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Angela Merkel, an die Türken nach der Rede des türkischen Premiers Erdogan in Köln, März 2008

Einvernehmlich

NRW und Ditib beenden Kooperation bei Präventionsprojekt

Die Ditib war in Köln Trägerin einer Beratungsstelle gegen islamischen Extremismus. Jetzt wurde bekannt, dass die Zusammenarbeit beendet ist – wegen eines Konflikts um einen Comic der türkischen Religionsbehörde. Ditib empört über „verzerrende Darstellung“ durch NRW-Innenminister.

Moschee, Minarette, Ampel, rot, Ditib, Köln
Die Ditib-Moschee in Köln-Ehrenfeld © MiG

Wegen einer Kontroverse um einen Comic aus der Türkei arbeitet das Land Nordrhein-Westfalen bei seinem Präventionsprogramm gegen islamischen Extremismus nicht mehr mit der Ditib zusammen. Grund sei, dass die Türkisch-Islamische Union (Ditib) sich nicht ausreichend von dem Comic der türkischen Religionsbehörde über den Märtyrertod distanziert habe, schrieb NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion, die dem epd vorliegt. Die Ditib, die eng mit der Religionsbehörde Diyanet verbunden ist, nannte Jägers Äußerungen verzerrend und sprach von einen „gravierenden Vertrauensbruch“.

Die Ditib war in Köln Trägerin des Präventionsprogramms „Wegweiser“, das die Radikalisierung junger Muslime durch Salafisten verhindern soll. Insgesamt gibt es nach Ministeriumsangaben acht Beratungsstellen in NRW, die jeweils von unterschiedlichen Trägern betrieben werden. Im Oktober solle ein neuer Träger die Kölner Beratungsstelle übernehmen, hieß es.

Einvernehmliche Auflösung

Die Auflösung des Vertrags mit der Ditib sei von beiden Vertragsparteien einvernehmlich vereinbart worden, schrieb Jäger in seiner Antwort auf die Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Peter Biesenbach und Serap Güler, über die zunächst die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post berichtete. Hintergrund sei die Kontroverse um den Comic der türkischen Religionsbehörde Diyanet gewesen, in dem ein Vater seinem Kind erklärt, warum der Märtyrertod erstrebenswert ist.

Jäger hatte die Ditib nach eigenen Angaben bereits im Frühjahr aufgefordert, dazu Stellung zu nehmen. „In dieser Stellungnahme konnte keine für einen Träger des Präventionsprogramms ‚Wegweiser‘ notwendige klare Neutralität beziehungsweise ausreichende Distanz davon festgestellt werden“, erklärte der Innenminister.

Ditib veröffentlicht Stellungnahme

Die Ditib veröffentlichte am Montag Auszüge aus dieser Stellungnahme. Darin heißt es, der Comic sei in der Türkei anlässlich des „Tags der Gefallenen“ veröffentlicht worden, an dem insbesondere der Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht werde. „Die Veröffentlichung in der Türkei kann vor dem Hintergrund des Gedenktages und der aktuellen Terroranschläge als ein Versuch gesehen werden, Kindern das Schicksal der im Krieg und bei Terroranschlägen getöteten Opfer zu erläutern und ihnen Trost zu spenden.“ Der Ditib-Landesverband NRW halte den Comic dennoch nicht für geeignet zur religiösen Unterweisung von Kindern und verwende ihn in seinen Gemeinden nicht.

Weil das Ministerium eine öffentliche Diskussion über den Comic unter Verweis auf eine mögliche Gefährdung des gesamten „Wegweiser“-Programms abgelehnt habe, habe man keinen Sinn mehr in einer weiteren Zusammenarbeit gesehen, erklärte die Ditib. Jägers Darstellung in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage bezeichnete der Verband als missverständlich und verzerrend. „Er hinterlässt immensen Schaden zulasten der Präventionsarbeit.“

Religionsunterricht auf der Kippe

In Regierungskreisen hieß es dem Bericht der Rheinischen Post zufolge, damit stehe nun auch die Rolle der Ditib bei der Organisation des muslimischen Religionsunterrichts in Nordrhein-Westfalen auf der Kippe. Der Verband ist über einen Beirat an der Erarbeitung von Vorlagen für den Islamunterricht beteiligt. Die Ditib erklärte dagegen am Montag, erst in der vergangenen Woche habe es aus ministeriellen Kreisen „das eindeutige Bekenntnis zu einer unveränderten, weiterhin positiven Zusammenarbeit“ beim Islamunterricht gegeben.

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei steht die Ditib, der mit Abstand größte islamische Verband in Deutschland, wegen ihrer engen Verflechtung mit dem türkischen Staat in der Kritik. Mehrere Bundesländer haben Kooperationen mit dem Verband infrage gestellt, weil sie Einflussversuche von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan befürchten. (epd/mig)

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2 Kommentare
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  1. Moscheebeobachter sagt:

    Zunächst muss ich einmal sagen Frau Malu Dreyer aus Rheinland-Pfalz ist da ganz anderer Meinung wie der Minister aus NRW oder einige andere Politiker.
    Ich habe mir einige Ditib Moscheen in verschiedenen Städten mal oberflächlich beäugelt und muss sagen, dass hier etwas übertrieben wird.
    Es scheint wieder so eine Art „den Teufel an die Wand malen“.
    Die meisten Jungendlichen bleiben von religiösen Einrichtungen eher fern, da denen dort offensichtlich nichts geboten wird.
    Die meisten, die dort öfters verweilen, sind im mittleren und fortgeschrittenen Alter. Sie haben Langeweile und wollen dort small talks mit gleichgesinnten führen. Darunter leider sehr viele aus der unteren sozialen Schicht mit niederem Bildungsstand.
    Soziales oder Ehrenamtliches Engagement sind fehl am Platze.
    Die meisten Ditib-Moscheen gleichen, ausser beim Freitagsgebet oder im Ramadan, eher irgendwelchen Teestuben gebildet durch eine Männergesellschaft wo viel getratscht wird.
    Auf meine Frage an einen Vorstandsmitglied in einer Ditib-Moschee ob ich mal ein Blick in ein Buch über den Propheten Mohamed (sav) konnte er mir kein Buch aus der Vitrine vorweisen und war total sprachlos. Auf meinen Nachhakken über das Buch hat er auf einmal keine Zeit gehabt und sich ganz schnell aus dem Staub gemacht.
    Irgendwie ist das sehr traurig……
    Kurze Rede langer Sinn:
    Ich schliesse mich der Meinung von Frau Malu Dreyer an.
    Die Ditib-Moscheen sind harmlos, Man kann und sollte mit denen sehr wohl zusammenarbeiten.
    Ich halte die mediale Darstellung in Deutschland für nicht zutreffend.

  2. […] nämlich dem DITIB Landesverband NRW, öffentlich fehlende Neutralität und Distanz vorwarf und auf Beendigung der Zusammenarbeit im Bereich der Extremismus-Prävention drängte. Die einzige islamische Religionsgemeinschaft, die […]



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