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Migration und Integration in Deutschland

Wenn ich mir die Hauptschulen in Ballungszentren anschaue, sehe ich es als zentralen bildungspolitischen Auftrag für diese Schulart, dass sie […] Schülern ein niederschwelliges Bildungsangebot macht […]. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Präsident der Kultusministerkonferenz Ludwig Spaenle (CSU), taz, 20. Januar 2010

OECD

50 Prozent der Flüchtlinge nach fünf bis sechs Jahren in Arbeit

OECD warnt vor übersteigerten Erwartungen an eine schnelle Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Die Motivation der Flüchtlinge sei hoch und die allgemeine Wirtschaftslage positiv, dennoch sei das ein langer Prozess.

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Ein Bauarbeiter © dustpuppy auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kann Deutschland nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) heute erfolgreicher sein als noch vor wenigen Jahren. Es bestehe Hoffnung, weil die Beschäftigungssituation insgesamt gut sei und viele Verbesserungen für die Integration gemacht worden seien, sagte OECD-Experte Thomas Liebig am Mittwoch bei der Vorstellung einer Erhebung von Daten aus dem Jahr 2014. Damals dauerte die Job-Integration sehr lang, Deutschland war in vielen Punkten Schlusslicht. Auch Jutta Cordt, Leiterin der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Berlin, geht heute von schnelleren Wegen in Arbeit aus.

Der Studie zufolge dauerte es 2014 rund zehn Jahre, bis die Mehrheit der Flüchtlinge in Beschäftigung war. Bis zu 20 Jahre dauerte es, bis die Beschäftigungsquote bei Flüchtlingen das Niveau der Inländer erreicht hatte. Cordt, die laut Medienberichten zum Jahreswechsel die Leitung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge übernehmen soll, sagte am Mittwoch in Berlin, sie gehe davon aus, dass heute nach fünf bis sechs Jahren 50 Prozent der Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt integriert seien.

Fortschritte bei der Sprachvermittlung

Neben der Beschäftigungssituation führt Liebig die Fortschritte bei der Sprachvermittlung ins Feld. 2014 war Deutschland seiner Erhebung zufolge Schlusslicht im europäischen Vergleich. Nur 40 Prozent der Flüchtlinge erreichten damals das fortgeschrittene Sprachniveau B1, das nach Liebigs Worten in der Regel ausreichend für eine Arbeitsstelle ist. Seitdem ist das Angebot an Sprachkursen nicht zuletzt durch den Andrang Asylsuchender im vergangenen Jahr ausgeweitet worden. Aktuell verließen rund 60 Prozent der Teilnehmer die Kurse mit Sprachkenntnissen auf diesem Niveau, sagte Liebig.

Cordt unterstrich bei einer Veranstaltung von Evangelischer und Katholischer Akademie in Berlin, dass die Bundesagentur versuche, Flüchtlinge möglichst früh in Kurse, Fortbildungen, Praktika und Jobs zu vermitteln. Als Leiterin der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg startete sie im Juli ein Pilotprojekt, bei dem Mitarbeiter der Agentur bereits ab Asylantragstellung eingebunden sind, um Qualifikationen zu erfassen und Angebote zu vermitteln.

Cordt sagte, die Motivation der Flüchtlinge sei sehr hoch. Auch über fehlendes Engagement der Arbeitgeber könne sie in Berlin und Brandenburg nicht klagen. Sie betonte aber auch, dass die Beschäftigung mit Flüchtlingen bislang unbekannte Hürden mit sich bringe. Arbeitgeber müssten bedenken, dass Zeitbudgets für Behördengänge nötig seien und die Aufgeschlossenheit gegenüber Flüchtlingen in den Belegschaften unterschiedlich sei.

Albig: Flüchtlingen auf dem Bau eine Chance geben

Derweil hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Bauwirtschaft dazu aufgerufen, Flüchtlingen auf dem Bau eine Chance zu geben. Das Bauhandwerk benötige viele gute Mitarbeiter. „Viele sind noch nicht auf dem Stand, um sofort Facharbeiten machen zu können. Aber es liegt an uns: Wir können sie zu Facharbeitern machen“, sagte Albig am Mittwoch zum Auftakt der Messe Nordbau in Neumünster. Nach den Worten des Ministerpräsidenten gibt es deutschlandweit so viele Baugenehmigungen wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum für die ankommenden Flüchtlinge und für alle, die bereits in unseren Städten wohnen. Nur so wird Integration inmitten der Quartiere gelingen und der soziale Frieden gewahrt werden“, unterstrich der SPD-Politiker.

Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge in der EU und in Deutschland sind laut OECD- und BA-Zahlen Männer. Dennoch mahnt Liebig an, besonderes Augenmerk auch auf die Beschäftigung von Frauen zu legen. Während 2014 die gesamte Beschäftigungsquote der Flüchtlinge der OECD-Studie zufolge bei 57 Prozent lag, waren nur 42 Prozent der geflüchteten Frauen in Jobs. Die Studie wurde zusammen von Experten der OECD und der EU-Kommission erstellt. (epd/mig)

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