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Peter Clever, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, April 2013

Köln

Knapp 40.000 Teilnehmer feierten Zerschlagung des Putsches

40.000 Türkeistämmige sind der Einladung eines breiten Bündnisses von Vereinen und Verbänden gefolgt und haben in Köln die Niederschlagung des Putschversuchs gefeiert. Die Polizei sprach von einer aufgeheizten aber friedlichen Stimmung.

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30.000 Türkeistämmige demonstrieren gegen den Putschversuch in der Türkei © TwitterPictures

DATUM1. August 2016

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RESSORTAktuell, Gesellschaft

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Etwa 40.000 Türkeistämmige haben am Sonntag in Köln demonstriert. Anlass war der vor zwei Wochen vereitelte Militärputsch in der Türkei. Das Motto der mehrstündigen Veranstaltung im Kölner Stadtteil Deutz lautete: „Ja zur Demokratie – Nein zum Staatsstreich“. Auf Transparenten hieß es unter anderem „Triumph der Freiheit“ oder „Mit allen Farben sind wir die Türkei“. Teile der Demonstranten skandierten aber auch für die Todesstrafe. Zigtausende türkische Flaggen wurden geschwungen. Unter den Rednern war auch der türkische Sportminister Akif Çağatay Kılıç. Bis zum frühen Abend verlief die Veranstaltung laut Polizei friedlich.

Ein Bündnis von fast 100 Vereinen und Verbänden hatten die Großdemonstration unterstützt. Angemeldet wurde sie von der AKP nahen Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Veranstalter und Polizei hatten im Vorfeld mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet, bis zu 50.000 Teilnehmer wurden genannt. Die Polizei vermeldete schließlich 40.000 Personen. Offenbar blieben viele Menschen aufgrund des Regenwetters zu Hause. Unter den Demonstranten waren aber auch viele dabei, die gekommen waren wegen der öffentlichen Kritik an der Kundgebung. „Jetzt erst Recht, habe ich mir gedacht“, sagte ein Teilnehmer dem MiGAZIN.

Auftakt mit türkischer und deutscher Hymne

Gegen die Großkundgebung und das harte Durchgreifen der Türkei gegen das Gülen-Netzwerk, das für den Putsch verantwortlich gemacht wird, gab es in Köln auch kleinere Gegendemonstrationen. Bis zum späten Nachmittag verliefen alle angemeldeten Veranstaltungen nach Auskunft der Polizei ohne Zwischenfälle. Trotz „aufgeheizter Stimmung“ konnte die Polizei, die insgesamt mit etwa 2.700 Kräften im Einsatz war, Ausschreitungen auch bei den Gegendemonstrationen weitgehend verhindern, sagte ein Polizeisprecher.

Die Veranstalter der Demokratie-Kundgebung wollten ursprünglich den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf einer Leinwand live zuschalten lassen. Das Bundesverfassungsgericht sprach dagegen allerdings am Samstagabend in letzter Instanz ein Verbot aus. Der Generalsekretär der UETD, Bülent Bilge, betonte bei der Großkundgebung, es gehe seiner Organisation und den Demonstranten „um ein friedliches und harmonisches Miteinander und um gegenseitigen Respekt“. Zum Auftakt der Veranstaltung wurden die Nationalhymnen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland gespielt. Zudem gab es eine Schweigeminute für die Toten des Putschversuchs vor zwei Wochen.

Im Vorfeld der Kundgebung wurde kontrovers über die Veranstaltung diskutiert. Einzelne Politiker forderten ein Demo-Verbot, andere kritisierten den Import von inntertürkischen Problemen. Die Polizei hatte großen Sicherheitsbedenken bekundet. Der Veranstalter sprach davon, dass plötzlich fest gebuchte Dienstleister plötzlich abspringen. Auf sie würde „Druck von oben“ ausgeübt.

