfte gesucht werden, ist eine lokale Landessprache nicht erforderlich. (Software Developer müssen nicht zwingend Deutsch sprechen).

    Die Blaue Karte hat viel erleichtert – aber die Unternehmen müssen flexibler werden: Nur 3.5% aller offenen Stellen in Deutschland werden auch auf Englisch angeboten.

    Johannnes Vogel, der Generalsekretär der FDP NRW war Co-Sponsor des Gesetzes zur Blauen Karte. Mit ihm und internationalen Fachkräften haben wir ausführlich über diese Themen diskutiert:
    http://www.immigrantspirit.com/expats-career-podcast-12-johannes-vogel-general-secretary-fdp-nrw-blue-card-immigration-law/

  2. Realist sagt:

    Tatsächlich sind hohe Steuern und Sozialabgaben die größte Barriere. In den USA ist man da halt viel besser dran.

    Chris Pyak

    „Völlig unverständlich übrigens: Für praktisch alle Berufe für die am meisten Fachkräfte gesucht werden, ist eine lokale Landessprache nicht erforderlich. (Software Developer müssen nicht zwingend Deutsch sprechen).“

    Das ist alles Fachsimpelei. Die meisten Zuwanderer in Deutschland kommen aus bildungsfernen Schichten. Meinen Sie im Ernst, dass die alle feinstes Oxford-Englisch sprechen? Außerdem: Wieso sollen wir Englisch reden, wenn Deutsch unsere Muttersprache ist?

  3. aloo masala sagt:

    Was für ein Fachkräftemangel? Der verlinkte Spiegel-Artikel ist kein Beleg für einen Fachkräftemangel. Die Untersuchung wurde von Ernst & Young durchgeführt. Das ist kein unabhängiger Verein und auch keine Institution, die Arbeitnehmerinteressen vertritt, sondern Lobbyisten, die Interessen von Konzernen dienen.

    Nur weil Ernst & Young Lobbyisten sind, folgt zwar nicht, dass es keinen Fachkräftemangel gibt. Doch es gibt andere Studien, die das Gegenteil behaupten. Und es gibt keinen Migazinartikel, der sich mit diesem Thema kritisch auseinander setzt.

    Migazin-Autoren brauchen den Fachkräftemangel, weil sie – salopp formuliert – irgendwie „für Einwanderer sind“. Das ist sicher sehr lieb gemeint, kann jedoch auch nachteilig für Einwanderer sein. Denn der Begriff „Fachkräftemangel“ könnte ein Instrument sein, um Löhne zu drücken. Das wäre nichts neues in der Geschichte der freien Marktwirtschaft. In diesem Fall wären Flüchtlinge und Einwanderer nichts anderes als billiges Humankapital und Migazin wäre der Trottel vor dem Karren der Marktwirtschaft, der sich unfreiwillig für die Ausbeutung von Einwanderern und auch Deutschen stark macht. Deswegen erneut meine Aufruf an Migazin, sich diesem Sachverhalt auch einmal kritisch zu stellen.

  4. Sachse sagt:

    @aloo_masala Endlich mal ein sinnvoller Kommentar!

  5. Ochljuff sagt:

    Hohe Steuern und Sozialabgaben? Die sind bei hohen Löhnen kein Hindernis, sofern diese dann auch eine gute, soziale Infrastruktur (Kindergärten, Krankenhäuser, Bildung) finanzieren. Dies macht Deutschland attraktiv, da sind sehr viele Arbeitnehmende dann auch bereit, höhere Abgaben zu zahlen, als in unsozialeren Ländern, bei denen eine gute soziale Infrastruktur fehlt oder eben dann doch teurer (weil privat) ist.



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