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Hessen will Muslimverband Ditib überprüfen

Die hessische Landesregierung will die Eignung des türkisch-islamischen Verbands Ditib als Kooperationspartner für den Islamunterricht überprüfen. Hintergrund seien die politischen Entwicklungen in der Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch, sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Landesregierung wolle überprüfen, ob die Verbindungen von Ditib zur türkischen Regierung zu eng sind. In der Praxis gebe es bisher aber keine Rückmeldung, die Anlass zu Bedenken böte.

Die schwarz-grüne Landesregierung wolle die fortwährende Verlässlichkeit des Kooperationspartners für den islamischen Religionsunterricht von einem unabhängigen Gutachter überprüfen lassen, bekräftigte Lorz eine frühere Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Das Gutachten werde sich aber nicht mit dem Religionsunterricht befassen, ergänzte der stellvertretende Pressesprecher des Kultusministeriums, Philipp Bender. Der Unterricht selbst laufe ruhig und zuverlässig.

Ditib wesentliche Stütze des Islamunterrichts

Die Lehrkräfte würden vom Staat eingestellt, aber die Religionsgemeinschaften müssten mit ihnen einverstanden sein, erläuterte Lorz. Bisher habe Ditib noch in keinem Fall die Lehrerlaubnis verweigert. Wenn der Verband in Zukunft als Träger wegfiele, würde allerdings eine wesentliche Stütze des Islamunterrichts in Hessen ausfallen, räumte Lorz ein.

Die vormalige CDU/FDP-Regierung in Hessen hatte den islamischen Religionsunterricht im Schuljahr 2013/2014 zunächst an 27 Grundschulen eingeführt. Gutachter hatten bescheinigt, dass der Verband Ditib und die Ahmadiyya Muslim Jamaat als Kooperationspartner im Sinne des Grundgesetzes geeignet seien.

Bereits vor Wochen hatten die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen Verhandlungen mit Muslimverbänden auf Eis gelegt. Auch dort wurden Fragen zur Abhängigkeit von Ditib von der türkischen Regierung aufgeworfen. (epd/mig)