NRW-Innenminister Jäger begrüßte am Sonntagabend den weitgehend friedlichen Verlauf der Kundgebung. Auch Kölns Oberbürgermeisterin Reker zeigte sich erleichtert, forderte jedoch eine „breite Diskussion über dieses Thema“. (epd/mig)

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13 Kommentare
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  1. aloo masala sagt:

    ZITAT: „Teile der Demonstranten skandierten aber auch für die Todesstrafe.“

    Das bedeutet, Teile der Demonstranten sprechen nicht die Sprache des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Das ist kein Problem, was sich auf Teile der türkischen Demonstranten beschränkt, sondern gleichermaßen auch Teile der deutschen Gesellschaft betrifft. Migazin weist regelmäßig und gerne auf dieses Problem hin, hat aber schlicht nicht den Mut, die Teile der deutschtürkischen Gesellschaft zu kritisieren mit denen man ebensowenig eine pluralistische und demokratische Gesellschaft bauen kann, wie mit Pegida und AfD. Erdogan wie Pegida stehen für die Spaltung einer Gesellschaft und für abgrundtiefe Verachtung von Artikel 1 des Grundgesetzes.

  2. Mindy sagt:

    Sind wir doch mal für einen Moment mal einfach nur ehrlich: Was für einen Mehrwert hat diese Demo für unser Land oder für die Welt gebracht? Nicht mal die Türkei profitiert davon…

    Das war doch einfach nur nationalistisches Getöse ohne Sinn und Verstand, gepaart mit Schadenfreude Deutschland ein bisschen provozieren zu können. Total überflüssig…

    Ich finds schade, dass man zugelassen hat dass 40000 Menschen sich bis auf die Knochen blamieren durften.

  3. Cengiz K sagt:

    ..mit denen man ebensowenig eine pluralistische und demokratische Gesellschaft bauen kann…

    So kann nur jemand reden, der über die türkische Community im Speziellen, über die muslimische im Allgemeinen, aber nicht mit ihnen redet.. Lassen Sie mich raten, Sie sind Grüner, oder? Der Unterschied allgemein zwischen Türken und Grünen ist, Türken mögen allgemein keine Terroristen.. Grüne hingegen arbeiteten gegen jegliche Emanzipation von Minderheiten, um sie besser kontrollieren zu können, bevormunden zu können.. Pegida und Grüne sind sich ähnlicher, als die freie Presse suggerieren mag.. Pegida ist konfrontativ gegen Muslime, Grüne sind es subtiler.. Ich hoffe, dass die deutschen Grünen bei den nächsten Wahlen sensationall einbrechen, die AfD-Wähler werden sich von einem Özdemir nicht so leicht ködern lassen.. Wer geht wohl zuerst unter: Özdemir oder die deutschen Grünen?

    …gepaart mit Schadenfreude Deutschland ein bisschen provozieren zu können….

    Für Sie zum Mitschreiben, die BRD besteht nicht nur aus Ihresgleichen.. Meine lange Replik im Parallelstrang wurde leider nicht veröffentlicht.. Wenn Sie sich persönlich provoziert fühlen, dann projizieren Sie das nicht auf das gesamte Land.. Ich bin deutscher Staatsbürger, und ich fand, dass die Demonstration alles in allem ein außerordentlich gutes und positives Signal gab, auch gerade weil sämtliche von der BRD geduldete extremistische Organisation von links bis rechts sich gegen „die Türken“ verbrüderten.. Querfront bis groupe d’identitaire.. Schon interessant, was der Halbmond mitten in Nordeuropa so alles auslöst, welche Bettgenossen sich da zusammen tun..

  4. Claudius sagt:

    Ich hätte mit nicht träumen lassen,hier in Deutschland je zu erleben, dass 10 Tausende von Menschen die Einführung der Todesstrafe fordern. Und: dass sie, die in der dritten Generation mit uns hier zusammen wohnen, ihr Leben geben wollten für ihr Land – sie meinten damit die Türkei. Beängstigend.
    Auch das das Werk der über 900 DITIB Moscheen, die direkt der türkischen Religionsbehörde unterstellt sind. Was am Freitag in den Moscheen gepredigt wird, wird zentral in Ankara verfasst, verlesen von aus der Türkei entsandten in der Regel des Deutschen nicht mächtigen Imamen. Bezahlt werden sie ebenfalls von der türkischen Religionsbehörde, die Erdogan direkt unterstellt ist. Was sagte der DITIB-Sprecher? Es sei wirklich eine „absurde Unterstellung ohne Grundlage“, zwischen der Ditib und der türkischen Religionsbehörde könnte es irgendwelche Kooperationen geben.

  5. aloo masala sagt:

    @cengiz k

    es ehrt mich ungemein, dass sie sich so viele Gedanken über meine Person machen. Wenn sie nur halb so viele über sich selbst machen würden, bräuchte ich ihnen nicht sagen, dass sie komplett daneben liegen.

