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Ängste der Deutschen

Terror, Extremismus, Einwanderung, überforderte Politiker, Schuldenkrise

Noch nie im zurückliegenden Vierteljahrhundert hatten die Deutschen so viel Angst vor Terror wie heute. Auch die Sorge vor einem Kontrollverlust des Staates ist angesichts von Flüchtlingszuzug und zunehmendem politischen Extremismus groß.

Terror, Extremismus, Spannungen durch Zuwanderung, überforderte Politiker, Euro-Schuldenkrise – das sind die aktuellen Top Fünf im Ängste-Ranking der Deutschen. Trieben in den vergangenen Jahren die Bundesbürger noch die Sorgen um Geld, Gesundheit, Umwelt und eine schlechte Wirtschaftslage um, sind es heute die Kriege an den Rändern Europas, die Terroranschläge von Paris, Brüssel und Istanbul, der Flüchtlingszuzug und die Schuldenberge im Euro-Raum, wie aus der am Dienstag in Berlin vorgestellten diesjährigen Befragung „Die Ängste der Deutschen“ hervorgeht.

Dabei ist die Angst der Deutschen vor Terrorismus so hoch wie noch nie in den vergangenen 25 Jahren. Fast drei Viertel der Bundesbürger (73 Prozent) befürchten derzeit, dass sie Opfer von Terroranschlägen werden. Das sind 21 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Erstmals rangiert damit die Terrorgefahr auf Platz eins der Ängste-Liste.

„Erdrutschartige Verschiebungen“

Sprunghaft zugenommen haben auch die Ängste vor politischem Extremismus (68 Prozent), Spannungen durch Zuzug von Ausländern (67 Prozent) und Überforderung von Politikern und Behörden durch die Flüchtlingskrise (66 und 65 Prozent). Auch sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr jeweils um 19 bis 16 Prozentpunkte und damit im zweistelligen Bereich.

Der Heidelberger Politikprofessor Manfred Schmidt spricht in diesem Zusammenhang von „erdrutschartigen Verschiebungen“ in den Top Ten der deutschen Ängste. Große Sorgen machen sich die Deutschen zudem vor einem Kontrollverlust des Staates in der Flüchtlingskrise. Fast jeder zweite Deutsche (44 Prozent) zweifelt am Krisenmanagement von Behörden und Politik und vergibt die Schulnoten fünf oder sechs für die Arbeit der Politiker. Das sei ein „vernichtendes Urteil“, sagte der Politikwissenschaftler. Zwischen dem Flüchtlingsmanagement der Politik und dem, was sich die Menschen vorstellen, gebe es eine offenbar eine „extrem große Lücke“.

Jahr der Ängste

„2016 ist das Jahr der Ängste“, bilanzierte Schmidt. So sei auch das Thema Euro-Schuldenkrise bei den Leuten präsent, obwohl es derzeit in Politik und Medien kaum eine Rolle spiele. „Das spricht für das Urteilsvermögen der Befragten.“ Die Leute hätten ein gutes Gespür für politische Veränderungen und speziell die Deutschen auch ein hohes Sicherheitsbedürfnis.

Die globalen Themen haben persönliche Sorgen der Bundesbürger wie Arbeitslosigkeit (38 Prozent), Drogensucht der Kinder (36 Prozent) und Vereinsamung im Alter (33 Prozent) auf die hinteren Plätze verdrängt. Am wenigsten treibt die Deutschen derzeit das Zerbrechen der Partnerschaft (21 Prozent) um.

Die Studie zu den Ängsten der Deutschen wird seit 25 Jahren im Auftrag der R+V Versicherung erstellt und fragt nach 16 verschiedenen Ängsten aus dem gesellschaftlichen und persönlichen Umfeld. Die Interviews mit über 2.400 repräsentativ ausgewählten Personen ab 14 Jahren wurden zwischen Anfang April und Mitte Mai geführt. (epd/mig)