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Immer mehr Anfragen

Flüchtlinge auf der Suche nach ihrer Familie

Auf der Flucht werden Familien auseinandergerissen, Angehörige verlieren sich aus den Augen. Der Suchdienst des DRK unterstützt Flüchtlinge, Vermisste wiederzufinden oder deren Schicksal zu klären.

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) erhält immer mehr Anfragen von Flüchtlingen, die Familienangehörige vermissen. In den ersten sechs Monaten seien rund 1.400 Anfragen eingegangen, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters am Donnerstag in Berlin. Im gesamten Jahr 2015 hätten die Helfer gut 1.600 Gesuche registriert.

„In fast der Hälfte aller Fälle konnte der DRK-Suchdienst Hilfe leisten“, sagte Seiters. Der Kontakt zu Angehörigen und Familien sei wiederhergestellt oder das Schicksal der vermissten Menschen geklärt worden. Viele Anfragen beträfen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, sagte der DRK-Präsident. Allein von Januar bis Juni dieses Jahres seien knapp 500 Anfragen gestellt worden, in denen Eltern ihre Kinder oder Minderjährige ihre Angehörigen vermissten.

Afghanen such am häufigsten

Der DRK-Suchdienst arbeitet nach eigenen Angaben eng mit den weltweit 190 nationalen Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes zusammen. Wichtiger Partner ist zudem der Zentrale Suchdienst des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Die meisten Anfragen stellten afghanische Familien, sagte Seiters. Auch von Syrern, Irakern, Somaliern und Eritreern kämen viele Gesuche. Seiters fügte hinzu, viele Flüchtlinge meldeten sich erst beim DRK, wenn sie in Deutschland Fuß gefasst hätten. So sei zu erklären, dass die Anfragen beim DRK stiegen, während in diesem Jahr deutlich weniger Flüchtlinge Europa erreichten.

Suche verbessert

Die Suche nach Angehörigen sei zuletzt durch das Onlineportal „Trace-the-face“ verbessert worden, führte Seiters aus. Flüchtlinge könnten dort mit einem persönlichen Foto von sich ein Gesuch nach Familienmitgliedern aufgeben. Das Projekt sei 2013 von europäischen Rotkreuz-Gesellschaften und dem IKRK auf die Beine gestellt worden.

Der stellvertretende Leiter der DRK-Suchdienststelle, Ronald Reimann, erklärte, die Suche mit Fotos habe deutliche Vorteile gegenüber Verfahren, die mit dem Abgleich persönlicher Daten und Namen operierten. Allein zum Vornamen Mohammed gebe es etwa 70 verschiedene Schreibweisen, sagte Reimann. Oftmals fehlten auch Angaben zum Geburtsdatum oder Geburtsort, weil es in anderen Ländern teilweise nicht üblich sei, diese zu erfassen.

22 erfolgreiche Fälle

Die schriftlichen Nachforschungen über nationale Personenregister und der Abgleich in der europäischen Datenbank der Rotkreuz-Suchdienste führten deshalb oft nicht zum Erfolg, sagte Reimann. Die Internetseite „Trace-the-face“ werde daher mit großen Plakaten in Flüchtlingsunterkünften oder in Ausländerbehörden beworben.

Seit dem Start des Internetportals seien dort rund 1.250 Fotos veröffentlicht worden, sagte Reimann. In 22 Fällen sei es gelungen, die ansonsten aussichtslose Suche zu klären. (epd/mig)