  6. Sami sagt:

    @Claudius

    Nu mach mal halb lang. Hiernach sind es Millionen in Deutschland, die die Todesstrafe fordern: http://www.welt.de/politik/deutschland/article134799279/Warum-jetzt-viele-Deutsche-die-Todesstrafe-fordern.html

    Erklärung dafür ist Unsicherheit und Angst in der Bevölkerung. Jetzt raten Sie mal, wie sich Türken nach einem blutigen Militärputschversuch fühlen?

  7. aloo masala sagt:

    @Claudius @Sami

    Es sollte nicht darum gehen, gegenseitig mit dem Finger auf den jeweils anderen zu zeigen. Die Frage ist doch, in was für einer Gesellschaft wir leben möchten.

    Ich möchte in keiner Gesellschaft leben, die von Erdogan- oder Pegida-Anhängern gestaltet wird. Beide Gruppen spalten die Gesellschaft. Selbst bei Migazin erkennt man die Spalter der Gesellschaft daran, dass sie regelmäßig die Fehler der jeweils anderen Gruppe kritisieren aber zu Selbstkritik unfähig sind.

  8. Cengiz K sagt:

    …Selbst bei Migazin erkennt man die Spalter der Gesellschaft daran, dass sie regelmäßig die Fehler der jeweils anderen Gruppe kritisieren aber zu Selbstkritik unfähig sind….

    wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.. Wieso reden Sie wie Özdemirs Mundstück? Es waren nicht die Muslime, die Pegida öffentlich geächtet hätten, sondern das war Ihre Partei und ihre Medien.. Als Muslim hatte man/frau ja noch nicht mal die Gelegenheit mit einem bachmann oder Konsrten zu reden.. Sie rühren hier einen Brei zusammen.. Haben Sie die Anweisung von Ihrer Parteizentrale gekriegt mit der AfD zu flirten? Sie verraten sich nicht nur wegen Ihrer eingeschränkten Wortwahl.. Die Grüne Bundespartei hat die Pegida bereits rechts überholt.. Die haben echt überhaupt gar keine Prinzipien mehr.. Umwelt, Wirtschaft, Teilhabe Bürgerrechte, gesellschaftlicher Frieden: alles mittlerwile aufgelöst.. Zuerst jahrelang deutsche Muslime isolieren und hinhalten, um sie dann hinerhältig ab zu servieren.. Man/frau beachte, wie die Özdemir-Anhänger die Drangsalierung von Minderheiten im eigenen Land voran treiben..

  9. President Erdogan sagt:

    Deutschland macht verlogene Politik. Mit den USA, in der die Todesstrafe seit jeher erlaubt ist, möchte es ein Handelsabkommen beschließen, aber der Türkei droht es mit dem Abbruch der Verhandlungen zur Aufnahme in die EU. An diesem Beispiel wird die dreckige Politik Deutschlands mehr als deutlich. Der Türkei wirft Deutschland vor, Menschenrechte nicht zu achten, aber wenn es um die Flüchtlinge geht, heißt es auf einmal die Türkei sei ein sicherer Staat. Erdogan macht genau das richtige. Er will sein Land in die Unabhängigkeit führen, frei von der Hegemonie der USA, Deutschlands und anderer westlicher Länder. Der Westen soll weiter bellen. Ihm ging es nie um Menschenrechte, er ist nur angepisst, weil Erdogan nicht nach der Pfeife der westlichen Ausbeuterstaaten tanzt. Der Westen will keinen ebenbürtigen Partner, er will Untergebene. Weiter so Erdogan, wir unterstützen dich! China und Russland sind durchaus gute Alternativen.

  10. President Obama sagt:

    Präsident Erdogan ruft doch all seine Schäfchen heim ins Reich. Momentan sieht es nicht danach aus, als ob die deutsche Mehrheitsgesellschaft jemanden an einer Übersiedlung in die Türkei hindert. Gerade wenn man von einer dreckigen deutschen Politik spricht müsste es sich doch für die Erdofans geradezu anbieten, so schnell wie möglich ins gelobte Land zu ziehen.

    China und Russland sind in der Tat beste Alternativen zur EU und geradezu ein Vorbild in Sachen Menschenrechte oder im Kampf gegen den Terror.


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